Geld

02.06.201220:24 Uhr
Unternehmensanleihen haben sich in der Krise bewährt

Unternehmensanleihen haben sich in der Krise bewährt

  • Die attraktiven Alternativen zu Staatspapieren

Investment. Unternehmensanleihen haben sich in der Krise bewährt. Für Anleger locken bei überschaubarem Risiko bessere Renditen als bei Staatsanleihen.

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1999? Die Medien waren voll von üblen Prophezeiungen über den drohenden Computer-GAU: Die Jahrtausendumstellung werde die Systeme lahmlegen. Banken, Verkehr, Gesundheitswesen seien gefährdet, hieß es damals. Passiert ist - ganz einfach nichts. Umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen verhinderten, dass die Computer verrücktspielten. "Es gibt eben selbsterfüllende Prophezeiungen, und es gibt selbstzerstörende Prophezeiungen. Der Jahrtausend-GAU war eine selbstzerstörende Prophezeiung, und genau so ist es mit Berichten über drohende Firmenzusammenbrüche im Gefolge der Finanzkrise“, zieht Robert Senz, Chef der Anleihen-Analyse bei Raiffeisen Capital Management, eine interessante Parallele. "Um drohenden Pleiten im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise vorzubeugen, wurde viel unternommen. Zahlreiche Unternehmen stehen heute besser da als je zuvor - auf jeden Fall besser als vor Ausbruch der Krise.“

Umgehungshandlung

Anleger, die davon profitieren möchten, müssen sich keineswegs auf das schlüpfrige Börsenparkett wagen. Unternehmensanleihen - also Schuldverschreibungen, die von Unternehmen ausgestellt werden - erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Jeweils einen Grund dafür lieferten die USA und Griechenland. Erstens die USA: Der durch die US-Immobilienkrise ausgelöste Beinahezusammenbruch des Weltfinanzsystems hat einerseits zu größerer Vorsicht der Banken bei der Vergabe von Krediten geführt - weswegen mehr Unternehmen Anleihen als ideales Instrument entdeckt haben, um die Banken bei Finanzierungen zu umgehen und sich direkt bei den Anlegern Geld zu holen. Andererseits werden demnächst die Eigenkapitalerfordernisse der Banken verschärft, und das wird die Fähigkeit des Finanzsektors, Kredite an die Wirtschaft zu vergeben, nochmals einschränken. Unternehmensanleihen stellen somit für zahlreiche Firmen eine lukrative Alternative zu Bankkrediten dar.

Davon können auch Investoren profitieren. Die praktische Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hat Anlegern mit Sicherheitsbedürfnis nämlich zweitens das Investment in Staatsanleihen vergrault. Die Renditen der "sicheren“ Papiere - dazu zählen etwa deutsche und niederländische Staatsanleihen, aber auch österreichische Emissionen - fielen auf historische Tiefstände, teils sogar unter zwei Prozent; viel zu holen ist da also nicht. Im Gegenzug kletterten zwar die Renditen der Anleihen aus den "Pigs“-Staaten - Portugal, Italien, Griechenland, Spanien - teils in zweistellige Dimensionen, doch das Tauziehen um die Hilfspakete für Griechenland hält sicherheitsbewusste Anleger davon ab, hier zuzugreifen: Der Fall Griechenlands hat das Bewusstsein über die Gefahren mancher Staatsanleihen geschärft.

Den Unternehmensanleihen verschafft das einiges an Auftrieb. "In der zweiten Hälfte 2011 war auf der Emittentenseite noch nicht viel los, da waren die Unternehmen ausfinanziert und hatten keinen Kapitalbedarf. Außerdem war die Stimmung von Unsicherheit geprägt. Über die vergangenen Monate beobachten wir aber, dass sich da einige wieder aus der Deckung wagen“, kommentiert Senz den Stimmungsaufschwung. Die Renditen, die Anleger erzielen können, sind durchaus erfreulich. Als erstes österreichisches Unternehmen kam im Jänner dieses Jahres Wienerberger mit einer dreieinhalb Jahre laufenden Anleihe auf den Markt. Deren Kupon übertrifft mit fünf Prozent die Rendite österreichischer Staatspapiere um rund das Doppelte. Einige Wochen später schob der Autoteilehersteller Miba ein siebenjähriges Papier nach, das mit einem Kupon von viereinhalb Prozent aufwarten kann. Durchaus verlockend.

