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28.05.201212:40 Uhr

Spanien und Italien bleiben voll im Krisensog

  • Das Misstrauen gegenüber den Euro-Krisenländern Spanien und Italien wird laufend größer. Am Anleihenmarkt wird es immer teurer.

Am Pfingstmontag stieg der Risikoaufschlag von spanischen zu deutschen Staatsanleihen auf den höchsten Wert seit der Euro-Einführung. Im richtungweisenden Zehnjahresbereich legte der Aufschlag auf bis zu 508 Basispunkte zu.

Der neue Rekordstand bedeutet: Während Deutschland mit aktuell 1,37 Prozent so wenig Zinsen wie noch nie für zehnjährige Schulden zahlt, muss Spanien mit rund 6,41 Prozent ein Vielfaches dessen und so viel Rendite wie selten zuvor bieten.

Der Höchstwert wurde indes im Herbst 2011 mit etwa 6,7 Prozent erreicht. Seinerzeit sah sich die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, mit Anleihekäufen und später mit massiven Geldspritzen für die Euroraum-Banken zu intervenieren.

Italienische Auktion sehr teuer

Auch das Euro-Sorgenkind Italien muss immer mehr Zinsen für neue Schulden bieten. Am Pfingstmontag lag die Rendite bei einer Versteigerung zweijähriger Nullkupon-Anleihen bei 4,037 Prozent, wie die italienische Notenbank in Rom mitteilte. Das sind fast 0,7 Prozentpunkte mehr als bei einer vergleichbaren Auktion am 24. April. Einen Monat zuvor hatte das Zinsniveau mit 2,35 Prozent sogar noch niedriger gelegen. Höhere Zinsen für neue Schulden stellen für die ohnehin angespannte Budgetlage der drittgrößten Euro-Wirtschaft eine starke Belastung dar.

Unterdessen war die Nachfrage nach den zweijährigen Titeln robust, allerdings schwächer als noch im April. Dennoch gelang es, so viel Kapital wie angestrebt aufzunehmen. Insgesamt spülte die Versteigerung 3,5 Mrd. Euro in die Staatskasse. Nullkupon-Anleihen oder "Zero-Bonds" sehen im Gegensatz zu herkömmlichen Staatspapieren keine feste Verzinsung vor. Die Rendite ergibt sich allein durch die Differenz zwischen Ankaufskurs und Nominalwert.

Neben den Zero-Bonds platzierte Italien zu Wochenbeginn zwei inflationsgeschützte Anleihen ("Linker") mit Fälligkeit 2016 und 2017. Hiermit nahm der Staat insgesamt 750 Mio. Euro ein - so viel wie maximal geplant. Die Renditen zogen ebenfalls an. Bei dem fünfjährigen Papier stieg sie von 3,88 Prozent bei einer vorherigen Auktion auf 4,60 Prozent. Die Nachfrage war jedoch robust - sie hätte ausgereicht, um mehr als das doppelte des Angebots zu bedienen. Inflationsgeschützte Anleihen bieten eine Realrendite, die sich an einem Preisindex bemisst und damit die künftige Geldentwertung berücksichtigt.

Fundamentale Situation verchlechtert sich

Die fundamentale Begleitmusik zur Verschärfung am Anleihenmarkt klingt besorgnisserregend. Belastet von der Schuldenkrise ist die Stimmung in den italienischen Chefetagen inzwischen so schlecht wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Der Index für das Geschäftsklima fiel im Mai um 2,9 auf 86,2 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit August 2009, wie das nationale Statistikamt Istat am Montag mitteilte. Der April-Wert wurde zudem um 0,4 Punkte auf 89,1 nach unten revidiert. Die befragten Firmen äußerten sich vor allem skeptisch zur Auftragslage und den Produktionsaussichten.

Die Schuldenkrise und der harte Sparkurs der Regierung haben Italiens Wirtschaft wieder zurück in die Rezession getrieben. Im ersten Quartal schrumpfte die drittgrößte Wirtschaft der Euro-Zone um 0,8 Prozent.

Agenturen/hahn

 
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