News aus Wirtschaft und Finanzen

29.5.2012 15:58

Facebook-Interesse beflügelt Opera

  • An der Börse unter Druck - und dennoch schielt Mark Zuckerberg schon wieder nach Zukäufen

Das norwegische Softwarehaus Opera hat das Interesse von Facebook erweckt. Das macht Opera-Aktien noch interessanter.

Das Internet wird mobil, immer öfter greifen die User von unterwegs auf Websites zu - etwa auch auf Facebook. Kein Wunder also, dass sich Anbieter spezieller Dienste wachsenden Interesses von Seiten der etablierten Internetkonzerne erfreuen. Jüngstes Beispiel ist das norwegische Softwarehaus Opera, das den Browser gleichen Namens herstellt. Dieser ist vor allem für mobile Geräte wie Smartphones oder Tablet-PC geeignet.

Ausgerechnet der seit kurzem börsenotierte Social Media-Gigant Facebook zeigt nun Appetit auf Opera. Am Dienstag mehrten sich die Gerüchte, dass das weltgrößte soziale Netzwerk am norwegischen Software-Entwickler Opera interessiert ist. Die Titel des Unternehmens, das für seinen gleichnamigen Internet-Browser bekannt ist, stiegen an der Osloer Börse zeitweise um 26 Prozent auf ein Rekordhoch von 43,20 Kronen. Damit war Opera rund 800 Millionen Dollar wert. Opera wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

Analysten rechnen mit einem Bieterkampf um den Konzern. Das Interesse von Google und anderen könnte den Preis demnach auf über eine Milliarde Dollar hochschnellen lassen. Probleme, das Geld aufzubringen, dürfte das Online-Netzwerk nicht haben. Beim größten Börsengang eines Technologieunternehmens hatte Facebook am 18. Mai ein Vielfaches erlöst.

Analysten sehen in Opera ein ideales Übernahmeziel für Facebook. Der Internet-Browser von Opera läuft als Alternative zu Microsofts Internet Explorer, Google Chrome oder Mozilla Firefox nicht nur auf PCs, sondern auch auf Smartphones. Ende des ersten Quartals lag die Zahl der mobilen Nutzer bei knapp 170 Millionen. Standardpartner von Opera für Suchanfragen im Internet ist überwiegend Google.

Gemeinsam stärker

Facebooks erklärtes Ziel ist es, die zunehmende Internetnutzung über Smartphones und Tablets besser in Einnahmen umzumünzen. Experten gehen davon aus, dass dies mit einer Übernahme von Opera schneller gelingen würde, als wenn das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen selbst einen Browser entwickelt. Es entspricht Facebooks Strategie, sich über Zukäufe in bestimmten Bereichen zu stärken. So hatte das Online-Netzwerk unlängst den App-Entwickler Instagram für eine Milliarde Dollar geschluckt - dies war der bislang größte Zukauf seiner Firmengeschichte.

"Aus unserer Sicht wäre eine Opera-Übernahme für Facebook strategisch sinnvoll", schrieben die Analysten der DNB Bank. "Wir haben die Möglichkeit einer Kooperation zwischen den beiden Unternehmen schon früher diskutiert. Für eine erfolgreiche Offerte müsste ein Käufer mindestens das Doppelte des Schlusskurses vom Freitag zahlen." An diesem Tag hatten Opera bei 34,30 Kronen geschlossen. DNB empfehlen die Papiere mit einem Kursziel von 60 Kronen zum Kauf. Das entspräche einem Kaufpreis von 1,2 Milliarden Dollar.

Opera-Chef Lars Boilesen hatte im Herbst erklärt, Facebook würde "liebend gerne" noch stärker mit Facebook zusammenarbeiten. In aufstrebenden Märkten wie Afrika und Indien fungiere Opera bereits als Verteilerplattform für Facebook. Opera-Firmengründer und -Großaktionär Jon von Tetzchner sagte, er habe keine Kenntnis von Übernahmegesprächen und treibe auch keine Übernahme voran. "Ich will, dass sich Opera auf Wachstum konzentriert und gute Ergebnisse abliefert. Es gibt große Chancen für Opera", sagte Tetzchner, der 10,9 Prozent an dem Konzern hält. Zugleich erklärte er, eine Offerte nicht zu blockieren, sollte sie von anderen Aktionären unterstützt werden. Dies wäre "undemokratisch", begründete der Firmengründer seine Haltung. Opera ist aus einem Forschungsprojekt von Norwegens größter Telefongesellschaft Telenor hervorgegangen.


- Reuters, rp

29.5.2012 15:58
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