Meinung

02.05.201212:52 Uhr

Ab dem vierten Quartal platzt die Apple-Blase

  • Im Herbst startet "Windows 8" und die geballte Hardware-Macht bringt dazu geeignete Tablets auf den Markt. Apple wird verlieren.

Der Apple-Hype kennt keine Grenzen. Jede kleinste „Neuheit“ des Konzerns wird medial breitgetreten, selbst von öffentlich-rechtlichen Sendern. Spätestens wenn derartiges ausbricht, sollten die Warnsirenen schrillen.


Der Hype ist auch an der Börse ablesbar. Die Apple-Aktie verzeichnet seit dem Jahr 2000 ein Plus von knapp 2200 Prozent! Alleine heuer ist sie um 44 Prozent gestiegen.

Der Run geht nun aber trotz Gewinnrekorden zu Ende. Denn Apple muss an immer mehr Fronten kämpfen: In China ist der Name „iPad“ nicht schützbar, mit Samsung liefert man sich einen erbitterten Kampf um Patente und schön langsam wird auch Wettbewerbshütern die Macht des Apfels unheimlich. Ähnlich wie bei Microsoft in den Jahren 2000 und 2001 dürften demnächst klare Vorschriften bezüglich der monopolhaften Einbindung eigener Software in den Endgeräten bevorstehen. All das wird an den Gewinnen des Technologieriesen nagen.

Das wirkliche Problem bekommt Apple allerdings ab dem vierten Quartal. Denn da startet Microsoft sein neues Betriebssystem „Windows 8“. Und das ist aufgrund seiner Architektur geradezu prädestiniert für Tablets. Das wissen auch die großen Hardwarehersteller, dementsprechend werden ab Herbst über 30 neue Tablets auf den Markt kommen. Produziert von der geballten Macht der Hardware-Konzerne: HP, Dell, Intel, Nokia oder ASUS, alle werden Apple auf dem Tablet-Markt den Kampf ansagen.

Und der ist für Apple nicht zu gewinnen. Denn Windows-PCs haben einen weltweiten Marktanteil von rund 90 Prozent. Durch „Windows 8“ werden Tablets urplötzlich vom Spielzeug zu wirklichen Arbeitsgeräten mit dem vollen Funktionsumfang eines PCs. Durch diesen Schritt wird auch das aktuell noch belächelte „Windows Mobile“ den Durchbruch bei Smartphones schaffen.

Der aktuell größte Apple-Rivale, Samsung, wird dabei eine entscheidende Rolle einnehmen. Die Koreaner sind nämlich nicht auf ein Betriebssystem fixiert. Das gilt für Smartphones wie Tablets gleichermaßen. Ab dem Zeitpunkt, wenn sich Microsoft also auf diesen Endgeräten festsetzt, wird auch Samsung Windows Platz einräumen. Ein solcher Schritt ist für Apple unmöglich.

Apple wird also bald seine iPads deutlich verbilligen müssen. Damit ist die Zeit der Traummargen vorbei. Das zeichnet sich übrigens auch schon an der Börse ab. Der Rekordlauf ist gestoppt, die Aktie notiert trotz jüngst vermeldetem Rekordgewinn deutlich unter der 600-US-Dollar-Marke.

Bei einer allgemeinen Marktkorrektur sollte sich also niemand wundern, wenn die Apple-Aktie hart landet. Rein technisch wäre eine Korrektur bis zum Niveau von 450 Dollar realistisch.

- Jochen Hahn

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