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16.05.201222:20 Uhr

EZB dreht griechischen Banken Geldhahn zu

  • Der Druck auf Griechenland steigt weiter: Die EZB refinanziert mehrere angeschlagene griechische Banken nicht mehr.

Da es bislang keine erfolgreiche Rekapitalisierung dieser Banken gebe, seien die entsprechenden Operationen eingestellt worden, sagte ein Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Den betroffenen Instituten steht damit vorerst nur noch die Liquiditätshilfe der griechischen Zentralbank (ELA) für ihre Refinanzierung zur Verfügung. Aus dem Umfeld der EZB hieß es, sollte die Rekapitalisierung der Banken erfolgreich verlaufen, könnten diese auch wieder an den Standardoperationen der EZB teilnehmen. Um wie viele Banken genau es sich handelt, blieb zunächst unklar.

Die EZB wollten sich zu dem Vorgang nicht äußern. Eine weitere mit den Vorgängen vertraue Person sagte, bei insgesamt vier Instituten in Griechenland sei das Kapital bereits so sehr aufgezehrt, dass sie mit negativem Eigenkapital arbeiten würden. Damit kann die EZB sie nach ihren eigenen Statuten nicht mehr mit Liquidität versorgen. Geschäftsbanken sind auf die regelmäßige Liquiditätsversorgung durch die Notenbank über Refinanzierungsgeschäfte angewiesen.

Nach den aktuellsten verfügbaren Daten der Bank von Griechenland stellte die EZB allen griechischen Banken per Ende Januar rund 73 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Nothilfe durch die nationale Zentralbank belief sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf 54 Milliarden Euro. Sie dürfte nun weiter steigen.

Wie eine Bombe am Finanzmarkt

Am Finanzmarkt schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: der Euro gab kurzfristig um bis zu einem halben Cent nach, berappelte sich dann aber wieder. An den internationalen Anleihemärkten gaben zogen die Kurse der US-Treasuries an, während für eine Schrecksekunde am Aktienmarkt die Kurse nachgaben.

EZB-Präsident Mario Draghi äußerte sich am Mittwoch nicht zu den Vorgängen. Bei einer Veranstaltung zu Ehren des Ende Mai aus dem Amt scheidenden EZB-Direktors Jose Manuel Gonzalez-Paramo machte aber deutlich, dass die Währungshüter die Griechen nicht einfach fallen lassen werden: "Ich will klar machen, dass wir es sehr stark bevorzugen würden, wenn Griechenland weiterhin in der Euro-Zone bleibt. Da der Vertrag keinen Ausstieg (aus dem Euro) vorsieht, ist es aber nicht an der EZB darüber zu entscheiden."

Reuters/hahn

 
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