trend - das österreichische Wirtschaftsmagazin

02.06.201220:06 Uhr
Das verfolgte Sparschwein

Das verfolgte Sparschwein

  • Die Folgen von Fekters Sparpaket für Österreichs beliebteste Vorsorgeformen...
  • ... und wie Sie ihnen ausweichen können

Zukunftsvorsorge, Bausparen, Lebensversicherung: Österreichs Anleger lieben es, wenn der Staat zuschießt. Nun hat die Finanzministerin aber für Vorsorgeformen die Prämien gekürzt. trend sagt, was Sparen jetzt noch bringt - und wie Sie ausweichen können.

Die Österreicher werden zu Sparmuffeln. Noch 2009 lag die Sparquote - also jener Teil des Einkommens, der nicht in den Konsum fließt - bei stattlichen 10,7 Prozent. Im Jahr darauf waren es noch 8,3 Prozent, und im Vorjahr landeten durchschnittlich bloß noch 7,5 Prozent der Einkommen in den diversen Sparstrümpfen. Marktbeobachter rechnen heuer mit einem weiteren Rückgang. Und dafür gibt es gute Gründe.

Belohnte der Staat den Konsumverzicht seiner Bürger bis zum 1. April 2012 noch relativ üppig, so setzte Finanzministerin Maria Fekter im Zuge des Sparpakets bei zwei beliebten Spar- und Vorsorgeformen den Rotstift an. Die Bausparprämie wurde von drei Prozent auf nur noch eineinhalb Prozent des angesparten Betrags gekappt. Der Zuschuss des Fiskus zur "staatlich geförderten Zukunftsvorsorge“, der sich an der Bausparprämie orientiert, kam ebenfalls unter die Räder. Weniger werden künftig auch die Vorsorgewohnungen abwerfen. Hier schlägt die neue Immobilienbesteuerung zu.

Konsequenzen sind bereits zu beobachten. Am deutlichsten erwischt hat es das Bausparen. Die Bausparkassen registrieren seit Wirksamwerden der Förderkürzungen ein deutliches Abflauen des Interesses an Neuverträgen. Regina Reitter, Leiterin der Veranlagungs-Abteilung bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, wundert das gar nicht: "Wenn Österreicher das Gefühl haben, sie bekommen vom Staat etwas geschenkt, dann zieht das als Verkaufsargument.“ Und wenn das Geschenk etwas dürftiger ausfällt, hält man sich eben zurück. Ähnliches ist bei Vorsorgewohnungen und Zukunftsvorsorge zu registrieren. Eine Neubewertung ist geboten: Denn es gibt auch jetzt interessante Angebote und lukrative Ausweichmöglichkeiten für Anleger, die nicht in erster Linie auf die Förderung, sondern auf die Rendite blicken.

Bausparen. Die Kürzung der staatlichen Förderung lässt die Renditen unter die Inflationsrate rutschen.

Vor ein paar Jahren war es noch klar: Wenn ein Anlageberater sein Beratungsgespräch nicht mit der Frage "Haben S’ einen Bausparer?“ begann, galt dies als gröberer Ausrutscher. Bausparen, bisweilen euphorisch als "Europas beste Sparform“ gelobt, war der Renner schlechthin - und ist es mit 5,2 Millionen Verträgen bis heute geblieben. Zumindest bis zum Bekanntwerden der unangenehmen Tatsache, dass der staatliche Zuschuss mit 1. April 2012 von drei Prozent (geförderte Höchstsparsumme pro Jahr: 1200 Euro) auf die Hälfte reduziert wird. In Euro ausgedrückt, sind das jährlich statt 36 Euro nur noch 18, wobei für die Monate Jänner bis März noch der alte Satz gilt. Das Ende einer Legende?

"Wir haben einen Rückgang bei den Neuabschlüssen um 15 Prozent registriert. Das ist weniger als befürchtet“, sagt Manfred Url, General der Raiffeisen Bausparkasse. Den einen oder anderen Mitbewerber soll es freilich heftiger erwischt haben. Die Branche ist verärgert. Erich Hackl, Chef der ABV: "Es ist schon bedenklich, dass da in bestehende Verträge eingegriffen wurde. Der Verlust klingt zwar gering, in Summe kommt aber einiges zusammen.“ Besonders unangenehm: "Wir mussten alle Drucksorten und Werbeunterlagen für 2012 entsorgen.“

Ärgern dürften sich aber auch die Bausparer, die sich nun düpiert sehen. Das Sparpaket greift - eine unter Österreichs Finanzministern verbreitete Unart - nämlich auch in bestehende Verträge ein. Wer eine gute Rechtsschutzversicherung hat, könnte sogar versuchen, die Republik auf Erfüllung ihrer ursprünglichen Versprechen zu klagen.

