
Ankara will Türken ans Gold
- In der Türkei herrscht ein ausgeprägtes Misstrauen gegen das Finanzsystem des Landes.
Deshalb kaufen die Türken lieber Gold und verstecken es im Keller, als ihr Geld auf die Bank zu bringen. Das will die Regierung ändern.
Erdem Basci will an das Gold seiner Landsleute: "Es muss unter der Matratze hervorgeholt werden", sagte der Chef der türkischen Zentralbank in Istanbul. Die Türken sollen ihr Gold nicht mehr zuhause horten, sondern auf die Bank bringen. So will Basci gleich drei Probleme des Landes lösen: den Finanzsektor stärken, die türkische Sparquote nach oben treiben und das Handelsbilanzdefizit des Landes senken.
Denn aus einer langen Jahre extrem volatilen Wirtschaft und einer heftigen schwankenden Währung sowie einer Bankenkrise im Jahr 2001 haben die Türken vor allem eine Lehre gezogen: Vertraue keiner Bank. Kauf lieber Gold und lagere es zuhause. Und das taten sie im Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre auch kräftig. Denn während die Löhne steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt, fallen gleichzeitig die Spareinlagen - im Gegensatz zu den Goldkäufen. Die Türken war 2011 die viertgrößten Goldkäufer der Welt. Die Einfuhr verdoppelte sich von 2010 auf 2011. Die Goldbörse in Istanbul ist nach Transaktionsgröße die zweitgrößte der Welt.
Wie drastisch das Misstrauen ist, zeigt sich an den Werten für den Edelmetallbesitz. In türkischen Banken liegt Gold im Wert von 8,6 Mrd. Dollar - eine Anstieg um 270 Prozent alleine im vergangenen Jahr. Unter den Kissen der Türken zuhause soll es aber nach Schätzungen der Deniz Bank insgesamt Gold im Wert von 300 Mrd. Dollar sein - also mehr als das 30-fache.
Diese Goldbegeisterung der Türken lastet auf der Handelsbilanz, die derzeit mit zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 50 Mrd. Dollar im Minus ist. Denn der Großteil des Goldes muss eingeführt werden, die Nettonachfrage entspricht derzeit knapp 5,8 Mrd. Dollar. Ein ähnliches Problem hat Indien. Neu-Delhi hatte zuletzt angekündigt, der Kauflust der Bürger mit einer Goldsteuer etwas Einhalt gebieten zu wollen.
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