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16.04.201213:09 Uhr

US-Großbanken werden immer gefährlicher

  • Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sind die größten fünf US-Banken heute zweimal so groß wie vor zehn Jahren.

Während schwächere Banken zusammenbrachen oder aufgekauft wurden, hat sich aus der Krise eine Handvoll Finanzgiganten entwickelt.

US-Präsident Barack Obama hatte vor gerade einmal zwei Jahren der Gefahr zu starkem Bankenwachstums mit dem Begriff “zu groß, um zu Scheitern” (too big to fail) den Kampf erklärt. Doch mittlerweile sind die größten US-Banken größer und mächtiger als vor der Finanzkrise.

JPMorgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs Group kamen Ende 2011 auf eine Bilanzsumme von zusammen 8,5 Billionen Dollar. Das entsprach 56 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Vereinigten Staaten, wie aktuelle Daten der Notenbank Federal Reserve jetzt zeigen. Fünf Jahr zuvor und damit vor der Finanzkrise entsprach die Bilanzsumme der fünf größten US-Banken
43 Prozent der US-Volkswirtschaft.

Riesen-Banken

Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sind die “Großen Fünf” heute zweimal so groß wie vor zehn Jahren. Das weckt Besorgnis, dass Probleme bei einer großen Bank das gesamte Finanzsystem erschüttern könnten und die Regierung - ebenso wie in der Kreditklemme des Jahres 2008 - sich zum Eingreifen gezwungen sehen könnte. “Die Marktteilnehmer glauben, es habe sich nichts verändert und dass ‘too-big-to-fail’ immer noch völlig intakt ist”, sagt Gary Stern, früherer Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis.

Das Schreckgespenst untergräbt den Glauben in Obamas Versprechen, dass Rettungsaktionen, die vom Steuerzahler finanziert werden, der Vergangenheit angehören. Obama setzt sich damit auch Kritik aus Reihen der Federal Reserve, der Republikaner und von Occupy Wall Street aus. Sie sehen die Konzentration der Bankenmacht als Bedrohung der wirtschaftlichen Stabilität.

Während schwächere Banken zusammenbrachen oder aufgekauft wurden, hat sich aus der Krise eine Handvoll Finanzgiganten entwickelt, die erfolgreich ist. JPMorgan, Goldman Sachs und Wells Fargo sind weiter gewachsen, wenn auch weniger dramatisch, gestützt durch internes Wachstum und Akquisitionen von europäischen Banken, die sich im Zuge der Staatsschuldenkrise in der Euro-Region verkleinern mussten.

Im Jänner 2010 hatte Obama gefordert, eine weitere Konsolidierung des US-Finanzsystems zu verhindern. Obama sagte, der Steuerzahler sei nicht gut damit bedient, wenn das Finanzsystem nur aus einigen wenigen großen Banken bestünde.

Simon Johnson, ein früherer Chef-Ökonom beim Internationalen Währungsfonds, machte “einen Mangel an Führungsstärke im Finanzministerium und im Weißen Haus” dafür verantwortlich, dass die Versprechen nicht erfüllt wurden. “Es wäre sicherer, die Banken zu zerschlagen”, sagt Johnson.

US-Finanzminister Timothy Geithner wies die Kritik zurück.
Das Finanzsystem sei heute deutlich stärker als vor der Krise, entgegnete er. Zu Begründung verwies er auf eine Vielzahl neuer Regeln, darunter härtere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften, um die Risiken, die die größten Banken eingehen, zu begrenzen. Zudem sei den Aufsichtsbehörden gestattet, gescheiterte Banken zu übernehmen, darüber hinaus dürften die größten Banken keine Wettbewerber übernehmen.

Bloomberg/hahn

 
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