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25.04.201208:49 Uhr

AUA: Einigung zwischen Management und Bord-Betriebsrat

  • Das fliegende Personal soll eine Abschlagszahlung erhalten und dafür in einen günstigeren Kollektivvertrag wechseln.

Nach monatelanger Eskalation haben sich AUA-Management und Arbeitnehmer am Dienstagabend über billigere Verträge der AUA-Piloten und Kabinenbeschäftigten geeinigt.

Damit wurde ein juristisch umstrittener Zwangsumstieg auf den um 25 Prozent billigeren Kollektivvertrag der Regionaltocher Tyrolean abgewehrt - vor allem aber Massenselbstkündigungen von Piloten und damit verbundene Flug-Betriebsprobleme, die ab Mai geblüht hätten.

Auch eine teure Prozessflut konnten sich alle Beteiligten ersparen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit gab es am Abend das grundsätzliche "Go". Jetzt müssen alle Belegschaftsmitglieder darüber abstimmen. Die Drohung der AUA, andernfalls würde doch noch der Betriebsübergang erfolgen, gilt nur noch als theoretisch.

In den nächsten Stunden und Tagen sollen nun diese Mitarbeiterinformationen und Abstimmungen erfolgen. Davor wollte sich die AUA auch Mittwochfrüh nicht äußern. Ein neuer Aufsichtsratsbeschluss ist nicht mehr nötig.

Eine tiefgreifende Tarifreform bei der AUA ist Teil eines heuer mehr als 220 Mio. Euro teuren Sparpakets, das die Lufthansa der AUA auferlegt hat. Es stand nicht viel weniger als eine positive Prognose auf dem Spiel, ob es mit der AUA im Lufthansa-Konzern so weitergehen kann wie bisher. Die Lufthansa hat eine AUA-Sanierung als Priorität erklärt und verlangte vom Vorstand aus Wien, bald einmal Ergebnisse zu liefern. Da wurde zuletzt ein Termin Anfang Mai genannt.

Die AUA hätte sich den Zwangsumstieg vorerst viel kosten lassen müssen. Bevor es langsam Einsparungen von Personalkosten gegeben hätte, wären dreistellige Millionenbeträge an Abfertigungen angefallen, weil viele AUA-Piloten eine Bezüge-Degradierung unter Tyrolean abgelehnt und Sonderkündigungsrechte samt teurer Abfertigungen genutzt hätten. Auf 160 Mio. Euro wurden die Kosten und Folgekosten der Auslagerung AUA-intern zuletzt beziffert.

Abschlagszahlung

Die vom Betriebsrat Bord und dem AUA-Vorstand am Abend in einer Mitteilung an das Personal verkündete grundsätzliche Einigung sieht vor, dass alle Personalgruppen des fliegenden Personals eine Abschlagszahlung für Pensionsleistungen erhalten und dafür in einen einheitlichen und günstigeren Kollektivvertrag wechseln sollen.

Es fallen nun auch ohne Betriebsübergang die teuren automatischen Vorrückungen (Inflationsausgleich) ebenso weg wie Pensionsprivilegien. Die Klausel, wonach Tyrolean-Piloten nicht auf den größeren AUA-Flugzeugen eingesetzt werden dürfen, fällt ebenfalls. Diese Klausel wurde von den AUA-Piloten jahrelang verbissen verteidigt. Für die AUA-Bordleute heißt die Einigung auch längere Arbeitszeiten. An dem Streit hatte sich auch die Kluft innerhalb der Belegschaft (AUA/Tyrolean) vertieft. Zuletzt hatten sich alle Seiten Schlichter ins Haus geholt, darunter aus der Swiss.

In der AUA und bei Tyrolean wird eine Zusammenführung der beiden Betriebe irgendwann doch für möglich gehalten, "aber nicht über Nacht", und ohne weiteren Schaden für die Beteiligten.

Schweizer Beraten haben Knoten gelöst

Zu einem besseren Gesprächsklima auf beiden Seiten sollen die beiden Schweizer Berater beigetragen haben: Swiss-Kapitän Martin Fischer informierte am gestrigen Montag auf Betriebsrats-Initiative die Bord-Belegschaft bei der Betriebsversammlung. Der AUA-Vorstand wiederum holte sich Gaudenz Ambühl, der Ex-Swissair-Kapitän war bis 2009 im Vorstand der Swiss u. a. für das fliegende Personal zuständig.

"Die AUA ist ein sehr komplexes Unternehmen mit vielen Regeln, die im Laufe der Zeit entstanden sind, die früher wohl ihre Berechtigung hatten, die heute aber leider die Sanierung und Entwicklung des Unternehmens behindern", sagte Ambühl im "Standard". Als Beispiel nannte er den automatischen Indexausgleich, das Pensionskassensystem oder spezielle Regeln, die verhinderten, dass die Besatzungen auf der Langstrecke produktiv eingesetzt werden können. "Die AUA-Piloten würden sicherlich problemlos mehr fliegen wie auch die Swiss."

Zugleich aber scheine der Weg in die Privatisierung und Selbstständigkeit, wo das Unternehmen ohne Steuergelder und ohne Gelder aus dem Konzern auskommen müsse, schwieriger als erwartet. Ambühl sieht Parallelen zur Swiss: Es gehe darum, die AUA auf eine ähnliche wettbewerbsfähige Basis zu stellen wie die Swiss. "Sollte uns das gelingen, wird auch die zukünftige Entwicklung vergleichbar sein, und Swiss ist bekanntlich heute einer der erfolgreichsten Netzwerkcarrier in Europa. Diesen Weg kann auch die AUA gehen. Das Potenzial ist vorhanden."

APA

 
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