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02.05.201209:35 Uhr

Schuldenkrise schlägt ein neues Kapitel auf

  • Banken aus Italien und Spanien geht das Geld aus um die Staatsanleihen vor dem Absturz zu bewahren. EZB-Hilfen drohen zu verpuffen.

Die Abhängigkeit Italiens von heimischen Kreditinstituten steigt von Tag zu Tag. Denn ausländische Investoren sind weiter auf dem Rückzug. Spanien erlebt das gleiche Schauspiel. Der Anreiz für Stützungsmaßnahmen zum Erhalt der Währungsunion sinkt für andere Länder laufend.

“Nachdem die lokalen Bondmärkte nun nur noch im Besitz heimischer Institute sind, gibt es immer weniger Anreize für andere Länder, diese zu stützen und einigen von ihnen finanziell unter die Arme zu greifen”, erläutert Stephane Monier, Fondsmanagerin bei Lombard Odier Investment Managers. “Im Grunde genommen pflanzen sie die Saat für ein Auseinanderfallen der Eurozone.”

Die EZB startete im Dezember den ersten von zwei außergewöhnlichen Drei-Jahres-Kredittendern zu einem Zinssatz von einem Prozent. Die EZB hat damit mehr als 800 Finanzinstituten im Euroraum in den vergangenen Monaten über 1 Billion Euro über langfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) zur Verfügung gestellt. In der ersten Runde wurden 489 Mrd. Euro vergeben, in der zweiten 529,5 Mrd.
Euro.

Italienische Banken haben dadurch ihre Bestände an Staatsanleihen auf 323,9 Mrd. Euro erhöht, vergleichen mit 301,6 Mrd. Euro im Februar und 247,4 Mrd. Euro im November, so die EZB. Spanische Banken halten Bonds in Höhe von 263,3 Mrd. Euro, verglichen mit 245,6 Mrd. Euro im Februar und 177,9 Mrd. Euro im November.

Seit den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (LTRO) haben beide Länder erklärt, dass sie die mit der Europäischen Kommission vereinbarten Defizitziele verfehlen werden. Das hat die spanischen Zwei-Jahres-Renditen auf 3,25 Prozent getrieben, was mehr als einen Prozentpunkt über dem Tiefstwert in diesem Jahr liegt. Die italienischen Renditen sind gegenüber ihrem Tief von 2012 um fast 1,5 Punkte gestiegen bis auf 3,13 Prozent, während die Renditen deutscher Bundesschatzanweisungen am 27. April auf ein Rekordtief von 0,075 Prozent gesunken sind.

Ausländer ziehen sich zurück

Indes stoßen ausländische Investoren ihre Bestände ab, wie aus separaten Daten hervorgeht. Ausländische Investoren haben ihre Positionen an spanischen Festverzinslichen im März um 20 Mrd. Euro oder 9,3 Prozent zurückgefahren.

“Überall, wo es eine Krise gibt, findet eine Relokalisierung der Märkte statt”, berichtet Laurent Fransolet, Leiter Strategie Festverzinsliche bei Barclays Capital in London. “In Spanien und anderen Euroraum-Randstaaten war es klar, dass es umfangreiche Verkäufe durch ausländische Investoren gegeben hat und irgendjemand muss diese Papiere aufnehmen. Diese Unsicherheit macht die Anleger weiter nervös.”

"Tender-Effekt" stößt an seine Grenzen

Allerdings geht den spanischen und italienischen Banken langsam das Geld aus, um die heimischen Märkte für Staatsanleihen zu unterstützen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Royal Bank of Scotland (RBS). Die Möglichkeiten der Banken würden “austrocknen”, schrieben die beiden Strategen Biagio Lapolla und Harvinder Sian.

Sie beriefen sich bei ihrer Einschätzungen unter anderem auf Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Geldmenge und auf Aussagen der spanischen Banco Santander SA und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA (BBVA), denen zufolge beide Häuser keine Staatsanleihen mehr kaufen würden.

Spanien will am Donnerstag Staatspapiere mit Laufzeiten bis
2015 und 2017 verkaufen.

Es wird immer teurer

Spaniens Kosten, Kapital für 10 Jahre aufzunehmen, sind im vergangenen Monat um 42 Basispunkte gestiegen und erreichten am 16. April 6,16 Prozent, den höchsten Wert seit dem 1. Dezember.
Die zehnjährigen italienischen Renditen sind von 5,12 Prozent Anfang April auf 5,52 Prozent geklettert.

Anleihen aus den beiden Ländern brachten den Anlegern im vergangenen Monat die größten Verluste im Euroraum ein, zeigen Daten von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies. Spanische Staatsanleihen büßten im April 1,8 Prozent ein, italienische Papiere verloren 1,3 Prozent.

Die Bonitätsnote Spaniens wurde von Standard & Poor’s zum zweiten Mal in diesem Jahr herabgestuft. Die Ratingagentur begründete dies mit den Bedenken, dass das Land bei einer Konjunkturverschlechterung seinen Banken weiterhin finanziell unter die Arme greifen muss. S&P hat am Montag die Ratingnoten von elf spanischen Banken nach unten korrigiert, darunter Banco Santander SA und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA und verwies auf die “potenziell negativen Auswirkungen” der Bonitätsherabstufung des Landes.

“Die Liquiditätsmaßnahmen der EZB sind ein zweischneidiges Schwert”, sagt Gianluca Ziglio, Zinsstratege bei der UBS in London. “Einerseits haben sie die Nachfrage nach Staatsanleihen angeschoben, andererseits sind die Banken dadurch stärker der Volatilität und den sich ausweitenden Spreads ausgesetzt.”

Bloomberg/hahn

 
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