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23.04.201210:59 Uhr
Sportwetten: Es wird immer mehr und immer professioneller betrogen

Sportwetten: Es wird immer mehr und immer professioneller betrogen

  • Friedrich Stickler schlägt Alarm: Der weltweite Umsatz mit Sportwettenbetrug beträgt bereits 140 Milliarden Euro.

Insgesamt 308 Fälle von gravierendem Sportbetrug wurden 2011 durch internationale Monitoring-Systeme gemeldet.

Friedrich Stickler, Präsident der Europäischen Lotterien und Vorstandsmitglied der Österreichischen Lotterien, sieht ob dieser dramatischen Zahlen den Sport in großer Gefahr. "Die Wettmafia verfeinert ihre Instrumente. Es wird immer mehr und immer professioneller betrogen", sagte Stickler bei einer Klausur des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) im Tiroler Hochgurgl.

"Matchfixing" sei eine "globale Herausforderung im Sport" geworden, und der Sport werde zunehmend zum Spielball des organisierten Wettbetrugs. Besonders betroffen sei der Fußball mit 71 Prozent der gemeldeten Betrugsfälle. In 50 der rund 200 FIFA-Mitgliedsländer liefen Verfahren wegen Sportwettenbetrug, so der ehemalige Präsident des Österreichischen Fußballbundes. Und es gehe nicht bloß um Viertliga-Spiele. Es gelinge der Wettmafia immer wieder, Erstliga-Matches und sogar Spiele von Nationalmannschaften zu manipulieren. Kriminelle Organisationen würden inzwischen höchst professionell wie bei einer Rasterfahndung in der ganzen Welt nach potenziell manipulationsbereiten Sportlern und Schiedsrichtern suchen. FIFA und UEFA kooperierten deshalb eng mit Interpol.

Asien als Zentrum für Wettbetrug

Warum die vor allem aus Asien operierende internationale Wettmafia so aktiv ist, liegt an den hohen Summen, die mit Wetten bewegt werden. 600 Milliarden Dollar wurden zuletzt im Wettgeschäft umgesetzt, 130 Milliarden Dollar mit Online-Wetten. Die hohen Ausschüttungen bei Sportwetten verführten zu Geldwäsche, erklärte Stickler.

Im Fußball habe man das Problem inzwischen erkannt, in anderen Sportarten gelte es aber noch entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. "Wir befinden uns in einer wirklich schlimmen Situation. Das ist eines der wirklich großen Probleme, denen der Sport derzeit gegenüber steht", warnte Stickler. Die Integrität des Sports und damit das Interesse der Zuschauer stünden auf dem Spiel. Es gebe zwar eine ganze Reihe von Monitoring-Systemen. Es brauche aber "strenge rechtliche Rahmenbedingungen für Sportbetrug". Darüber hinaus forderte der Präsident der Europäischen Lotterien die Gründung einer "Sport Integrity Agency" nach dem Vorbild der für Doping-Vergehen zuständigen WADA.

APA/hahn

 
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