Kultur & Style

02.06.201219:12 Uhr
"My Week with Marilyn“ - Manche mögen’s lauwarm

"My Week with Marilyn“ - Manche mögen’s lauwarm

  • Biopic übers Filmemachen, Ab 20.04. im Kino.
  • GEWINNSPIEL: Colin Clark - Meine Woche mit Marilyn

"My Week with Marilyn“, ein Biopic übers Filmemachen, versucht die komplexe Persönlichkeit der Kult-Diva Marilyn Monroe fassbar zu machen.

Momentan ist es im Gegenwartskino sehr modern, sich vor der "guten alten Zeit“ im Kino zu verneigen und sich von ihr inspirieren zu lassen. Mit Getöse, Pomp und cineastischer Liebe zum Detail rücken Regisseure aus, um Filme übers Filmemachen zu drehen. Das kommt recht gut an. Eindrucksvoll bewiesen bei der diesjährigen Oscargala, als auf Michel Hazanavicius’ Film "The Artist“, der der Stummfilmära huldigt, ein Preisregen niederprasselte. Detto bei Martin Scorseses 3D-Leinwandepos "Hugo Cabret“, das, ebenfalls oscarprämiert, dem französischen Filmpionier Georges Méliès ein tricktechnisches Denkmal setzt. Alte Filmepochen werden mit Faszination seziert, und im Abfeiern von Nostalgie und Vergangenem versucht man auch das Heute verständlicher zu machen.

Da passt es gut ins Bild, dass der britische Regisseur Simon Curtis mit seiner Regiearbeit "My Week with Marilyn“ das Rad der Zeit in die 50er-Jahre zurückdreht und sich am Mythos Marilyn Monroe abarbeitet.

Dabei werden die Genres kräftig durchgemischt. Der Film, übrigens ebenfalls für einige Oscars nominiert, erzählt vordergründig die Geschichte von den Dreharbeiten zur Komödie "Der Prinz und die Tänzerin“, bei denen der britische Jahrhundertmime Sir Laurence Olivier (Kenneth Branagh) auf die etablierte Diva Monroe (Michelle Williams) trifft. Er, der gefeierte Bühnenheld, will sich mit dieser seiner ersten Regiearbeit im leichten Komödienfach etablieren und setzt seine Hoffnungen auf die Monroe, den größten weiblichen Leinwandstar der Zeit. Allerdings prallen da Sichtweisen aufeinander: alternder, von der Bühne geprägter Schauspieladel gegen neues Method Acting.

Gleichzeitig beruht der Stoff auf den Tagebuchaufzeichnungen von Colin Clark (Eddie Redmayne). Der junge Oxford-Absolvent aus bestem Hause will im Filmbusiness Fuß fassen und heuert als dritter Regieassistent, also als Laufbursche, von Laurence Olivier für diese Produktion an. Die Tagebücher von Colin Clark, der im Laufe seines Leben als Kunsthistoriker und Dokumentarfilmer Karriere machen sollte, sind übrigens Mitte der 90er erschienen und wurden ein Bestseller.

All-in-One

Für "My Week with Marilyn“ heißt diese berufene Quelle aber auch, dass es zur Film-im-Film-Ebene noch eine Biopic-Ebene mit Doku-Echtheitsanspruch gibt - Mini-Romanze und Coming-of-Age-Story inklusive. Denn der durchaus charmante, aber doch noch junge Colin wird zu Monroes kurzzeitigem Vertrauten und verliebt sich in den Superstar. Erste Reihe fußfrei soll nun also hinter die Fassaden des Filmemachens und der MM geblickt werden. Ersteres gelingt, bei der Mythendekonstruktion wird’s schwierig.



Die 31-jährige US-Schauspielerin Michelle Williams wirft sich zwar gekonnt in Pose. Letztlich werden aber nur Klischees wiedergekäut. Genie und Wahnsinn, Tablettensucht, Alkohol und Unsicherheit, Sexbomben-Image und schwierige Kindheit - die ganze Palette eben. Letztlich gipfelt alles in der seichten Conclusio, dass hier eine Frau vor allem ihrer selbst wegen geliebt werden will. Irgendwie zu wenig in der bereits fortgeschrittenen, komplexen Marilyn-Forschung.

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- Manfred Gram

 


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