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Recht & Gesetz

02.06.201222:02 Uhr
Das Anwalts-Ranking 2012

Das Anwalts-Ranking 2012

  • FORMAT präsentiert die 220 besten Rechtsanwälte des Landes in 22 Kategorien.

Außerdem: Die größten Kanzleien Österreichs und die Top-Sozietäten in den Bundesländern. Hier geht's zum Ranking.

Es gibt nicht viele Mandanten, die Richard Soyer abweisen würde. Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik, der gerade vor Gericht steht, würde aber wahrscheinlich dazugehören, gibt der Strafverteidiger zu. Grundsätzlich, so der 56-Jährige, habe aber jeder Mensch - vom Suchtgifthändler bis hin zum Millionenbetrüger - das Anrecht auf eine gute Verteidigung: "Ich zähle nicht zu denen, die hier moralisieren“, sagt er. Und: "Ich leiste mir den Luxus, meinen Mandanten das zu glauben, was sie mir erzählen, nachdem ich es kritisch hinterfragt habe“, lautet Soyers Motto.

Nemsic, Birnbacher & Co

Damit ist er in den vergangenen Jahren sehr gut gefahren. Der Anwalt, der auch Sprecher der österreichischen Strafverteidigervereinigung ist und seit kurzem eine Professur in Linz hat, gilt als einer der gefragtesten Strafverteidiger des Landes. Auch in den Anwaltsrankings der letzten Jahre war der Jurist stets auf Platz eins zu finden. Seine Kollegen heben dabei vor allem seine langjährige Erfahrung, aber auch seine Kompetenz im Unternehmensstrafrecht hervor. Aktuell vertrauen Ex-Bawag-Aufsichtsratsvorsitzender Günter Weninger, der ehemalige Telekom-Boss Boris Nemsic, Steuerberater Dietrich Birnbacher, der frühere Hypo-Kärnten-Vorstand Thomas Morgl sowie die Bank Austria auf ebendiese Fähigkeiten.

Soyer selbst führt den Erfolg seiner Acht-Mann-Kanzlei auf deren Professionalität und Kreativität zurück. "Eigentlich wollte ich einmal Maler werden. Die Kreativität lebe ich jetzt in meinen Schriftsätzen und Publikationen aus“, meint der gebürtige Villacher stolz. Stolz ist der Zigarillo-Raucher auch darauf, das Image des Strafrechts verbessert zu haben: "Ich habe mitgeholfen, die Strafverteidigung aus dem Schmuddeleck zu holen.“ Heute kommt keine große Kanzlei mehr ohne eigenes Strafrechtsteam aus. Es ist auch für Großkanzleien "en vogue“ geworden, sich einen eigenen Strafrechtsexperten zu halten. Prominentestes Beispiel: Die Kanzlei Baker & McKenzie angelte sich vor kurzem Georg Krakow, den ehemaligen Staatsanwalt und Kabinettschef von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Einfach alle wollen am Wirtschaftsstrafrechtsboom mitnaschen.

Ungebremstes Wachstum

Auch der Kanzlei Prochaska Heine Havranek (PHH) beschert dieser Bereich enorme Zuwächse. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich die Zahl der dort beschäftigten Juristen auf 38. "Wir sind sicherlich die expansivste Anwaltskanzlei Wiens“, ist Partner Stefan Prochaska, der sich jüngst durch die Verteidigung des Telekom-"Kronzeugen“ Gernot Schieszler einen Namen machte, überzeugt. Damit ist die Expansion von PHH aber noch lange nicht abgeschlossen, verrät der Anwalt. Denn gerade arbeiten die Advokaten an einem Zusammenschluss in eigener Sache. Nikolaus Vavrovsky und sein Vater Karl Ludwig, bekannter Salzburger Sanierungsspezialist, spalten sich gerade von der renommierten Kanzlei Herbst Vavrovsky Kinsky ab und stoßen zu PHH hinzu. In deren Büroräumen wird es damit allmählich eng: "Wir werden wohl unseren Dachboden ausbauen“, berichtet Prochaska.

Neben den Wirtschaftsdelikten und der Präventivberatung, besser bekannt als Compliance, lassen aber auch allerlei Streitigkeiten die Kassen der Anwaltskanzleien klingeln. Viele Unternehmen laufen noch immer im Krisenmodus und sind nur allzu gerne bereit, ihr Geld vor Gericht zu erkämpfen. Die Litigation-Abteilungen sind also im Wachstum begriffen. Bei Wolf Theiss etwa, der größten Kanzlei des Landes, widmen sich immerhin 50 bis 60 Leute, angeführt von Bettina Knötzl, diesem Thema. Im vergangenen Jahr sorgte sie mit der Milliardenklage im Auftrag der Immobilienfirma Atrium gegen Meinl für Aufsehen. Auch die Klage der Bawag gegen die Stadt Linz in der Franken-Affäre wurde von Wolf Theiss eingebracht. "Unser Team besiedelt schon den ganzen ersten Stock“, ist Knötzl, die zuletzt auch die Bierbrauer wegen Insiderhandels vor Gericht vertreten hat, stolz.

