News aus Wirtschaft und Finanzen

23.5.2012 08:26

So schützen Sie Ihr Geld

  • Europa drohen mindestens vier Prozent Inflation. FORMAT zeigt, wie Sie jetzt Ihr Vermögen am besten absichern.

Ein kurzer Satz von Jens Ulbrich sorgte für Panikstimmung unter Sparern. Der Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Deutschen Bundesbank meinte, um die Krise im Euroraum zu bewältigen, sei eine Inflationsrate von vier Prozent verkraftbar. Soll die Schuldenkrise einfach weginflationiert werden? Ist das die Lösung? Die Bundesbank war sofort um Schadensbegrenzung bemüht - aber die Ängste der Anleger sind seither geweckt.

Der für seine Studien zu Schuldenkrisen bekannte frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff jedenfalls schätzt, dass die Staaten des Euroraums nur mit einer Inflation von bis zu sechs Prozent in der Lage sein werden, ihre Schuldenberge abzubauen (siehe Grafik). Doch durch die Geldentwertung würden die realen Lasten der Staaten zwar gesenkt, aber die Kosten der Sanierung auf Vermögensbesitzer, Sparer und Einkommensbezieher abgewälzt. FORMAT zeigt, wie Sie Ihr Geld gegen so ein Szenario jetzt am besten schützen.

1. Auf der Teuerungsrate mitreiten

Inflationsgeschützte Anleihen und dividendenstarke Aktien bieten den besten Schutz in Zeiten wachsender Inflation. Die heimischen Banken rechnen zwar nicht mit einer Explosion der Verbraucherpreise - bieten aber zahlreiche Produkte mit gesicherten Renditen an.


Vom Ölpreisschock im Jahre 1973 sind zwei Dinge in Erinnerung geblieben: der autofreie Tag, an dem Autobesitzer ihr Fahrzeug nicht benutzen durften; und wie durch die Inflation das Geld auf den Sparbüchern schneller schmolz als Schnee in der Frühlingssonne. Die Teuerungsrate lag damals in Österreich bei 8 Prozent. Die Banken zahlten Sparern hingegen nur 5 Prozent für ihre Einlagen. Ein schmerzhafter realer Geldwertverlust war die Folge.

Auch jetzt geistert das Gespenst der Inflationsangst und der damit einhergehenden Kapitalvernichtung wieder herum. Denn es sind nicht nur die Milliarden, die die Europäische Zentralbank zur Stabilisierung der verschuldeten Eurostaaten in die Märkte pumpt, die die Inflation anheizen. Auch der ständig steigende Rohölpreis treibt, ähnlich wie in den 70er-Jahren, die Preisspirale immer weiter nach oben. Autofahrer lassen mittlerweile ihren fahrbaren Untersatz freiwillig stehen. Wie aber können sich Anleger gegen die Geldentwertung bei ihrem Vermögen schützen?

Die Zinsen für täglich fälliges Geld liegen derzeit je nach Institut und Sparvariante zwischen 1,5 und 2 Prozent. Nach Abzug der Kest ist hier also bei der aktuellen Teuerungsrate von zuletzt 2,4 Prozent bereits ein realer Geldwertverlust eingetreten. Abhilfe bringt hier nur die Anlage in Festgeld. Bei Direktbanken wie der Porsche Bank, VakifBank oder Denizbank können über das Internet Konten eröffnet werden, auf denen derzeit bis zu 2,65 Prozent bezahlt werden - für Geld, das zumindest ein Jahr gebunden bleibt (siehe auch www.bankenrechner.at). Auch die hier tätigen ausländischen Direktbanken unterliegen genauso dem österreichischen Einlagenschutz, nach dem Beträge bis 100.000 Euro durch den Staat vor einer Pleite der Bank geschützt sind.

Doch die Banken haben sich noch mehr einfallen lassen. Führten spezielle Produkte, die Anlegern einen Infaltionsschutz versprachen, in den vergangenen Jahren noch ein Dasein im Verborgenen, hat sich das in den letzten Monaten geändert. Inflationsgesicherte Anleihen (Inflation-Linked Bonds, sogenannte "Linkers“) werden immer häufiger gezeichnet. Dabei begeben vorwiegend Staaten Anleihen, die an die Inflation gekoppelt sind. Zwei Varianten sind möglich: Der Kupon wird entsprechend der Inflationsrate während der Laufzeit angepasst. Bei der anderen Variante wird der Kupon bei Auflage des Wertpapiers fix festgelegt. Der angegebene Zinssatz bezieht sich auf den jeweiligen Nennwert der Anleihe. Dieser wird jedoch regelmäßig dem zugrundeliegenden Index nach oben angepasst. Dadurch verändert sich der Rückzahlungsbetrag und somit auch die effektive Zinszahlung. Hat sich der Nominalwert zum Beispiel durch die Änderung des Inflationsindex von 1.000 Euro auf 1.050 Euro erhöht, wird der Nominalzins von beispielsweise 1,5 Prozent statt auf den Ursprungswert auf diesen höheren Betrag ausgeschüttet. Anleger können sich so gegen den Kaufkraftverlust versichern.