In der Rendite macht sich die Förderkürzung deutlich bemerkbar. Peter Czapek, Leiter des Privatkundengeschäfts der Bank Austria, hat einen konkreten Fall nachgerechnet. Der Vertrag mit der üblichen Laufzeit von fünf Jahren wurde kürzlich abgeschlossen. Erwartete Rendite, ein gleichbleibendes Zinsniveau vorausgesetzt: 2,81 Prozent. Durch die Förderungskürzung werden jetzt allerdings nur 2,37 Prozent bleiben. Da die jüngst veröffentlichte Inflationsrate 2,4 Prozent beträgt, sackt die Rendite sogar unter die Geldentwertung ab.

Daher ist in nächster Zeit mit neuen Bausparprodukten zu rechnen, mit denen die Anbieter versuchen, ihre Produkte wieder attraktiver zu gestalten. Schon jetzt lockt etwa die Raiffeisen Bausparkasse mit einer Variante, die im ersten Jahr 3,5 Prozent bringt, danach allerdings dem Markt angepasst wird - was aus jetziger Sicht weniger Zinsen heißt.

Kapitalsparbücher werden daher zu immer schärferen Konkurrenten der Bausparverträge. So bietet etwa die Bank Austria für sieben Jahre Laufzeit derzeit 3,25 Prozent - und zwar, im Gegensatz zum Bausparen, garantiert über die gesamte Bindungsfrist.

Vorsorgewohnung. Die neue Immobiliensteuer wird voraussichtlich voll auf die Käufer überwälzt.

Wir beobachten, dass die Verkäufer von Wohnungen schon mit anderen Preisvorstellungen auf den Markt gehen. Man versucht, die neue Steuer auf die Käufer überzuwälzen.“ Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Verbands der Immobilientreuhänder, registriert eine Nachdenkpause. "Es herrscht momentan eine gewisse Zurückhaltung. Es gibt einen sehr großen Beratungsbedarf.“ Der Grund: Die neu eingeführte Steuer, die beim Verkauf von Immobilien anfällt, will niemand tragen. Immobilien, die vor dem 1. April 2002 angeschafft wurden, unterliegen einem 3,5-prozentigen Steuersatz, der auf den gesamten Verkaufsbetrag angewendet wird. Bei nach diesem Zeitpunkt erworbenen Immobilien fällt eine Steuer von 25 Prozent an, bezogen auf den Veräußerungsgewinn. Ab dem elften Jahr dürfen (bis zu einem Höchstmaß von 50 Prozent) jährlich zwei Prozent als Inflationsabschlag abgezogen werden. Derzeit wahrscheinlichste Variante: Die Steuer wird die Wohnungen weiter verteuern, denn "da das Angebot an Immobilien derzeit sehr knapp ist, besteht die Chance, die Steuer auf den Käufer zu überwälzen“, so Holzapfel.

In jedem Fall wird das jene treffen, die an die Anschaffung einer so genannten Vorsorgewohnung denken. Hier gab es in der Vergangenheit bereits einige steuerliche Änderungen zum Nachteil der Käufer. Sollten die Wohnungspreise durch das neue Gesetz tatsächlich um 3,5 Prozent steigen, dann würde das die Attraktivität einer Vorsorgewohnung nochmals schmälern. Da die Steuer mit dem Kauf finanziert werden müsste, ergibt sich daraus eine zusätzliche Zinsbelastung. Angesichts zahlreicher Variabler - Mieteinnahmen, Leerstehungskosten, Instandsetzungs- und Instandhaltungsaufwand - lassen sich kaum sinnvolle Ertragsprognosen stellen. "Zwischen zweieinhalb und drei Prozent“ sollten zu erzielen sein, meint Elke Esterbauer, verantwortlich für Financial Planning bei der Schoellerbank. Ersten Berechnungen zufolge werden sich die neuen Rahmenbedingungen auf die Rendite der Vorsorgewohnungen mit einem Minus von 0,2 bis 0,4 Prozent auswirken - auch hier rücken die Renditen dann schon gefährlich nah an die Inflationsmarke.

Wer in Immobilien investieren will, kann dies allerdings auch mit Immobilien-Wertpapieren tun. Nach dem Crash der Immofinanz befinden sich die Bewertungen dieser Papiere immer noch auf einem im langfristigen Vergleich günstigen Niveau. Die Kursabschläge zum Netto-Inventarwert pendeln bei allen notierten österreichischen Immobilien-Aktiengesellschaften um die 50 Prozent. Ausreißer sind Atrium mit rund 40 Prozent und Warimpex, wo Anleger mit rund 70 Prozent den größten Diskont erhalten.

Lebensversicherung. Im Verhältnis zu anderen Vorsorgeformen wird dieses Modell attraktiver.