Aber immer öfter drängen auch kleinere Kanzleien in den Streit-Bereich vor. Ihr Vorteil: Sie sind oft wendiger und vor allem billiger. "Der Honorardruck der Unternehmen auf die Kanzleien ist nach wie vor enorm hoch“, berichtet ein Anwalt einer Großkanzlei. Die Immofinanz hat kürzlich vorgezeigt, wie es laufen kann: Sie feuerte kurzerhand ihre Hausanwälte und übergab die rund 500 anhängigen Klagen an kleinere, billigere Kanzleien. Eine davon ist jene der Junganwälte Andreas Jank und Max Weiler, die sich erst letztes Jahr selbständig gemacht und ihr Handwerk zuvor bei Fellner Wratzfeld gelernt haben. Dieser beeindruckende Coup mit der Immofinanz brachte Andreas Jank auch eine Nennung im Ranking der Newcomer dieses Jahres ein.

Alleinerzieherin ist Newcomerin des Jahres

Ganz an die Spitze schaffte er es aber dennoch nicht, denn Platz eins ging an die 33-jährige Schiedsrechtsexpertin Patrizia Netal. "Es gibt nur wenige Junge, die wirklich Feuer haben“, bemängelt Michael Breitenfeld, Netals Chef in der Kanzlei Siemer Siegl Füreder. Aber Netal habe eben von Anfang an dieses Feuer gezeigt. Zuletzt etwa hat sie den Moot Court, einen großen internationalen Schiedsrechtswettbewerb in Wien für Tausende Studenten, quasi im Alleingang organisiert. Belohnt wurde sie dafür mit der Partnerschaft bei Siemer Siegl Füreder. Nur wenigen Frauen gelingt hierzulande dieser Sprung in die Partnerschaft. Netal glaubt zu wissen, warum: "Frauen verkaufen sich schlechter.“ Die Doppelbelastung sei nur zweitrangig, vermutet die Alleinerzieherin, aber: "Ohne die Unterstützung der Kanzlei würde ich es nicht schaffen“, ist Netal überzeugt. Und so gelingt es der Topjuristin, ihre Tochter täglich von der Schule abzuholen. Zuhause wird dann weitergearbeitet - eine 60-Stunden-Woche ist für die Juristin Usus. Trotz aller Schwierigkeiten, den stressigen Anwaltsjob und Kinder unter einen Hut zu bringen, glaubt die Schiedsrechtsexpertin, dass Frauen auch in dieser Branche auf dem Vormarsch sind: "Es kommen ein paar ganz tolle Kolleginnen nach.“ Und auch im diesjährigen Ranking haben die Frauen wieder mehr Plätze erobert. Neben den Fixstarterinnen Theresa Jordis, Edith Hlawati und der Scheidungsexpertin Helene Klaar schafften es diesmal auch Astrid Ablasser-Neuhuber (bpv Hügel) und Bettina Knötzl (Wolf Theiss) aufs Stockerl.

Fix gebucht auf gleich mehreren Podestplätzen, und das schon seit vielen Jahren, ist der Banken- und Kapitalmarktrechtsexperte Ernst Brandl (Brandl & Talos). Musste er seinen ersten Platz im Bankenrecht letztes Jahr noch mit Kollege Markus Fellner (Fellner Wratzfeld) teilen, so steht er heuer ganz allein an der Spitze. Allzu viel über seine Erfolge ausplaudern darf Brandl dennoch nicht, bedauert der Top-Anwalt. Denn zumeist ist der ehemalige FMA-Mann in heikler Mission unterwegs: Bankdirektoren rauspauken, die mit der FMA im Clinch liegen, ist seine Spezialität. Und da gab es in den vergangenen Jahren genug zu tun, denn die Aufsichtsbehörde zeigt immer häufiger Zähne. Überhaupt haben die heimischen Anwälte mit den Banken alle Hände voll zu tun. Besonders dick im Geschäft war auch letztes Jahr wieder Markus Fellner, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Banken um ihre Großkredite, zuletzt im Fall Palmers, fürchten müssen. Auch das Thema ÖVAG war letztes Jahr äußerst einträglich für etliche Kanzleien. Am Verkauf der Osteuropa-Tochter VBI an die Sberbank verdienten Freshfields, Schönherr und Dorda Brugger Jordis eifrig mit. Schönherr und Binder Grösswang haben nach wie vor alle Hände voll damit zu tun, die angeschlagene Bank auf Vordermann zu bringen.