Doch jede Versicherung kostet natürlich Geld. Üblicherweise liegen die Renditen von inflationsgeschützten Anleihen 0,5 bis ein Prozent unter jenen von nichtindexierten Papieren. Lohnt sich dennoch der Kauf? Die heimischen Banker rechnen zwar nicht mit einem dramatischen Anstieg. Gudrun Egger, Analystin der Erste Bank: "Heuer rechnen wir in der Eurozone mit einer Inflation von 2,4 Prozent, aber 2013 wird der Wert deutlich unter zwei Prozent liegen.“ Dennoch wollen mehr und mehr Anleger auf Nummer sicher gehen. Offenbar schenken sie Prophezeiungen wie jener des Ökonomen Rogoff, der von sechs Prozent in den nächsten Jahren spricht, mehr Glauben.

Spezielle Produkte mit Inflationsschutz

Die großen Investmentfonds haben mittlerweile verstärkt eigene Fonds entwickelt, die zum Großteil in Inflation Linked Bonds investieren. In der Tabelle "Die Top Five Fonds mit Inflationssicherung“ sind die Spitzenreiter in diesem Segment angeführt. Anleger, die ihr Vermögen vor zunehmender Entwertung schützen wollen, sind damit besser bedient, als wenn sie selber inflationsgeschützte Anleihen für ihr Portfolio auszuwählen. Robert Zadrazil, Vorstand Bank Austria Private Banking: "Wir empfehlen zur Inflationssicherung eine breite Streuung.“ Es gibt zwar beispielsweise auch einen Inflation Linked Bond der Republik Österreich, dieser ist aber an den französischen Verbraucherpreisindex gekoppelt. Üblicherweise werden die Indizes großer Märkte, wie etwa der USA, dazu herangezogen. Ein Grund für die wachsende Nachfrage nach inflationsgeschützten Anleihen liegt auch darin, dass sich Investoren damit gegen Stagflation, also gegen schwaches Wachstum mit steigenden Inflationsraten absichern können. Ein für den Euroraum in den kommenden Jahren nicht unwahrscheinliches Szenario.

Auch Aktien bieten Schutz vor Inflation

Schließlich sind Aktien ja Beteiligungen an Sachwerten, in diesem Fall Unternehmen. Als Inflationsschutz eignen sich jene Titel am ehesten, die auch bei steigenden Preisen nicht an Wert verlieren, also Papiere aus der Nahrungsmittelindustrie, Versorger, Pharmakonzerne - und die darüber hinaus eine hohe Dividende abwerfen. Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien: "Substanzstarke Papiere von Unternehmen, die auch eine gewisse Marktmacht haben, sind als Inflationsschutz fürs Portfolio gut geeignet.“ Fonds, die in derartige Aktien investieren, finden Sie in der Tabelle "Die Top Five Dividenden-Fonds“. Vielleicht ein Zeichen, dass die Inflation ja doch steigen wird: Die besten darunter erzielten heuer Renditen bis zu 20 Prozent.

2. Felsen in der Brandung

Wie Anleger mit Zinshäusern, Vorsorgewohnungen oder direkten Investments in Aktien-Immobilien-Fonds oder Einzeltiteln der drohenden Teuerung entgehen.


"Kaufen Sie Land, es wird nicht mehr hergestellt.“ Der legendäre Autohersteller Henry Ford liegt mit seinem Investment-Tipp gerade in Zeiten drohender Inflation goldrichtig. Angesichts der Inflationsgefahr flüchten immer mehr Anleger in Immobilien. Andreas Ruthensteiner, Chef des Immobilienentwicklers Citec: "Für Käufer ist die Rendite derzeit sekundär. Im Vordergrund steht der Werterhalt.“ Wer es zum Hausherrn bringen will, muss tief in die Tasche greifen. Ab rund zwei Millionen Euro gibt es attraktive Zinshäuser, die eine jährliche Rendite von etwa vier Prozent abwerfen. Ruthensteiner: "Ein Zinshaus sollte nur dann erworben werden, wenn mindestens ein Drittel mit Eigenkapital finanziert werden kann. Bei der Fremdfinanzierung würde ich mir das extrem niedrige Zinsniveau sichern und Darlehen mit einem fixen Zinssatz ausstatten.“ Der Vorteil der Kreditfinanzierung: Bei steigender Inflation sinken die realen Kosten der Kreditraten, ein Teil des Kredites zahlt sich so praktisch von selbst.

