News aus Wirtschaft und Finanzen

23.05.201222:38 Uhr
"In diesem Augenblick ist die Steuerhinterziehung weit verbreitet"

"In diesem Augenblick ist die Steuerhinterziehung weit verbreitet"

  • Die ohnehin notorisch steuersündigen Griechen überweisen aus Furcht vor einem Euro-Austritt derzeit noch weniger als üblich.

Aus diesem Grund dürfte der griechische Fiskus in diesem Monat rund zehn Prozent geringere Einnahmen verbuchen, wie Reuters aus dem Finanzministerium in Athen erfuhr. In abgelegeneren Finanzämtern seien die Einnahmen im Mai sogar um 15 bis 30 Prozent zurückgegangen.

"Die Leute stellen einige Zahlungen ein, weil uns Wahlen bevorstehen und auch wegen der Unsicherheit durch einen möglichen Euro-Austritt", sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Finanzministeriums. Hinzu käme, dass eine wachsende Zahl griechischer Unternehmen Verluste schreibe.

Der Verband unabhängiger Steuerberater erklärte, viele Bürger und Firmen hätten grundsätzlich derzeit wegen der Rezession und der hohen Arbeitslosigkeit gar nicht das Geld, um ihre Steuern zu überweisen. "Sie warten bis zur letzten Sekunde, um sich das Geld zu beschaffen und dann zu zahlen", sagte Verbandchef Abraam Panidis. "In diesem Augenblick ist die Steuerhinterziehung weit verbreitet, weil es keine Regierung gibt, die die Steuern wie geplant eintreiben kann."

Doch kein Euro-Notfallplan?

Griechenland hat unterdessen bestritten, dass es in der Euro-Zone eine Absprache zur Vorbereitung von Notfallplänen für den Fall eines Austritts des hoch verschuldeten Staates aus der Währungsunion gibt. "Solche Berichte sind nicht nur falsch, sie behindern auch die Anstrengungen der Hellenischen Republik, die Herausforderungen zu diesem kritischen Zeitpunkt anzugehen", erklärte das Athener Finanzministerium am Mittwoch.

Zuvor war aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen in Brüssel verlautet, dass die Arbeitsgruppe der Euro-Länder die einzelnen Regierungen aufgefordert habe, nationale Notfallpläne für den Fall eines Austritts auszuarbeiten. Dies sei am Montag während einer Telefonkonferenz der Arbeitsgruppe verabredet worden, die aus Vertretern aller 17 Euro-Länder besteht und die Treffen der Finanzminister vorbereitet.

Belgiens Finanzminister Steven Vanackere sagte dagegen, dass in der Euro-Zone sicherlich Planungen für den Fall eines Euro-Austritts Griechenlands liefen. Eine verantwortungsvolle Regierung müsse sich auch auf die Fälle vorbereiten, die sie unter allen Umständen vermeiden wolle.

Reuters/hahn

 
pixel