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10.04.201213:27 Uhr
Ranking: Das verdienen Österreichs Top-Manager

Ranking: Das verdienen Österreichs Top-Manager

  • Fast alle heimischen Vorstände verdienen wieder deutlich mehr. Am meisten kassiert Andritz-Boss Wolfgang Leitner.

Bis auf wenige Ausnahmen haben die Chefs der Top-Konzerne in Österreich 2011 deutliche Gehaltszuwächse verzeichnet. Der langjährige Trend setzt sich fort, die Debatte darüber auch.

Es war kein gutes Jahr für Hannes Ametsreiter: Die Telekom Austria stand 2011 im Zentrum eines Skandals, der sich noch immer ausweitet. Die Probleme in Weißrussland färbten die Bilanz tiefrot: Insgesamt machte der Verlust 253 Millionen Euro aus. Doch am Konto von Telekom-Boss Ametsreiter war von Krise keine Spur: Er verdiente 1.025.000 Euro - um ein Viertel mehr als 2010.

Für Wolfgang Leitner (Bild) war 2011 ein gutes Jahr - in jeder Hinsicht: Die Andritz-Aktie war auf Rekordkurs, laufend gab es neue Aufträge für den steirischen Anlagenbauer, ein Umsatzanstieg von 30 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro wurde verzeichnet. Das gute Ergebnis hat sich auch in der Vorstandsvergütung niedergeschlagen. Leitner hat im Vorjahr rund 2,5 Millionen Euro verdient - so viel wie kein anderer unter den Vorstandsvorsitzenden der heimischen Unternehmen, die börsennotiert sind.

Ametsreiter und Leitner sind keine Ausnahmen: Auch die meisten anderen Bosse durften sich über Steigerungen am Gehaltszettel freuen. Bislang haben 21 Unternehmen, die im Prime-Market der Wiener Börse notieren, ihre Geschäftsberichte vorgelegt. Die darin ausgewiesenen Vergütungen sprechen eine klare Sprache: Was die Top-Gagen betrifft, ist die Krise eindeutig wieder vorbei. Nur Erste-Group-Chef Andreas Treichl und Verbund-General Wolfgang Anzengruber haben ein Minus verzeichnet.

Die Schere geht auseinander

Diese Gehaltsentwicklung folgt dem langjährigen Trend und bleibt naturgemäß auch nicht ohne Widerspruch. "Die Vorstandsgehälter in den ATX-Unternehmen waren im Jahr 2000 zwanzigmal so hoch wie die Durchschnittseinkommen, 2011 übertreffen sie diese um das 48fache. Ein ATX-Manager verdiente 2011 im Schnitt 1,3 Millionen Euro“, kritisiert Arbeiterkammer-Chef Herbert Tumpel. Mit der Leistungsfähigkeit der Manager sei das einfach nicht zu erklären.

Tumpel: "Das steht in keinem Verhältnis mehr.“ Dass die Gagenkaiser in Österreich rund 800-mal so viel wie ein Mindestlohnbezieher verdienen, stößt auch Attac-Österreich-Mitbegründer Christian Felber sauer auf. "Dies ist nicht mit Leistung oder Verantwortung zu erklären, sondern rein mit Macht. Diese eklatante Ungleichheit verletzt zutiefst das Gerechtigkeitsempfinden einer breiten Masse“, meint Felber. Differenzierter analysiert der Mathematiker und Buchautor Rudolf Taschner das Thema, er warnt davor, aus Gerechtigkeit einen Kampfbegriff zu machen.

Die Boni steigen. Einer Analyse der Arbeiterkammer zufolge stiegen die Fixgehälter der Vorstände von 2010 auf 2011 um sechs Prozent und ihre variablen Gehälter um zehn Prozent, während die Durchschnittseinkommen nur um 2,5 Prozent zunahmen. Schon 2010 wurde bei den Managergehältern das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht - jetzt geht es weiter aufwärts.

Zu den ganz großen Gewinnern im Jahresvergleich gehört Lenzing-Boss Peter Untersperger. Der Grund: Für die Kapitalerhöhung wurde eine Sonderprämie ausgeschüttet. Wienerberger-Chef Heimo Scheuch bekam nach Jahren ohne Bonus wieder einen ausbezahlt. Und auch der Anstieg des Gehalts von Telekom-Boss Ametsreiter ist auf eine Bonuszahlung zurückzuführen - für Leistungen im Geschäftsjahr 2010. Außerdem sei im Vergleich zu andern ATX-Konzernen die Gesamtsumme der Vorstandsvergütung ohnehin relativ niedrig, heißt es aus der Telekom.

