
Schule macht Wirtschaft: Maßgeschneiderte Motivation
- Schüler versuchen sich als Unternehmer, Wirtschaftskammer und hochkarätige Unternehmen helfen ihnen dabei.
Bei der FORMAT-Aktion "Schule macht Wirtschaft wird die Brücke zwischen Ausbildung und Praxis gespannt. Die heurigen Projekte sind vielversprechend.
"Was ich hier erlebe, ist Motivation genug für die nächsten Jahre, sagte Christoph Leitl bei seinem Besuch im Schulzentrum Herbststraße in Wien. Kein Wunder: Soviel Engagement und Begeisterung für die Wirtschaft erlebt selbst ein Wirtschaftskammer-Präsident nicht jeden Tag. Schülerinnen dieser Mode- und Kunstschule haben im Rahmen der Junior-Aktion ein Unternehmen gegründet, um das reale Geschäftsleben am eigenen Leib zu erleben. "GagnRag nennt sich ihre Firma, bei der die Themen Mobilität und Recycling miteinander verwoben werden. Aus Stoffstücken und gebrauchten Fahrradschläuchen schaffen die kreativen Jungunternehmerinnen Jacken, die speziell für Radfahrer geeignet sind, sowie Taschen und Schmuck. Im Vergleich zu anderen Anbietern seien die "GagnRag-Modelle preisgünstiger und kreativer, so die Argumentation der jungen Firmeninhaberinnen.
Für die Praxis
Bei der FORMAT-Aktion "Schule macht Wirtschaft, die gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich, Bawag, Wien Energie und Accenture durchgeführt wird, besuchen Experten aus der Wirtschaft jene Schulen, die am Praxisprojekt JUNIOR teilnehmen. Bei diesem Projekt gründen 13- bis 19-jährige Schüler Unternehmen, die sie mit echten Produkten bzw. Dienstleistungen selbst führen; sie kümmern sich um alle Aspekte vom Personal übers Marketing bis zum Jahresabschluss. Im heurigen Schuljahr werden rund 180 solcher Unternehmen von mehr als 2.200 Schülern mit Unterstützung von rund 200 Lehrern gegründet.
In der Herbststraße konnte Christoph Leitl selbst die Modelle von "GagnRag in Augenschein nehmen. Er war begeistert von den Kreationen, aber auch von den kritischen Fragen der Schülerinnen. Diese wollten vom Kammer-Präsidenten etwa wissen, wie die Chancen für Jungunternehmer stünden, erfolgreich zu sein. Leitl: "Neun von zehn überleben die ersten fünf Jahre. Pro Jahr würden rund 28.000 neue Unternehmen gegründet; die Kammer könne den Gründern unterstützend unter die Arme greifen. "Das Geschäft muss man aber selbst machen. Auf die Frage, ob denn die österreichische Textilwirtschaft angesichts der Billigkonkurrenz eine Zukunft habe, antwortete Leitl: "Ja, wir müssen uns aber auf Innovation, Design und Kreativität konzentrieren - also auf jene Bereiche, die Österreich am besten kann. Ob ihr Projekt eine Chance habe, langfristig in der Wirtschaft zu überleben, wollten die "GagnRag-Gründerinnen auch noch wissen. Christoph Leitl war angetan: "Ihr habt sicher Chancen und die Wirtschaftskammer kann Euch unterstützen. Motivation für und von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern also - und genau das ist auch eines der Ziele des Projekts.
Besuch in Linz
Kammer-Präsident Leitl besucht im Rahmen der Aktion "Schule macht Wirtschaft auch das Gymnasium Fadingerstraße in Linz. Dort wurde der Unternehmerführerschein präsentiert, der inzwischen zu einer Fixgröße im Bildungssystem wurde.
Wien Energie & Mako / Billrothgymnasium
Ein leuchtendes Beispiel für erfolgreiche Gründung in der Schule ist Mako, ein Junior-Unternehmen, das Taschen mit individuellen Designs und auf Wunsch mit LED-Innenbeleuchtung verkauft. Im Sommer 2012 gründeten Schüler des GRG 19 Billrothgymnasiums das Unternehmen. "Mittlerweile, nach 30 verkauften Taschen, machen wir auch schon Gewinn, berichten sie stolz. Von Robert Grüneis, Wien Energie-Chef, der zur Präsentation von Mako kam, wollten die Jungunternehmer wissen, wie lange es gedauert hat, bis er Geschäftsführer wurde. "13 Jahre lautete die Antwort, der Grüneis einen Tipp hinterher schickte: Nicht in Jobs denken und offen sein für neue Aufgaben. "Die Gründung hat uns positiv verändert, sagen die Gründer, "denn wir haben an einem Strang gezogen und uns gegenseitig immer wieder motiviert und geholfen. Die größte Hürde war es, "preiswerte und qualitative Taschen zu finden.
Bawag & DigiWall / Kfm. Schulen des BFI Wien
"Wir wollen hoch hinauf, sagten die Schüler der Kaufmännischen Schulen des BFI Wien bei der Präsentation ihres Unternehmens DigiWall, bei der Byron Haynes, CEO der Bawag P.S.K., zu Gast war. Motiviert durch erste unternehmerische Schritte an der Schule, möchten sie unter anderem Screens auf Hochhäusern mit Werbung bespielen und Mitbewerber preislich unterbieten. Die Gründer, die im vierten Jahrgang der Handelsakademie sind, denken nachhaltig: Die Hälfte des Strombedarfs soll durch ein Windrad am Dach generiert werden, der Rest wird zugekauft. Die Jungunternehmer zielen auf stark frequentierte Orte wie die Mariahilfer Straße ab. "Wir erschaffen quasi den Times Square von Wien, geben sie sich alles andere als bescheiden. Dennoch sind sie realistisch: "Unser Markt ist ein abgemagert, aber wir haben Marktchancen. Den Bawag-Boss konnten sie überzeugen: Haynes fragte nach, ob sie eine Finanzierung benötigen.
Accenture hilft tatkräftig
Im Rahmen von "Skills to Succeed will Accenture bis 2015 weltweit 500.000 Menschen mit kostenlosen Beratungen auf die Berufswelt vorbereiten. In Österreich kooperiert Accenture seit Jahren mit dem Roten Kreuz. Das gemeinsame Projekt Lernhaus ermöglicht Jugendlichen mit Lernschwächen im Alter von 13 bis 15 Jahren, auf die Hilfe von Mentoren zuzugreifen. 2011 und 2012 leisteten Accenture-Mitarbeiter mehr als 1.300 Stunden ehrenamtliche Arbeit.
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