News aus Wirtschaft und Finanzen

30.5.2012 18:45

Metro beginnt mit dem Abverkauf

  • Deutscher Handelskonzern stößt verlustreiche britische Großmärkte ab.
  • Weitere Landesgesellschaften könnten folgen.

Neuer Metro-Chef Olaf Koch bringt Makro UK um 960 Millionen € an und nimmt weitere Sparten wie ddie Supermarktkette Real an die Kandare

Genug vom Abenteuer in Großbritannien: Der neue Metro -Chef Olaf Koch zieht angesichts laufender Verluste der britischen Großhandelsmärkte die Reißleine: Der Düsseldorfer Handelsriese verkauft seine Tochter Makro UK mit 30 Märkten und einem Jahresumsatz von zuletzt 766 Millionen Pfund (knapp 960 Millionen Euro) an den Händler Booker Group. "Mit der Booker Group haben wir den richtigen Käufer für unser britisches Geschäft gefunden, das eine für uns unbefriedigende Entwicklung gezeigt hat", sagte Koch heute, Mittwoch.

Andere Landesgesellschaften der Metro-Großmarktsparte müssen nun möglicherweise ebenfalls um den Verbleib im Konzern zittern - Koch durchleuchtet das Portfolio. Mehrere Landesgesellschaften würden überprüft, es sei aber keine von der Größe Großbritanniens darunter, sagte Koch vor Analysten. Auch bei der Supermarktkette Real, die bei Metro bereits in der Vergangenheit zur Disposition gestellt worden war, schließe er "keine Option aus", betonte Koch. Hier machte er zugleich deutlich, dass sich Real nach langer Durststrecke in Deutschland wieder gut entwickle. In den vergangenen Wochen hatte es Medienberichte und Analystenstudien gegeben, Metro könne das Osteuropa-Geschäft der Kette verkaufen.

Nun als Aktionäre bei Booker

Das Kapitel Großmärkte in Großbritannien ist für Metro mit der Transaktion aber nicht gänzlich beendet: Im Gegenzug zum Verkauf der Kette erhält Metro einen Anteil von knapp zehn Prozent an Booker sowie eine Barzahlung von 15,8 Millionen Pfund. Booker plane dafür eine Kapitalerhöhung. Der Verkauf wird zudem Spuren in den Zahlen des Handelsriesen für das zweite Quartal hinterlassen - eine Abschreibung wird nötig.

Metro-Aktien legten bis zum Mittag um knapp drei Prozent auf 23,22 Euro zu und zählten damit zu den wenigen Gewinnern im Dax. Analysten begrüßten, dass Koch sich von einem Verlustbringer trennt.

Makro UK galt bereits seit Jahren als eines der Sorgenkinder des Handelsriesen. Die Märkte schrieben rote Zahlen, erst vor einem knappen Jahr hatte der Konzern versucht, das Geschäft mit seinen rund 3000 Mitarbeitern durch einen Management-Wechsel wieder in die Spur zu bringen. Vier der fünf Geschäftsführer mussten im vergangenen Sommer ihren Hut nehmen - eine "Restrukturierung und Neupositionierung" wurde damals als Ziel ausgegeben. Nun kommt die Trennung: "Wir müssen der Realität ins Auge sehen", betonte Koch vor Analysten. Der neue Eigentümer Booker hatte sich bislang vor allem auf Catering-Unternehmen und unabhängige Einzelhändler als Kunden konzentriert, mit den Metro-Geschäften kommen nun auch Kunden aus den Bereichen Hotellerie und Restaurants hinzu.

Die Transaktion wird die Bilanz der Metro indes belasten: Der Konzern erwarte wegen des Buchwerts der britischen Großhandelsmärkte in Höhe von rund 360 Millionen Euro einen negativen Effekt auf den operativen Gewinn (Ebit) in einer Höhe von rund 200 Millionen Euro noch im zweiten Quartal, teilte Metro weiter mit. Diese Ergebnisbelastung will Koch aber als Sondereffekt verbuchen - damit sei sie für die Ebit-Prognose der Metro für das Gesamtjahr nicht wirksam. Koch rechnet für 2012 beim operativen Gewinn vor Sonderfaktoren mit einem Ergebnis in etwa auf der Höhe des Vorjahres - damals lag das Ebit vor Sonderfaktoren bei 2,37 Milliarden Euro.

Metro hatte sich bereits mehrfach aus Ländern zurückgezogen, in denen der Konzern keine Wachstumsperspektiven mehr sieht. 2010 wurden die Großhandelsmärkte in Marokko verkauft, auch von den Saturn-Märkten in Frankreich trennte sich Metro. Koch hatte zuletzt auch die Zusammenlegung der beiden Landesgesellschaften in Spanien und Portugal verfügt und auf den eigentlich geplanten Markteintritt der Großmärkte in Indonesien verzichtet. Der seit Anfang Januar amtierende Metro-Chef will sich darauf konzentrieren, die Umsätze zu steigern und die Expansion in ausgewählten Ländern wie China, Russland oder der Türkei zu beschleunigen

- Reuters, rp

30.5.2012 18:45
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