Karl-Heinz Grasser

02.04.201215:29 Uhr

Julius Meinl V.: Der schwierige Weg zurück

  • 3 Jahre nach seiner Haft entwickeln sich die Geschäfte positiv.
  • Ab heuer verstärkt Immobilienaktivitäten

Drei Jahre nach der Verhaftung von Julius Meinl tritt die Justiz noch immer auf der Stelle. Die Geschäfte der Meinl Bank entwickeln sich indes, vor allem mit russischen Oligarchen, nicht so schlecht.

Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen als umzufallen“, sagte Winston Churchill vor langer Zeit. Und Julius Meinl V., ein glühender Verehrer des britischen Staatsmannes, ist gerade dabei, sich im Aufstehen zu üben. Gesellschaftlich gelingt dieses Unterfangen bislang noch nicht sehr gut, geschäftlich etwas besser.

Genau drei Jahre ist es nun her, dass der Banker wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue überraschend in U-Haft genommen wurde. Nur die Zahlung der Rekordkaution von 100 Millionen Euro bewahrte den „Fünfer“ damals davor, länger als zwei Nächte hinter Gittern verbringen zu müssen. Nicht wenige rechneten damals fix damit, dass mit dieser Verhaftung das Ende für das Traditionsunternehmen Meinl auf ewig besiegelt sein würde. Von Bankgeschäften gar nicht zu reden.

Binnen 54 Stunden hatte Meinl damals die Kaution aufgetrieben und sorgte damit hierzulande für weitere – überwiegend negative – Spekulationen. Anderswo auf der Welt wird das heute gänzlich anders gesehen, berichtet Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl. In Russland, wo die Bank nun 80 Prozent ihres Geschäfts lukriert, werde Meinl als „klasser Bursch“ gesehen, weil er das Geld so rasch aufstellte. Deshalb fährt Julius Meinl auch selbst jeden Monat mit nach Russland oder in die Ukraine, um die dortigen Geschäftsleute mit seinem „alten Geld“ zu beeindrucken. Und anscheinend gelingt ihm das nicht so schlecht.

Mit der Vermögensberatung von Oligarchen und Schuldnerberatung, sogenannten „Distressed Debt“-Aktivitäten, hat die Bank – trotz erneuter Rückstellungen für Vergleiche und Rechtsberatung in Millionenhöhe – im Vorjahr wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft. Auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser soll ja von der Bank für die Schuldeneintreibung in Russland hinzugezogen worden sein.

Inselhopping

Ab heuer sollen auch wieder verstärkt Immobilienaktivitäten, wie einst in der Meinl European Land, dazukommen. Allerdings von einem neuen Domizil aus und unter anderem Namen. Statt der Kanalinsel Jersey, wo es ja auch Ermittlungen gegen die MEL gab, fungiert nun Malta als Firmenstandort für die Fulcrum. „In dem Bereich Immobilien haben wir uns ja auch über die Jahre unsere Expertise aufgebaut“, erläutert Weinzierl den Neustart im Immobilienbusiness. Der Bau von Einkaufszentren in Russland, Polen und der Ukraine ist geplant. Die Fulcrum wird zurzeit noch von Geldern „aus dem Umkreis der Familie Meinl“ finanziert, wie der Meinl-Bank-Chef sagt, soll aber bald auch Großinvestoren anlocken.

Das Private Banking in Österreich nimmt hingegen lang nicht mehr jenen Stellenwert in der Traditionsbank ein wie noch vor einigen Jahren. Nach einem Abfluss von Kundengeldern in Millionenhöhe im Jahr 2009 konnte dieser Bereich zwar stabilisiert werden, Zuwächse werden aber nicht erzielt. Vielleicht ist das der Grund, warum sich der langjährige Meinl- Bank-Vorstand Robert Kofler zurückzieht. „Es könnte sein, dass Kofler in Kürze in den Aufsichtsrat wechselt“, bestätigt Weinzierl diesbezügliche FORMAT-Recherchen vorsichtig. Überhaupt sind Jobwechsel innerhalb der Bank gang und gäbe. So soll der langjährige Chauffeur von Julius Meinl auf einen Bürojob gewechselt sein. „Man will niemanden verlieren, der Mitwisser sein könnte“, munkelt ein Insider.

Läuten die Hochzeitsglocken?

Die Dienste des Chauffeurs werden deshalb nur mehr selten benötigt, weil Meinl nur gelegentlich in Österreich anzutreffen ist. Die meiste Zeit hält sich der Mann mit der britischen Staatsbürgerschaft in London auf. Maximal alle zwei Wochen lässt sich der Banker in „seiner Bank“ blicken. Etwas öfter ist er mit seiner neuen Lebensgefährtin Ariane Neuberger auf seinem Landsitz im steirischen Pöllau anzu treffen. Meist sind die beiden dort aber nur zu zweit, vorbei die schönen Zeiten, als Investmentbanker Michael Treichl und andere Societygrößen zum Jagen vorbeikamen.

Überhaupt, so berichten Meinl-Wegbegleiter, habe Meinl nur noch wenige Freunde. Viele hätten sich nach der Verhaftung und den selbst durch Meinl-Investments erlittenen Verlusten, die sie ihm zur Last legen, zurückgezogen. So bleibt dem „Fünfer“ also auch mehr Zeit, in seinen Churchill-Büchern zu schmökern. Darüber hinaus machen noch andere Gerüchte über Meinls Privatleben die Runde: Er soll seiner Freundin in Kürze das Jawort geben, wird gemunkelt.

Mit einer Apanage von 100 Millionen Euro zuzüglich Zinsen wird der Banker bei der Hochzeit wohl nicht aufwarten können. Denn die Justiz will die Kaution partout nicht herausrücken. Und das, obwohl jenes Gutachten, auf dem der Kautionsbeschluss im Wesentlichen beruhte, von einem befangenen Gutachter geschrieben wurde. Seit Herbst 2011 liegt ein zweiter Antrag auf Rückerstattung der Kaution – bislang unbeantwortet – bei Gericht.

Mittlerweile wird bereits mehr als vier Jahre in der Causa Meinl ermittelt, der vierte Gutachter wurde vor kurzem bestellt, ingesamt vier Staatsanwälte arbeiten an dem Fall. Auch in der Staatsanwaltschaft Wien weiß man: „Wir haben ein Gutachterproblem.“ Aber es dürfte nicht nur das sein: In den FORMAT vorliegenden E-Mails machen auch die Ermittler keine gute Figur. Ein gefundenes Fressen für die Anwaltsarmada von Julius Meinl.

– Angelika Kramer

 
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