Meinung

16.03.201212:38 Uhr

Martin Kwauka über ängstliche Anleger als Gefahr für den Wirtschaftsstandort

  • Das einzig Sichere am Sparbuch ist, dass das Kapital immer weniger wert wird.

Die Börsen der Welt befinden sich in Feierlaune. Die meisten österreichischen Anleger verharren weiter in Schockstarre. Dabei stehen die Chancen so gut wie lange nicht, dass die Kurse weiter steigen.

Die Probleme Griechenlands sind zwar nur auf die lange Bank geschoben. Zumindest ist aber die akute Ansteckungsgefahr gebannt, dass Italien in den Abgrund gerissen wird. Nichts zeigt dies deutlicher als das wichtigste Krisenbarometer für die Euro-Staatsschuldenkrise, die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen. Im Vorjahr waren diese kurzfristig auf über sieben Prozent hochgeschnellt und drohten völlig außer Kontrolle zu geraten. Eine Pleite Italiens und damit ein möglicher Zusammenbruch der Eurozone waren damals eine tatsächliche Gefahr. Nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Mario Monti muss Italien nur noch 4,8 Prozent zahlen und ist damit wohl endgültig über den Berg. Auch Irland ist auf dem Weg der Besserung. Und Portugal ist zu klein, um einen Flächenbrand auszulösen. Es ist also endlich der Zeitpunkt zum Durchatmen gekommen. Halb Österreich hält aber immer noch voller Angst die Luft an.

Garantierter Kaufkraftschwund

Noch immer wird das Geld ganz auf Nummer sicher investiert - was auch immer dies heißen mag. Wirklich sicher ist dabei vielfach nur, dass die mageren Erträge in den kommenden Jahren nicht einmal ausreichen werden, die reale Kaufkraft zu erhalten. Das gilt für Häuser, die jetzt in Panikstimmung zu Höchstpreisen gekauft werden, genauso wie für Sparbücher mit mikroskopischen Zinsen oder klassische Lebensversicherungen.

Die Erträge, die man noch auf dem Papier erzielt, werden von Steuern und Inflation aufgezehrt. Die Teuerung muss dafür nicht einmal in die Höhe schnellen. Es reicht, wenn die Staaten und die Notenbanken die Zinsen über Jahre etwas tiefer halten als die Inflation. Zusätzlich müssen noch große Anleger wie etwa Versicherungen mit mehr oder weniger sanftem Druck dazu bewegt werden, trotzdem solch unrentable Investments einzugehen. Übrigens: Mithilfe dieses Zwangsspar-Rezepts, das Ökonomen als finanzielle Repression bezeichnen, haben sich schon die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich ihrer hohen Schulden entledigt. Deshalb ist eine Neuauflage der finanziellen Repression auch der wahrscheinlichste Weg zur Lösung der aktuellen Schuldenproblematik.

Gefahr für den Wirtschaftsstandort

Es ist nicht nur ein individuelles Problem, wenn das eigene Vermögen wegen einer übervorsichtigen Veranlagung langsam, aber sicher an Kaufkraft verliert. Auf Dauer wird damit Österreichs Zukunft aufs Spiel gesetzt. Der Wohlstand einer alternden Gesellschaft ist nur dann langfristig zu sichern, wenn die breite Masse der Bevölkerung nennenswerte Kapitalerträge erzielt. Sonst droht im Laufe der Jahre ein schleichender Rückgang des Konsums und des Lebensstandards. Dazu kommt die Gefahr einer ausufernden Altersarmut. Die heute 30-Jährigen werden schon aufgrund der Pensionsreformen 20 bis 30 Prozent weniger Rente kassieren als ihre Eltern und Großeltern. Die einzige Möglichkeit, dem gegenzusteuern, ist der Aufbau eines zusätzlichen Kapitals. Und dieser ist ohne ausreichende Renditen ziemlich aussichtslos. Es wird nicht reichen, wenn sich ein Berufseinsteiger heute einmal das Essengehen verkneift, das ersparte Geld dann jahrelang nicht real vermehrt und er letztlich in der Pensionsphase gerade so viel zur Verfügung hat, um sich jetzt die Mahlzeit zu leisten, auf die er einst verzichtet hat.

Vorbild Unternehmen

Während die meisten privaten Sparer derzeit jedes Risiko scheuen, bleiben wenigstens die Unternehmen weiter auf Kurs und investieren. Und das durchaus mit Erfolg. Selbst unter dem Eindruck der größten Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte ist es vielen Betrieben gelungen, die Gewinne weiter zu steigern und häufig sogar zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Doch auf Dauer ist das nicht ausreichend. Deshalb ist es jetzt höchste Zeit, auch bei der privaten Geldanlage wieder etwas mehr Ertrag anzupeilen. Deshalb braucht man ja nicht gleich Haus und Hof zu riskieren. Es stehen zahlreiche Investments mit gebremstem Risiko zur Wahl. Es gibt inzwischen eine breite Auswahl an vermögensverwaltenden Fonds, die die Aktienquote bei heraufziehender Gefahr verringern oder sogar auf null reduzieren. Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf von soliden Aktien mit hohen Dividenden. Viele bekannte Weltkonzerne zahlen inzwischen an ihre Anleger jährlich mehr als das Doppelte dessen aus, was mit einem guten Sparbuch zu verdienen ist. Sollten die Aktienkurse zwischendurch wieder abbröckeln, bleibt den Aktionären trotzdem ein stetiger Strom an Dividenden erhalten. Wichtig ist nur, nicht zu lange zu warten. Wer immer erst in letzter Minute einsteigt, wenn alle Börsen schon heiß gelaufen sind, wird sein Geld noch systematischer verringern als derjenige, der dauerhaft seinem Sparbuch treu bleibt.

- Martin Kwauka

pixel