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10.05.201213:55 Uhr

Chinas Wirtschaft lahmt immer mehr

  • Lahme Exporte, stagnierende Importe: Enttäuschende Handelsdaten wecken neue Zweifel an der Stärke des Aufschwungs in China.

Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass die Regierung in Peking rechtzeitig gegensteuern wird.

Die Ausfuhren stiegen im April nur noch um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte die Regierung am Donnerstag mit. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Plus von 8,5 Prozent gerechnet, nachdem es im März 8,9 Prozent waren. Dem Exportweltmeister macht die schlappe Konjunktur bei seinen beiden wichtigsten Kunden zu schaffen, der Euro-Zone und den USA.

Die Einfuhren legten sogar nur um 0,3 Prozent zu - bedingt allerdings auch durch einen Rückgang der Preise für Rohstoffe, die China größtenteils importieren muss. Hier hatten Analysten ein Wachstum von elf Prozent erwartet, nachdem es im Vormonat zu einem Plus von 5,3 Prozent gereicht hatte. "Das ist Besorgnis erregend", sagte Ökonom Alistair Thornton von His Global Inseght in Peking. "Das deutet auf eine echte Schwäche der Binnenwirtschaft hin."

Bad News für Deutschland

Das sind auch schlechte Nachrichten für die deutschen Exporteure. Weil wegen der Schuldenkrise die Nachfrage in Europa schwächelt, sind sich auf Impulse aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt angewiesen. Für Autobauer wie Volkswagen, Audi und Porsche ist China schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt. Eine schwächelnde Nachfrage würde deshalb Deutschland hart treffen.

Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass die Regierung in Peking rechtzeitig gegensteuern wird. "Eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft erwarten wir nicht", sagte Analystin Helen Qiao von Morgan Stanley. "Die Regierung ist sehr erfahren." Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird Analystenprognosen zufolge in diesem Jahr um 8,4 Prozent wachsen. Das wäre das kleinste Plus seit einem Jahrzehnt.

Weckruf

Um Schlimmeres zu verhindern, hat die Zentralbank indirekt bereits mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt: Die Geschäftsbanken müssen weniger Geld bei ihr in Reserve halten, es steht jetzt für Kredite zur Verfügung, die Konsum und Investitionen ankurbeln können. Erwartet wird auch, dass die Regierung mehr in die Infrastruktur investiert und den sozialen Wohnungsbau ankurbelt. "Die schwächelnde Binnennachfrage ist ein Weckruf für die Verantwortlichen, mehr zu tun", sagte Darius Kowalczyk von Credit-Agricole-CIB in Hongkong.

Reuters

 
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