Politik

15.05.201207:32 Uhr

Moody's hält wenig von Italiens Banken

  • Ratingabgentur stuft 26 italienische Institute ab. Darunter auch die Bank Austria-Mutter UniCredit.

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Verfassung Italiens hat die Ratingagentur Moody's auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von insgesamt 26 italienischen Banken heruntergestuft.

Unter den betroffenen Instituten sind die beiden größten italienischen Geldinstitute, die Bank-Austria-Mutter UniCredit und die Intesa Sanpaolo, die beide auf das Niveau "A3" gesenkt wurden, wie Moody's am Montagabend bekanntgab. Der Ausblick für alle betroffenen Banken wurde "negativ" bewertet.

Moody's begründete die Entscheidung mit der schlechten Wirtschaftslage Italiens und mit der steigenden Verschuldung des Landes. Italien sei wieder in der Rezession. Der Sparkurs der Regierung von Mario Monti belaste die Konjunktur. Die durch problematische Kredite und zurückgehende Gewinne belasteten Banken seien "verletzlich". Der Ausblick sei "negativ": Für den Fall einer länger andauernden Rezession oder einer weiteren Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens kündigte Moody's an, auch die Banken erneut herabzustufen.

Während die Großbanken UniCredit und Intesa Sanpaolo eine Bonitätsstufe einbüßten, ging es für mehrere kleinere Geldhäuser um bis zu vier Stufen nach unten. Die Bonität der Nummer drei unter den italienischen Banken, der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMDP), wurde um zwei Stufen auf "Baa3" gesenkt, ebenso die der Banco Popolare. "Baa3" ist die letzte Stufe vor Ramschniveau. Die Nummer fünf, die Unione di Banche Italiane, fiel um zwei Stufen auf "Baa2".

Zehn weitere Geldhäuser mussten die Absturz ins Ramschniveau verkraften, zwei bereits dort eingestufte Banken sackten noch weiter ab. Für die Banco Popolare di Cividale und die Banco Popolare di Spoleto ging es um vier Stufen von "Baa1" auf "Ba2" nach unten. Die Ratings italienischer Banken gehörten nun "zu den niedrigsten" unter den führenden europäischen Ländern, teilte Moody's mit.

114 europäische Institute im Rating-Visier

Die Ratingagentur hatte bereits Mitte Februar angekündigt, wegen der Euro-Schuldenkrise die Kreditwürdigkeit von 114 europäischen Banken auf den Prüfstand zu stellen. Für Banken ist die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Staaten ein Problem, weil viele Institute Geld in Staatsanleihen anlegt haben. Zweifel an der Kreditwürdigkeit von Ländern stellen den Wert dieser Staatsanleihen infrage. Italiens Bonität wird gegenwärtig mit "A2" bewertet.

In Italien versucht eine Expertenregierung unter Monti, das Land wieder auf Kurs zu bringen. Das funktioniert jedoch nur mit einem Bankensystem, das den Unternehmen Kredite für Investitionen geben kann. Je schlechter die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit einer Bank einstufen, desto problematischer und teurer wird die Aufnahme von Kapital für die Institute.

Die Ratingagentur führte auf der Habenseite allerdings auch an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) dem Finanzsektor ausreichend Geld zur Verfügung gestellt habe, um Bankpleiten in naher Zukunft abzuwenden. Viele Banken hätten zudem ihre Kapitaldecken gestärkt, was sie weniger anfällig für die Auswirkungen der Krise mache.

APA/hahn

 
pixel