Börse ruht

Während die Kanzleien mit der Sanierung von Banken, aufsichtsrechtlichen Fragen, Bankenvertragsrecht und der Abwehr von Anlegerbegehrlichkeiten gut ausgelastet sind, sind Kapitalmarkttransaktionen immer noch sehr spärlich gesät. Eine kleine Auswahl aus dem letzten Jahr: Lenzing-Re-IPO (Binder Grösswang), OMV-Kapitalerhöhung (CHSH) und UniCredit-Kapitalerhöhung (DBJ). Auch das klassische M&A-Geschäft, also nicht aus der Not heraus geboren, kommt nur allmählich wieder in Schwung. Am besten konnte sich in diesem Bereich im letzten Jahr erneut die Kanzlei Schönherr schlagen, die mit insgesamt zwölf Deals laut Merger Market die Nase vorn hat. Auf den Plätzen folgen die Konkurrenten DLA und Wolf Theiss mit je neun Transaktionen. Hervorhebenswert ist hier sicherlich der kürzlich erfolgte Milliardenverkauf von Orange durch die France Télécom. Mit dabei als Rechtsberater: Dorda Brugger Jordis, Schönherr und CHSH.

Bedingt durch die geringere Größe der Deals, verglichen mit früheren Jahren, ist es aber auch kleineren Kanzleien gelungen, sich am M&A-Markt zu etablieren. Bestes Beispiel: der Einzelkämpfer Wulf Gordian Hauser, der drei Deals mit einem beachtlichen Transaktionswert von 112 Millionen Euro an Land ziehen konnte.

Die spektakulärste Transaktion, die der heimische Markt im abgelaufenen Jahr jedoch gesehen hat, war sicherlich der Einstieg von Investor Ronny Pecik bei der Telekom Austria. An Peciks Seite stets Peter Winkler, M&A-Experte von Eisenberger & Herzog. Mit diesem aufwendigen Mandat ist Winkler heuer auch erstmals der Sprung ins FORMAT-Ranking gelungen. Überhaupt präsentierte sich die Sozietät Eisenberger & Herzog im abgelaufenen Jahr besonders stark. Gleich sieben Anwälte der ursprünglich in Graz beheimateten Kanzlei sind diesmal im Ranking mit dabei. Dies wohl auch deshalb, weil sich die Juristen vermehrt in der Bundeshauptstadt umtun. Schon die Hälfte der 48 Juristen ist in Wien stationiert. Zuletzt wurden einige erfahrene Kollegen aus anderen Kanzleien abgeworben, wie Jana Eichmeyer von Kunz Schima Wallentin und Markus Benes von Wolf Theiss. Kanzlei-Namensgeber Georg Eisenberger pendelt mehrmals wöchentlich zwischen Graz und Wien hin und her. Sein Einsatz hat sich gelohnt: Mit insgesamt 29 Nennungen schaffte es der Steirer in die Top Ten der meistgenannten Anwälte, seine Kanzlei holte sich im Bundesländerranking Platz zwei.

Plafond erreicht

Während aber in mittelgroßen Kanzleien wie Eisenberger & Herzog oder PHH noch immer eifrig aufgestockt wird, ist, so scheint es, bei den Großkanzleien der Plafond nun erreicht. Wolf Theiss, Binder Grösswang, Freshfields und vor allem DLA beschäftigten im letzten Jahr weniger Juristen als noch im Jahr zuvor. DLA, im letztjährigen Ranking noch sechstgrößte Kanzlei des Landes, rutscht nach dem Abgang von elf Juristen heuer gar auf Rang neun ab. Auch das über Jahre hindurch nahezu ungebremste Wachstum aus Osteuropa, das einigen Kanzleien ein Rekordjahr nach dem anderen beschert hat, bleibt weiter aus. Dafür schrumpften manche ihre Osteuropa-Büros aus Kostengründen auf ein Minimum zusammen. Und noch einen Vorteil hat das Ausbleiben des CEE-Booms: Die Zahl der Business-Flüge ging in manchen Kanzleien stark zurück - gut für die Kostenstruktur.

Anwaltsranking 2012: Die 220 besten Anwälte des Landes in 22 Kategorien

- Angelika Kramer

 
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