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27.04.201208:32 Uhr

Es geht wieder los: S&P stuft Spanien ab und setzt den Ausblick auf "negativ"

  • S&P senkt die Bewertung auf "BBB+" von zuvor "A". Spanien muss in nächsten 35 Jahren über 900 Milliarden Euro tilgen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Spanien herabgestuft. Es gebe erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und das Budget, erklärten die Bonitätswächter.

S&P setzte den Ausblick auf negativ und senkte die Bewertung auf "BBB+" von zuvor "A". Es sei möglich, dass das südeuropäische Land dem Bankensektor erneut unter die Arme greifen müsse. Die Agentur erklärte, sie glaube zudem nicht, dass die Arbeitsmarktreformen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen würden.

In einer ersten Reaktion kritisierte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid die Entscheidung. S&P habe nicht ausreichend die angekündigten Reformen berücksichtigt, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters am späten Abend. "Sie werden einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben."

Spanien gilt seit längerem an den Finanzmärkten als Wackelkandidat. Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, Spanien müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Strikter Sparkurs

Zuletzt zeigte sich die Regierung in Madrid zuversichtlich, ihr Sparziel für das heurige Jahr zu erfüllen. Mit Hilfe eines strikten Sparkurses von mehr als 27 Milliarden Euro will das Land einen Fehlbetrag von 5,3 Prozent nach Brüssel melden. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,5 Prozent. Die drastischen Sparbemühungen sollen dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das hoch verschuldete Land fassen. Zwar kann Spanien noch erfolgreich den Kapitalmarkt anzapfen, muss die Anleger aber zunehmend mit höheren Zinsen locken.

Die dramatik der Situation lässt sich auch an den Schuldenrückzahlungen plus Zinsen illustrieren. In den kommenden 35 Jahren muss Spanien nämlich über 900 Milliarden Euro an seine Gläubiger überweisen.

Euro-Schuldenkrise gewinnt an Dramatik

Mit den Sorgen um Spanien nimmt die Schuldenkrise in der Euro-Zone wieder an Brisanz zu. Je schlechter eine Bonitätsnote, desto höhere Zinsen muss ein Land in der Regel für die Aufnahme neuer Schulden zahlen - damit dürfte die Absenkung des Ratings durch S&P für zusätzlichen Druck auf Spanien sorgen, und der negative Ausblick bedeutet: Es droht eine weitere Herabstufung. Länder mit Spitzenrating "AAA" können sich entsprechend günstig Geld am Kapitalmarkt borgen. Zuletzt hatte Standard & Poor's die spanische Bonität im Jänner heruntergesetzt.

2013 will Spanien die EU-Defizitgrenze von drei Prozent wieder erreichten. Allerdings ist das südeuropäische Land gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht. Nach Angaben der Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte. Standard & Poor's erklärte am Donnerstag, es rechne für 2012 mit einem Einbruch der spanischen Wirtschaft um 1,5 Prozent.

Agenturen/hahn

 
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