Für kleinere Geldbörsen sind Vorsorgewohnungen ein gutes Investment mit Inflationsschutz. Daniel Jelitzka, Chef von JP-Immobilien: "Bis zu einem Preis von 4.100 Euro pro Quadratmeter rechnet sich eine Vorsorgewohnung. Nur dann kann eine Rendite von drei Prozent erzielt werden.“ Die am besten zu vermietende Größe für eine Anlegerwohnung liegt zwischen 50 und 75 Quadratmetern. Die Anlage in Immobilien sollte aber langfristig und auch für den Werterhalt innerhalb der Familie betrachtet werden, da seit der jüngsten Steuerreform bei Liegenschaften, die nach dem 1. April 2002 gekauft wurden, der Verkaufserlös mit 25 Prozent zu versteuern ist. Während sich bei einer Vorsorgewohnung meistens der Bauträger um Vermietung und Leerstände kümmert, muss bei selbst gesuchten Objekten der neue Eigentümer Sanierung und Verwaltung selbst in die Hand nehmen. Jelitzka: "Ein sogenannter Bastlerhit wird finanziell gesehen oft zu einem Fass ohne Boden.“ Reparaturen führen zu unerwartet hohen Investitionen, die dann auch die Rendite zunichtemachen.

Investieren in Immobilien-Aktien

Um den Belastungen beim direkten Kauf von Immobilien zu entgehen, können Anleger mit Immobilien-Aktien von der realen Rendite profitieren. Martin Rupp, Fondsmanager des 3-Banken-Immo-Strategie-Fonds: "Immobilien-Konzerne waren 2007/08 dramatisch von der Krise betroffen, oft war der kurzfristige Finanzierungsbedarf sehr groß. Die Konzerne haben nun gelernt und sind langfristiger finanziert.“

Der beste Immo-Aktien-Fonds erzielte seit 2009 ein Plus von sagenhaften 94 Prozent (siehe Tabelle). Wer anstelle von Fonds direkte Investments präferiert, dem empfiehlt Fondsmanager Rupp Unternehmen, die eine geringe Verschuldung aufweisen, wenig Finanzierungsbedarf und vorwiegend Wohnimmobilien im Portfolio haben. Eine Aktie, die diesen Kriterien entspricht, ist etwa die belgische Cofinimmo.

3. Aus der Erde ins Depot

Goldbarren sind der Inflationsschutz schlechthin. Die historisch niedrigen Zinsen bei sicheren Staatsanleihen und ein Mangel an Alternativen treibt immer mehr Investoren in Goldinvestments.


Gold gilt als die Anlageform für Krisenzeiten. Da war es nur eine logische Folge, dass sich die Feinunze mit der vermeintlichen Entspannung der Schuldenkrise wieder verbilligte. Seit Anfang 2012 gab der Kurs um rund zehn Prozent nach. Ronald Stöferle, Goldexperte der Erste Bank, hält diese Korrektur für eine normale Entwicklung, die mit einem Abbruch der Goldrally nichts zu tun hat: "Das Ende des Bullenmarkts kann erst verkündet werden, wenn die Realzinsen - also Zinsen abzüglich der Inflation - wieder positiv sind. Generell ist es sinnvoll, rund zehn Prozent des Vermögens in Gold zu halten.“

Die aktuelle Marktbereinigung bietet die Möglichkeit zu günstigen Zukäufen. Mit der Zuspitzung der Schuldenkrise und angesichts der drohenden Inflation dürfte die Goldschwäche nämlich bald der Vergangenheit angehören. Rudolf Brenner, Chef des Onlinegoldhandels Philoro.at: "Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, fahren mit Goldmünzen oder Barren in kleinen Mengen am besten.“ In der Regel liegen die Spesen zwischen drei und zehn Prozent des Gesamtwerts.

Tipp: Das Bankhaus Schelhammer & Schattera verzichtet generell beim Goldverkauf auf das Körberlgeld. Neben physischem Gold können sich Anleger auch mit Edelmetallfonds und ETCs vor einer Teuerung schützen. Der größte Anbieter von Gold-ETCs ist etf Securities (www.etfsecurities.com).

Weiterführende Links:

www.bankenrechner.at
Philoro.at
www.etfsecurities.com

- Carolina Burger & Thomas Martinek

23.5.2012 08:26
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