Die Zahl sorgt immer wieder für Verwunderung: In Österreich leben knapp mehr als acht Millionen Menschen, aber es gibt mehr als zehn Millionen Lebensversicherungsverträge. Jedes Leben ist also rund eineinviertelmal versichert. Damit ist die Lebensversicherung die nach dem Sparbuch zweitbeliebteste Sparform des Landes. Zu Unrecht, wie Konsumentenschützer immer wieder meinen. So kritisiert der Verein für Konsumenteninformation regelmäßig die niedrigen Renditen dieser Vorsorgeform. Zwischen null und knapp drei Prozent bringen die Verträge über die gesamte Laufzeit. Das Sparpaket hat Lebensversicherungen bemerkenswerterweise ungeschoren gelassen. Änderungen zum Nachteil der Konsumenten gab es in jüngerer Vergangenheit dennoch einige. So wurde der Rechenzins - also jene Rendite, die Versicherungen für den veranlagten Teil garantieren müssen - im April 2011 von 2,25 Prozent auf zwei Prozent zurückgenommen.

Die nächste Verschlechterung trat mit Jahreswechsel 2010/11 in Kraft: Die Mindestbindungsfrist für Einmalerlags-Polizzen - hier wird die gesamte Versicherungsprämie am Beginn der Laufzeit fällig - stieg von zehn auf 15 Jahre. "In den ersten drei Monaten war es extrem schwierig, den Kunden das zu erklären“, erinnert sich Peter Czapek, Leiter des Privatkundengeschäfts der Bank Austria. Mittlerweile haben sich die Kunden an die neuen Konditionen weitgehend gewöhnt. Als Sparform eignet sich die Einmalerlags-Variante nämlich weitaus besser als die traditionelle Er- und Ablebensversicherung. Bei dieser fließen zu Beginn nämlich hohe Beträge in Verwaltung und Absicherung für den Todesfall, wodurch die Rendite, bezogen auf den gesamten Einzahlungsbetrag, ins Minus rutschen kann. Die Attraktivität des Einmalerlags stieg durch das Sparpaket hingegen im direkten Vergleich mit Bausparen und staatlich geförderter Vorsorge. Versicherungen brauchen bei ihren Veranlagungen weder Kest noch die neue Substanzgewinn- bzw. Spekulationssteuer abzuführen. Fällig wird lediglich die vierprozentige Versicherungssteuer.

Zukunftsvorsorge. Die Förderungskürzung kostet Anleger bei längeren Laufzeiten einige tausend Euro.

Sie galt schon als Missgeburt, bevor sie das Licht der Finanzwelt erblickte: Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge, unter der Regierung Schüssel mit besten Absichten eingeführt, bereitet Vorsorgewilligen meistens Ärger. Das liegt an der Konstruktion des Modells. Einerseits sollte es helfen, die klaffende Lücke zwischen Aktivbezügen und staatlicher Pension zu schließen. Dass auch der Staat dabei in die Tasche greifen würde, erschien nur logisch - immerhin war die Förderung ja an eine beachtliche Eigenleistung geknüpft. Allerdings sollte die Zukunftsvorsorge noch einem zweiten Zweck dienen: Sie sollte die brustschwache Wiener Börse stimulieren. Die eingezahlten Beträge müssen nämlich zu mindestens 30 Prozent in Aktien investiert werden. Das Anlageuniversum für die Aktienquote wurde so definiert, dass praktisch nur österreichische Papiere infrage kamen. Zusätzlich verordnete das Finanzministerium den Anbietern eine Kapitalgarantie. Zumindest ein Ziel wurde erreicht: Nach Einführung der Zukunftsvorsorge kam es am Wiener Aktienmarkt zu reger Aktivität, die Kurse stiegen. Auch beim Publikum kam das Modell gar nicht schlecht an. Immerhin rund 1,5 Millionen Verträge wurden bis dato abgeschlossen.

Sehr bald stellte sich freilich heraus, dass die Renditen weit hinter den Hoffnungen der Anleger zurückbleiben. Am besten erwischten es noch jene, die frühzeitig eingestiegen sind. Wer den Vorsorgevertrag im Jahr 2003 unterschrieben hat, darf sich über eine durchschnittliche Rendite über vier Prozent freuen. Doch im Zuge der Börsenturbulenzen sackte die Performance rapide ab, die Kapitalgarantie wurde aktiviert. Damit fiel die Performance auf null zurück. "Es stimmt, in einigen Fällen ist die Rendite auf den staatlichen Zuschuss reduziert“, bestätigt Raiffeisen-Anlageexpertin Regina Reitter. Deshalb macht sich die Kürzung der Prämie von 8,5 Prozent auf 4,25 Prozent besonders unangenehm bemerkbar. Zwischen 0,3 und 0,5 Prozent Rendite kostet die Maßnahme.

Laut einer Berechnung der Uniqa-Versicherung beträgt der Verlust bei einer Ansparleistung von 100 Euro monatlich und einer Verzinsung von drei Prozent bei einer Laufzeit von 35 Jahren am Ende 5629 Euro - oder vier Prozent der Endsumme. Ein Ausstieg aus dem System ist dennoch nicht anzuraten - die Förderungen müssten zur Gänze zurückgezahlt werden. Finanzministerium und Finanzbranche denken über ein neues Vorsorgemodell nach.

Von Franz C. Bauer und Markus Groll

 
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