News aus Wirtschaft und Finanzen

31.5.2012 11:43

"Spanien hat sich einer Politik des Hinausschiebens und Betens verschrieben"

  • Die wahren Risiken bei spanischen Banken aufgrund der platzenden Immo-Bubble, werden weiterhin verheimlicht.
"Spanien hat sich einer Politik des Hinausschiebens und Betens verschrieben"

Spaniens Banken kaschieren, wie stark sie bei ausfallgefährdeten Immobilienkrediten exponiert sind. Gleichzeitig pumpen sie weiteres Geld in Zombie- Immobilienentwickler und halten diese künstlich am Leben damit die Kredite nicht als notleidend verbucht werden müssen.

Zwar hat das Land kürzlich die Kreditinstitute verpflichtet, ihre Rückstellungen für potenzielle Kreditausfälle um 30 Mrd. Euro aufzustocken, der tatsächliche Bedarf ist jedoch deutlich höher, sagen Experten und nennen höhere Milliardensummen.

Viele der Kredite, die als gesund gelten, werden nicht zurückgezahlt, warnt Mikel Echavarren, der Chairman von Irea, einem auf Immobilien spezialisierten Finanzkonzern. “Spanien hat sich einer Politik des Hinausschiebens und Betens verschrieben”, sagt Echavarren im Interview mit Bloomberg News. “Niemand hat das Problem bislang in Zahlen gefasst, weil der Druck, nicht die Wahrheit zu sagen, gewaltig ist.”

In den Büchern der spanischen Banken stehen insgesamt 184 Mrd. Euro an Krediten an Immobilienentwickler und Vermögenswerten, die als “problematisch” eingeschätzt werden, wie aus Daten des Wirtschaftsministeriums hervorgeht. Weitere 123 Mrd. Euro in ihren Bilanzen seien gesund, heißt es.

Wenn Spanien sein Immobilien-Problem so scharf angeht, wie Irland dies vor ein paar Jahren getan hat, dann dürften die bislang aufgebauten Rückstellungen bei weitem nicht ausreichen, schätzen die Analysten Daragh Quinn und Duncan Farr von Nomura International. Im besten Fall seien weitere 8,9 Mrd. Euro notwendig, im schlimmsten 76,5 Mrd. Euro, warnen sie.

Immos viel zu hoch bewertet

Viele Banken meiden Immobilienverkäufe, damit den Objekten nicht ein tatsächlicher aktueller Marktwert zugeschrieben werden kann. Stattdessen reichen sie frische Kredite an die Entwickler heraus, damit diese die alten Kredite bedienen können und nicht pleitegehen, sagt Ruben Manso, ein Volkswirt bei Mansolivar & IAX, der früher Inspektor bei der spanischen Zentralbank war.

“Die größeren Banken haben kleine Häppchen verkauft und können die Verluste absorbieren”, sagt Manso. “Die kleineren Sparkassen handeln in der Absicht zu täuschen, indem sie sich weigern, Transaktionen durchzuführen und sagen, dass sie den Objekten keinen Marktwert beimessen können, weil es keinen Markt für sie gebe.”

Mehr als Hälfte der 67.000 spanischen Immobilienentwickler können als “Zombies” klassifiziert werden, sagt die Immobilienberatung R.R. de Acuna & Asociados. Ihre Verbindlichkeiten summieren sich auf 180 Mrd. Euro, was zu Verlusten von 104 Mrd. Euro führen wird, für die bislang noch keine ausreichenden Rückstellungen gebildet wurden, schätzt Acuna. “Sie sind nicht offiziell bankrott, weil sie immer wieder eine Refinanzierung erhalten”, erklärt Fernando Rodriguez de Acuna Martinez, ein Partner bei Acuna. “Ihre Vermögenswerte sind viel weniger Wert als ihre Verbindlichkeiten ausmachen. Sie haben Mühe, ihre Kredite zu bezahlen und sie haben sie nicht neu bewertet, um sie an die heutigen Preise anzupassen.”

"Gefakte" Bücher

Die spanische Notenbank ermögliche es den Banken, Kredite, die refinanziert werden, bevor sie ausfallen oder auch tilgungsfreie Kredite als “normal” oder “gesund” zu klassifizieren, sagt Manso. Dadurch würden die Bücher der Banken viel besser aussehen als sie in Wirklichkeit sind. “Diese Daten findet man nirgends”, erklärte er. “Es gibt eine Menge Schummeleien, wobei die Banken den Entwicklern frisches Geld leihen, damit sie ihre ursprünglichen Kredite zurückzahlen können.” Die Kreditinstitute würden dies dann als neue Kredite verbuchen und dadurch eine Zahlungsunfähigkeit kaschieren.

Die Refinanzierung derzeitiger und künftiger Zombie- Entwickler wird im Verlauf der nächsten zwei Jahre 30 Mrd. Euro kosten, schätzt Acuna. Der Wertverlust der Vermögenswerte dieser Entwickler dürfte sich in dem Zeitraum auf weitere 20 Mrd. Euro summieren, sagt er.

Die spanische Notenbank veröffentlicht keine Informationen über restrukturierte Kredite an Immobilienentwickler oder tilgungsfreie Kredite - also Kredite, die erst bei Fälligkeit komplett zurückgezahlt werden müssen - solange sie als gesund klassifiziert sind.

Die spanischen Banken und die Regierung sollten sich ein Beispiel an Irland nehmen und offener mit ihren Kreditverlusten umgehen, fordert Echavarren. Er geht davon aus, dass es den größeren Kreditinstituten dank der Einnahmen aus ihren Aktivitäten im Ausland gelingen wird, ihre Immobilienverluste im Land innerhalb von zwei Jahren auszugleichen. Die anderen Banken könnten jedoch so nicht überleben und müssen seiner Ansicht nach verstaatlicht werden. “Wir können nicht weiterhin unser gesamtes Finanzsystem gefährden, indem wir nicht die Wahrheit sagen”, warnt Echavarren.

Bloomberg/hahn

31.5.2012 11:43
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