Geld & Service

07.03.201210:41 Uhr

Wohnen wird in Österreich ab 1. April teurer

  • Der Chef der Wohnbaugenossenschaft Alpenland befürchtet eine Mehrbelastung von bis zu 40%.

Robert Rintersbacher, Chef der Wohnbaugenossenschaft Alpenland, befürchtet eine durch das Sparpaket ausgelöste Mehrbelastung von bis zu 40 Prozent.

Das Sparpaket könnte in der derzeit aktuellen Form wegen Änderungen im Umsatzsteuerbereich zu massiven Kostensteigerungen bei künftig errichteten Wohnungen, vor allem im Bereich sozialer Wohnbau, führen. Robert Rintersbacher, Geschäftsführer der niederösterreichischen Wohnbaugenossenschaft Alpenland: "Die Anrechnung der Vorsteuer auf die Herstellkosten bei Entfall der zehnprozentigen Besteuerung von Wohneinheiten wirkt sich auf freie Mieten allein mit zumindest sieben Prozent, bei basisgeförderten Mieten mit bis zu 15 Prozent und bei solchen mit Wohnzuschüssen und Wohnbeihilfen in der Nettobelastung mit bis zu 35 Prozent oder auch mehr aus.“

Musterrechnung: plus 41,4 Prozent!

Korrigiert die Bundesregierung den derzeit vorliegenden Gesetzesvorschlag nicht, steigen die Kosten für Wohnungsneubauten, die nach dem 31. 3. 2012 errichtet und vermietet werden, dramatisch an. So muss eine Familie in NÖ mit zwei Kindern mit einem Netto-Haushaltseinkommen von 1.600 Euro, die im Herbst eine 80 Quadratmeter große Genossenschaftswohnung bezieht, künftig mit monatlichen Kosten von 387,70 Euro rechnen. Für die gleiche Wohnung mussten bislang 274,20 Euro monatlich aufgebracht werden. Es droht also ein Belastungsplus von 41,4 Prozent pro Monat (siehe Berechnung). Wohlgemerkt: Es handelt sich dabei um reale Kosten, denn die Wohnbeihilfe von 435 Euro wurde im alten und neuen Modell bereits von der monatlichen Gesamtbelastung abgezogen. Rintersbacher: "Damit würden bei zukünftigen Mietverhältnissen gerade die unteren Einkommensschichten erheblich belastet.“ Die neue Umsatzsteuerregelung erhöht auch die Betriebs- und Nebenkosten um bis zu acht Prozent. Dazu kommen steigende Finanzierungskosten für die Genossenschaften. Rintersbacher: "Der Entwurf würde bedeuten, dass im Mietbau 18 bis 20 Prozent höhere (meist Fremd-)Finanzierungsmittel für nicht mehr abziehbare Vorsteuern notwendig würden, was schon aus diesem Titel eine Verteuerung der Finanzierungskosten bedeutet.“ Und zwar Kosten, die Mieter oder Käufer einer Genossenschaftswohnung tragen müssen.

Auch Wohneigentum wird teurer

Die neue Regelung trifft ab 1. April 2012 nicht nur Mieter von neuen Genossenschaftswohnungen, sondern auch alle, die ihre Genossenschaftswohnung zur eigenen Absicherung in Form von Eigentum erwerben wollen. Rintersbacher: "Im Lichte der stagnierenden Pensionen stellt die Verteuerung durch Zurechnung von Vorsteuern für die Wohnungserwerber vor allem im Bereich der Option zum Wohnungseigentum eine erhebliche Erschwernis der Absicherung des Alters dar.“ Als Mindestmaßnahme zur Verhinderung der Teuerungswelle beim Wohnen schlägt der Experte die Aufrechterhaltung der begünstigten Besteuerung von Wohnungsmieten mit zehn Prozent Umsatzsteuer vor.

 
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