Geld & Service

17.05.201208:23 Uhr

Starker Dollar setzt dem Goldpreis zu – am langfristigen Megatrend ändert das aber nichts

  • Geldschwemme der Notenbanken spricht langfristig weiter für Gold. Kurzfristig sorgt der aufwertende Dollar aber für Belastung.

Der Glanz des Goldes ist vorerst verblasst. Mit einem Preisrückgang von 20 Prozent gegenüber dem Allzeithoch vom September 2011 ist per Definition ein “Bärenmarkt” erreicht.

Dabei hat die US-Bank Goldman Sachs eigentlich Rekordpreise für das Edelmetall vorausgesagt. Daran besteht mittel- bis langfristig allerdings auch kein Zweifel. Denn die Aufwertung von Gold gegenüber Papiergeld, das aktuell von den Notenbanken in Hülle und Fülle in das angeschlagene Finanzsystem gepumpt wird, ist ein langfristiger Megatrend.

Kurzfristig sind die Aussichten dagegen düsterer. Das hat zum einen technische Gründe nach der Rekordrally bis September 2011, zum anderen steht die aktuelle Dollar-Aufwertung einem Goldpreisanstieg im Wege. Daher reduzieren Investoren ihre Goldanlagen bereits seit drei Monaten, das ist die längste Phase seit 2004. Favorisiert wird stattdessen wie gesagt der Dollar. Er ist die neue Zuflucht vor der Staatschuldenkrise in der Eurozone - zumal die Spekulationen zunehmen, dass Griechenland, das nach der gescheiterten Regierungsbildung vor Neuwahlen steht, aus der Europäischen Währungsunion aussteigen wird.

ETF reduzieren Gold
Die Goldbestände in börsengehandelten Produkten (ETF) sind von einem Rekordvolumen von 2.410,2 Tonnen am 13. März um 30,8 Tonnen gesunken, wie Daten von Bloomberg zeigen. Royal Bank of Scotland, ABN Amro und Barclays haben ihre Prognosen für den Goldpreis im Mai heruntergeschraubt, während Goldman Sachs in den nächsten 12 Monaten einen Anstieg um 25 Prozent auf 1.940 Dollar erwartet.

Bislang war die Entwicklung des Goldpreises beeindruckend: Elf Jahre in Folge verteuerte sich das Edelmetall, der Preis hat sich versiebenfacht. Vor allem 2008, während der weltweiten Finanzkrise und der Rezession, kletterte die Nachfrage. Jetzt aber erhält der Dollar Rückenwind - durch die Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone und von Anzeichen, dass die US-Konjunktur an Stärke gewinnt.

“Gold ist nur eine weitere Risikoanlage”, erklärt Michael Aronstein, Präsident von Marketfield Asset Management in New York. Er hatte 2008 einen Preiseinbruch bei Rohstoffen vorausgesagt und ebenso die nachfolgende Erholung 2009. Wer das Risiko vor acht oder zehn Jahren richtig einschätzte, der habe gut verdient. Aber ein wirklich sicherer Hafen wäre ein hoher Stapel großer Schweizer-Franken-Banknoten oder Dollar-Scheine in einem Safe.

Als der Goldpreis am 6. September auf einen Rekord bei 1.921,15 Dollar kletterte, bewegte er sich im Einklang mit dem Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange, genannt VIX. Die Korrelation war bei 0,92. Die Staatsschuldenkrise in der Eurozone und zunehmende Besorgnis über die US-Wirtschaft ließ viele Investoren zu Gold als greifen, um ihre Kapitalanlagen zu diversifizieren. Mittlerweile ist die Korrelation mit dem “Angstbarometer” auf 0,1 Prozent gesunken.

Der Dollar Index hat bis zum 15. Mai 12 Handelstage in Folge zugelegt. Das ist die längste Phase seit der Einführung des Index im Jahr 1973. Investoren verkaufen den Euro und kaufen Dollar. “Normalerweise gilt Gold als sicherer Hafen oder als Kontra-Anlage zum Dollar”, sagt Bill Greiner, als Chief Investment Officer verantwortlich für die Kapitalanlagen bei Mariner Wealth Advisors. “Jetzt ist Gold nichts davon. Es ist hoch wahrscheinlich, dass Gold und Rohstoffe allgemein weiter abwärts driften werden - so lange, bis die Federal Reserve Maßnahmen zur quantitativen geldpolitischen Lockerung ergreift”, fügte er an.

Durchschnittliche Kursziele über dem aktuellen Niveau

In einer Umfrage von Bloomberg News gehen die Analysten im Median aber von einem durchschnittlichen Goldpreis von 1.740 Dollar in diesem Jahr aus. Bislang liegt der Durchschnittspreis bei 1.672,68 Dollar je Unze. Barclays hat seine Prognose in der vergangenen Woche um acht Prozent auf 1.716 Dollar zurück genommen, RBS senkte um 25 Dollar auf 1.725 und ABN Amro schraubte am 2. Mai die Prognose von 1.600 Dollar auf 1.550 Dollar herunter.

Morgan Stanley erwartet dagegen eine Erholung auf durchschnittlich 1.825 Dollar in diesem Jahr und einen Anstieg auf 2.175 Dollar im Jahr 2013. Und zwar, weil die EZB voraussichtlich noch mehr Geld in das Finanzsystem der Eurozone pumpen muss, wie Hussein Allidina, Leiter der Rohstoffanalyse bei Morgan Stanley in New York, in einem Bericht vom 14. Mai darlegte.

Fed greift bald wieder ein

Die Rohstoffanalysten von Goldman Sachs um Jeffrey Currie in New York schrieben in einem Bericht vom 9. Mai, die US-Notenbank werde im Juni wahrscheinlich mit einer dritten Runde der quantitativen Lockerung beginnen. In den beiden vorherigen Runden, die im Juni 2011 endeten, kaufte die Federal Reserve US-Staatspapiere im Volumen von 2,3 Billionen Dollar. Der Goldpreis kletterte in diesem Zeitraum um rund 70 Prozent. Es sei zu früh, zu sagen, der Dollar habe seinen Status als Währung der letzten Zuflucht von Gold zurückerobert, schrieben die Analysten.

Die US-Notenbank Fed hält sich jedenfalls die Tür für weitere Konjunkturhilfen offen. Mehrere Mitglieder des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses deuteten am Mittwoch an, dass zusätzliche Anreize nötig sein könnten, wenn etwa die wirtschaftliche Erholung an Fahrt verliere, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokoll des Treffens vom 22. bis 25. April hervorging. Allerdings machte sich nur ein Mitglied dafür stark, das im kommenden Monat auslaufende "Operation Twist"-Programm zum Kauf von Anleihen zu verlängern. Der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, sagte, er gehe davon aus, dass das Programm wie geplant beendet werde.

Fazit: Auch wenn die Goldpreisrally seit rund sechs Monaten ihren Anschluss sucht und die Preise korrigieren, ist ein langfristig steigender Goldpreis vorgezeichnet. Dafür werden die Notenbanken sorgen.

Bloomberg/hahn

 
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