Infotech

22.05.201219:30 Uhr

Facebook: Der Börse-Flop wird chronisch

  • Nach dem enttäuschenden Börsengang bringen wachsende Zweifel am Geschäftsmodell Facebook immer stärker unter Druck.

Die Aktie verlor am Dienstag erneut kräftig. Die Kritik richtete sich zunehmend gegen die das IPO begleitenden Finanzinstitute. Unmittelbar vor der Erstnotiz senkte Morgan Stanley Anlegern zufolge die Umsatzprognose für das weltgrößte Online-Netzwerk.

"Das passierte noch während der Werbetour - so was habe ich in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt", sagte ein Insider bei einer Fondsgesellschaft, die von Morgan Stanley über die korrigierte Vorhersage informiert worden war. Auch JPMorgan und Goldman Sachs hätten im Vorfeld ihre Prognosen heruntergeschraubt. Die Börsenaufsicht SEC kündigte an, die Vorfälle rund um den IPO zu prüfen.

Experten zufolge haben die Geldhäuser damit Anleger verschreckt und zu dem schwachen Börsendebüt am Freitag beigetragen. Die Facebook-Aktien rutschte den zweiten Handelstag infolge ab, zeitweise fiel sie um ein Drittel unter ihren Höchststand. Am Montag hatte das mit viel Euphorie erwartete Papier elf Prozent verloren, nachdem es beim Börsendebüt letztlich nur dank Stützungskäufen von Konsortialführer Morgan Stanley den Ausgabepreis von 38 Dollar halten konnte. Trotz der Verluste halten Experten die Aktie derzeit immer noch für überbewertet.

Finanzkreisen zufolge senkte Morgan Stanleys Internet-Analyst Scott Devitt seine Umsatzprognose für Facebook für das zweite Quartal deutlich und trat auch bei den vorhergesagten Einnahmen für das Gesamtjahr auf die Bremse. "Diese Verlangsamung regte viele Leute auf", sagte ein Investor. Für Analysten der führenden Konsortialbanken seien solche Anpassungen unmittelbar vor dem Börsengang sehr ungewöhnlich, bestätigte auch Scott Sweet von der Gesellschaft IPO Boutique. Emissionsbanken geben in der Regel bis zu 40 Tage nach Handelsbeginn keine Kommentare zu den eingeführten Aktien ab. Auch wenn Analysten unabhängig agieren, versuchen Emissionsbanken in der Regel, ein Unternehmen vor dem IPO in möglichst positives Licht zu rücken.

Auch JPMorgan und Goldman Sachs, die ebenfalls an der Emission beteiligt waren, senkten Kreisen zufolge ihre Vorhersagen. Grundlage seien die bei der Börsenaufsicht SEC eingereichten, geänderten Unterlagen des Online-Treffpunkts gewesen. Die Firma von Mark Zuckerberg habe darin ihre Zurückhaltung in Bezug auf das Umsatzwachstum gezeigt, da immer mehr Nutzer auf mobile Geräte zurückgriffen. Mit Internet-Werbung auf Mobiltelefonen lässt sich aber weniger Geld verdienen als mit Werbebannern, die für Computernutzer geschaltet werden.

Wall Street ist "strenger Lehrmeister"

Der heiß ersehnte Börsenstart war von technischen Problemen überschattet worden. Der Handel begann mit Verzögerung und es gab Orderprobleme. Einige Beobachter bezeichneten auch den Ausgabepreis als zu hoch. Der Preis war noch kurz vor dem IPO angehoben und auch die Zahl der zum Verkauf stehenden Aktien ausgeweitet worden. Die junge Firma müsse nun beweisen, dass sie weiter kräftig wachsen kann und ihren hohen Preis wert sei, sagten Analysten. "Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister", sagte David Rolfe, Investmentchef von Wedgewood Partners. Facebook müsse künftig quartalsweise überzeugen können. Es werde erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebe, um sie dann zu übertreffen.

Das Trauerspiel um Facebook rief auch die Börsenaufsicht auf den Plan. "Es gibt viele Gründe für Vertrauen in unsere Märkte und in die Integrität, mit der sie agieren, aber es gibt Fälle die wir uns genauer anschauen müssen, vor allem was Facebook angeht", sagte SEC-Chefin Mary Schapiro.

Beobachter befürchteten von der Facebook-Misere Auswirkungen auf künftige Börsengänge von Internetfirmen. Doch Risikokapitalgeber im Silicon-Valley versuchten, Gelassenheit zu verbreiten. Er glaube nicht, dass dadurch der IPO-Markt hart getroffen werde, sagte etwa Dixon Doll von DCM. "Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten", sagte Experte Tom Taulli. "Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr." Damit könnte sich der Druck auf den Kurznachrichtendienst Twitter erhöhen, den Ausgabepreis bei einem Börsengang nicht zu hoch zu treiben. Viele Investoren erwarten, dass der Dienst im nächsten Jahr oder Anfang 2014 an die Börse geht - ebenfalls mit milliardenschwerer Bewertung, trotz niedriger Umsätze.

Reuters

 
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