Aus der unterschiedlichen Preisgestaltung - "eigentlich“ müsste ein länger laufendes Papier eine höhere Rendite ausweisen - können Anleger auf das unterschiedliche Risiko schließen. Miba gilt als das "solidere“ Unternehmen, Analysten schätzen das Risiko bei Wienerbeger höher ein. Wienerberger verfügt auch als eines von nur neun österreichischen Unternehmen über ein internationales Rating. Berauschend ist es nicht, es lautet BB, Ausblick negativ. Damit gilt das Papier als "Non-Investment Grade“, also als Anleihe mit signifikantem Risiko. Die Anleger ließen sich davon jedoch keineswegs die Laune verderben - die Wienerberger-Anleihe ging weg wie die warmen Semmeln. Wer bei der Emission nicht gleich zum Zug gekommen war, konnte das Papier wenig später am Sekundärmarkt über die Börse kaufen. Bezahlen musste man dafür freilich schon mehr als bei der Emission: Der Kurs kletterte rasch um vier Prozent, damit sank die Rendite auf rund 3,9 Prozent. "Es gibt so etwas wie einen Heimvorteil. Anleger kaufen gern Papiere von Unternehmen, die sie kennen“, begründet Christoph Ransmayr, Head of Fixed Income bei der Bank Austria, die Kursbewegung. "Wienerberger ist ein ATX-Unternehmen, es kann mit einem schlechteren Rating eher reüssieren als ein unbekannter Champion.“

Bekanntheitsbonus

Dass Bekanntheit zu den Erfolgskriterien zählt, berücksichtigte die Scholz AG. Sie wagte als erstes deutsches Unternehmen mit einer Anleihe den Sprung an die Wiener Börse, nahm dafür aber eine Kuponverzinsung von beachtlichen 8,5 Prozent in Kauf. Wien dürfte dem deutschen Recycling-Unternehmen, das hierzulande auf Expansionskurs ist, gefallen haben, weil der Markt auch kleinere Emissionen akzeptiert. Scholz kam mit 150 Millionen Euro auf den Markt. Damit eignet sich das Papier für Großinvestoren wie Fonds oder Versicherungen aber nicht. Diese steigen erst bei Volumina über 500 Millionen ein. "Wenn Versicherungen und Pensionsfonds kaufen, dann langen sie gleich mit 100 bis 300 Millionen Euro zu - Liquidität ist da sehr wichtig, man muss die Papiere gegebenenfalls ja wieder rasch verkaufen können“, erklärt Bank-Austria-Mann Ransmayr.

Für Kleinanleger ist die Absenz der Großen ein Vorteil. Im Anlageverhalten unterscheiden sich Privatanleger und Großinvestoren nämlich gewaltig: Fonds, Versicherungen und Pensionskassen verfolgen Kursbewegungen und Bonitätsbewertungen der Unternehmensanleihen mit Argusaugen, reagiert wird bereits auf kleinste Anzeichen einer Bonitätsverschlechterung. Rutscht ein Papier gar aus der soliden Bewertung als "Investment Grade“, dann können es Anlagevorschriften erforderlich machen, das Portfolio zu bereinigen. Damit sind Großanleger bei Unternehmensanleihen typischerweise "schwache Hände“. Kleinanleger halten ein Papier hingegen üblicherweise bis zur Endfälligkeit. Schwankungen während der Laufzeit registrieren sie oft gar nicht. Außerdem begnügen sich Großinvestoren mit weitaus niedrigeren Renditen, wenn nur Bonität und Liquidität einer Anleihe ins Portfolio passen. Kleinanleger sind, was die Rendite betrifft, weitaus anspruchsvoller, drücken dafür aber bei der Bonität ein Auge zu.

Erfolgsstrategie

Bisher war diese Strategie durchaus erfolgreich. "Unabhängig von der Bonität waren die Ausfallsraten bei Unternehmensanleihen selbst am Höhepunkt der Krise nie hoch“, berichtet Manfred Burdis, Leiter für Anleihenemissionen der Erste Group. 2008, als die Krise begann, waren es 2,2 Prozent, 2009, an deren Höhepunkt, fielen 2,8 Prozent der Papiere aus. Das waren immer noch deutlich weniger als in den Krisenjahren um 2001, als das Platzen der Technologieblase zahlreiche Unternehmen in den Abgrund riss und Ausfälle zwischen drei und fünf Prozent zu verkraften waren. 2010 gab es dann nur noch 0,33 Prozent Ausfälle, im vergangenen Jahr ebenso wenig. Was können Anleger daraus lernen? "Die höchsten Renditen bei vertretbarem Risiko erzielt man derzeit bei Doppel-B-gerateten Papieren“, verrät Peter Fleischer, für Fixzinsprodukte bei der Erste Sparinvest verantwortlich. Gegenüber soliden Staatsanleihen lassen sich da Zusatzrenditen zwischen zwei und vier Prozent erzielen. Danke, Griechenland!

Von Franz C. Bauer

 
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