Mit rund einer Million Euro Jahresgage bewegt sich Ametsreiter zwar im Mittelfeld der Spitzenmanager - aber ganz oben in der Einkommensverteilung der Österreicher: Insgesamt kennt die Statistik Austria nur 171 unselbständige Bezieher von Gehältern, die über dieser magischen Grenze liegen. Im Durchschnitt werden in Österreich einem (Vollzeit-)Beschäftigten jährlich 35.474 Euro brutto bezahlt (2010).

Doch trotz der Gehaltssprünge bleibt auch den Managern ein Wermutstropfen - durch das Sparpaket werden sie künftig stärker zur Kasse gebeten werden: Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind bei Einkommen ab 185.200 Euro im Jahr nun höher besteuert. Ulrike Haidenthaller vom Aktienforum hält diese Solidaritätsabgabe für ein negatives Signal. "Dadurch wird der Unternehmensstandort Österreich noch unattraktiver für Führungskräfte der obersten Ebene.“ Denn die Gagen in den heimischen Unternehmen sind ohnehin weit entfernt von den Bezügen, die Spitzenmanager international kassieren. Auch deshalb zieht es Talente oft ins Ausland.

Ganz anders sehen das Arbeiterkammer und SPÖ. Sie machen sich weiter für höhere Abgaben auf Vermögen stark und wollen die steuerliche Absetzbarkeit von Spitzengehältern für die Unternehmen reduzieren (siehe Günther Kräuter-Interview).

Sorgt Transparenz für Neid? Eine Änderung wird es für die Manager im kommenden Jahr mit Sicherheit geben: Ab dann müssen laut Corporate-Governance-Kodex alle Vorstandsvergütungen einzeln ausgewiesen werden - bislang reicht es, die Gesamtsumme anzugeben. Die neue Transparenz freut nicht alle Chefs, manche befürchten, dass dann noch mehr Neid und Missgunst entstehen. "Für Investoren ist maßgeblich, was der Vorstand im Kollektiv verdient. Aktionäre messen die Kosten der Vorstände an ihren Leistungen“, sagt etwa Herbert Stepic, Chef der Raiffeisenbank International. Allerdings werde man sich an die neuen Regeln halten.

Auch die erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile werden künftig klarer geregelt: Es muss Obergrenzen geben und die Möglichkeit, sie zurückzufordern, wenn sie aufgrund von falschen Daten ausbezahlt werden. "Die Managergehälter sollten in der Hauptversammlung diskutiert werden“, fordert AK-Chef Tumpel. Derzeit trifft die Entscheidung über die Höhe der Gehälter meist ein verschwiegener Unterausschuss des Aufsichtsrats.

Die Abfindungszahlungen von Vorständen, deren Vertrag vorzeitig aufgelöst wird, sind im neuen Kodex ebenfalls geregelt - und werden limitiert. 2011 hat das ja vor allem am Flughafen Wien zu Streit geführt: Dort fordert jetzt der ehemalige Vorstand Ernest Gabmann von seinem Ex-Arbeitgeber 500.000 Euro. Und das, obwohl es schon zu Unmut geführt hat, dass er und sein früherer Vorstandskollege Gerhard Schmid im Vorjahr auch 85.000 Euro an erfolgsabhängigen Prämien kassierten. Man solle von Gabmann & Co eine Entschädigung fordern und "diese Berufsdilettanten nicht mit Bonuszahlungen belohnen“, fordert etwa der Luftfahrtsprecher der FPÖ Niederösterreich, Christian Hafenecker.

Für weniger Aufregung haben die Abgänge im - hoch profitablen - Energiekonzern OMV gesorgt: Wolfgang Ruttenstorfer - jahrelang einer von Österreichs Gehaltskaisern - wurde als Vorstandsvorsitzender abgelöst. Für 2011 erhielt er noch 2,57 Millionen Euro. Gasvorstand Werner Auli legte mit Jahresende 2011 sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen zurück - was ihn dank hoher Abfertigungs- und Abfindungszahlungen zum Manager mit dem höchsten Ausstiegsgehalt machte: Er hat zum Abschied insgesamt 5,6 Millionen Euro kassiert.

DAS RANKING IM DETAIL: Die Spitzenverdiener

- Martina Bachler, Miriam Koch

 
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