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18.05.201222:29 Uhr

"Ich wette, da sind viele enttäuscht"

  • Begleitet von einer technischen Panne hat Facebook ein enttäuschendes Börsendebüt an der Nasdaq hingelegt.

Die Aktien des Online-Treffpunkts beendeten den ersten Handelstag bei Rekord-Umsätzen mit einem moderaten Plus von 0,6 Prozent auf 38,23 Dollar.

Kurz nach dem Start waren die neuen Dividendenpapiere zunächst bis auf 45 Dollar gestiegen, im Verlauf bröckelte der Kurs in Richtung des Ausgabepreises von 38 Dollar ab. Einige Experten hatten im Vorfeld ein Kursfeuerwerk bei dem weltgrößten Börsengang eines Technologie-Unternehmens von 50 Prozent vorhergesagt, es hatte aber auch mahnende Stimmen gegeben.

Eine regelrechte Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen führte zum Auftakt zu technischen Problemen und einem verspäteten Handelsstart mit der Facebook-Aktie. Die Verzögerung löste bei einigen Börsianern Unsicherheit und Ängste aus. Einige Privatinvestoren blieben zudem mehr als zwei Stunden im Unklaren darüber, ob ihre Order ausgeführt wurden. Hintergrund war offenbar eine Störung im Kommunikationssystem der Nasdaq mit den Brokern.

Den Gang an die Börse hatte Firmengründer und -Chef Mark Zuckerberg zuvor in der Zentrale im kalifornischen Silicon Valley unter dem Applaus seiner Mitarbeiter mit der traditionellen Startglocke eingeläutet.

"Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute. Sie hatten darauf gehofft, dass sich Facebook deutlich besser schlägt. Ich wette, da sind viele enttäuscht", sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial. Das holprige Börsendebüt belastete die Wall Street. Alle wichtigen Markindizes notierten zum Handelsschluss im Minus. "Wir stehen nach diesem Debüt unter Druck. Der Börsengang konnte nicht wie von einigen Händlern erhofft den Gesamtmarkt beflügeln", sagte Frank Davis von LEK Securities in New York.

Abverkauf für Social Media

Andere Unternehmen aus dem Bereich soziale Medien standen auf den Verkaufslisten der Börsianer. Die Anteilsscheine des Karrierenetzwerks LinkedIn verbilligten sich um 5,6 Prozent, die Dividendenpapiere des Schnäppchenportals Groupon um 6,6 Prozent. Die Aktien des Internetspiele-Anbieters Zynga brachen sogar mehr als 13 Prozent ein.

Wegen der hohen Nachfrage hatte Facebook nur zwei Tage vor dem Handelsstart 25 Prozent mehr Aktien für den IPO bereitgestellt als ursprünglich geplant. Auch die Preisspanne war von 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben worden. Mit einer Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar war Facebook mit dem Glockenschlag so viel Wert wie die deutschen Traditionskonzerne Daimler, BMW und Lufthansa zusammen. Der Weg zu den ganz großen Namen der Technologiebranche ist aber noch weit. Apple etwa, das zu den teuersten Unternehmen der Welt zählt, ist an der Börse derzeit etwa 500 Milliarden Dollar wert.

Der Facebook-Börsengang ist der mit Abstand größte IPO eines Technologieunternehmens aller Zeiten. Insgesamt 18,4 Milliarden Dollar werden erlöst, wenn auch eine Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt wird. Zum Vergleich: Der US-Internetgigant Google sammelte beim Börsendebüt 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar ein. Der Ausgabepreis der Google-Aktien lag bei 85 Dollar, am ersten Tag kletterte das Papier auf 100 Dollar. Heute liegt der Kurs bei rund 626 Dollar.

Facebook bekommt nicht alles

Von den Einnahmen des Börsengangs fließen dem acht Jahre alten Unternehmen selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Der 28 Jahre alte Gründer Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO Mehrheitseigner.

Mehr als 900 Millionen Menschen weltweit haben ein Facebook-Konto, organisieren ihre Kontakte über das soziale Netzwerk, posten Fotos und teilen Musik mit Freunden. Kritiker bemängeln, dass noch immer nicht klar ist, wie das kalifornische Unternehmen seine Popularität bei den Nutzern in Umsatz- und Gewinnwachstum ummünzen will. Im ersten Quartal dieses Jahres sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar zurück.

Anzeigen sind die wichtigste Einnahmequelle für Facebook. Problematisch für die Silicon-Valley-Firma ist, dass immer mehr Anhänger über mobile Zugänge wie Smartphones und Tablets das Netzwerk besuchen. In diesen Fällen kann Facebook weniger für Anzeigen verlangen, zudem schalten bisher weniger Konzerne auf mobilen Geräten Werbung.

Reuters

 
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