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02.10.201118:31 Uhr

Anlegerschützer Rasinger fordert Rücktritt von Kovats & Schmidt

  • Schaden: eine halbe Milliarde Euro
  • Penta und Wolong weiterhin interessiert

Im langen Niedergang der A-Tec ist am Samstag ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Der Gläubiger-Treuhänder kündigte an, den Verkauf nun selbst in Angriff zu nehmen und die Reste des einstigen Milliardenkonzerns einzeln loszuschlagen. Der von Mirko Kovats zusammengewürfelte Mischkonzern hatte zu seinen besten Zeiten mit mehr als 12.000 Arbeitnehmern mehr als drei Mrd. Euro Jahresumsatz gemacht.

Der Anfang vom Ende war bereits am 20. Oktober 2010 eingeläutet worden, als die A-Tec nach nach einem dreistelligen Millionenverlust in Australien eine Anleihe nicht zurückzahlen konnte und Insovenz anmelden musste. Mit dem Ende 2010 von den Gläubigern verabschiedeten "Sanierungsplan" blieb Firmengründer Mirko Kovats im Sattel und wurde mit dem gemeinsamen Verkauf der Aktiva (Montanwerke Brixlegg, ATB, Kraftwerk Voitsberg) beauftragt. Kovats hatte den Gläubigern Quote in Höhe von 47 Prozent versprochen.

Weiter interessiert: Penta und der Motorenhersteller Wolong

Diese 210 Mio. Euro hätten bis 30. September erlegt werden müssen - was aber nicht der Fall war, wie Treuhänder Matthias Schmidt am Samstag offiziell bekanntgab. Der Firmen-Abwickler will nun die verbliebenen A-Tec-Teile mitsamt dem Werkzeugmaschinenhersteller Emco neu ausschreiben und hofft auf eine möglichst rege Beteiligung. Er kann dabei auf das Interesse der tschechisch-slowakischen Penta Investments zählen, die am Freitag als erste die Verkaufsrunde für gescheitert erklärt hatte.

Wie Penta will auch der chinesische Motorenhersteller Wolong, der bereits eine "Due Diligence" gemacht hat, wieder mitbieten. "Wir streben jetzt den Abschluss über den Masseverwalter an", erklärte Wolong-Chef Jiangcheng Chen. Wolong wolle über ATB in den europäischen Markt eintreten. Beobachter sind sich ziemlich sicher, dass der getrennte Verkauf geringere Erlöse als die gescheiterte Paketlösung bringen wird.

Anlagevertreter Rasinger fordert Rücktritt von Kovats und Schmidt

Sehr verärgert hat sich Anlegervertreter Wilhelm Rasinger heute, Sonntag, nach dem Scheitern der A-Tec-Verkaufsverhandlungen über den "Pleitier" Mirko Kovats geäußert. Den Aufsichtsrat fordert er auf, Kovats aus dem Vorstand zu entfernen. Aber auch Treuhänder Matthias Schmidt sollte abgelöst werden. Die Aktionäre werden wahrscheinlich überhaupt nichts von ihrem Geld sehen, befürchtet Rasinger. Den Gesamtschaden für Gläubiger und Aktionäre schätzt der Kleinanlegervertreter auf eine halbe Milliarde Euro. Kovats spiele damit in einer Liga mit Meinl und Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics.

"Sehr ärgerlich ist, dass im Dezember sowohl Schmidt als auch der Aufsichtsrat, obwohl sie gewusst haben, welche Persönlichkeit Kovats ist - nämlich ein erfahrener Pleitier mit über 30 Insolvenzen -, ihn weiterwerkeln haben lassen", so der Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA) im Gespräch mit der APA.

Treuhändler Schmidt gehört vom Gericht abgelöst

A-Tec-Treuhänder Schmidt gehöre vom Gericht abgelöst, weil dieser viel zu stark auf Kovats gehört habe. Dies habe nur eine zeitliche Verzögerung und enorme zusätzliche Kosten verursacht. Auch die Kuratoren seien massiv zu verurteilten. Diese hätten hohe Honorare erhalten, den Bedenken gegen diese Vorgangsweise hätten sie aber nicht Rechnung getragen.

"Schmidt sollte zurücktreten und der eher von Kovats abhängige Aufsichtsrat sollte sich dazu durchringen, zumindest Kovats sofort von seiner Vorstandsfunktion zu entfernen", fordert Rasinger.

Dass eine Persönlichkeit wie Kovats in Österreich so groß werden und eine so "blutige Schleifspur" legen hätte können, obwohl es an Bedenken und Warnungen nicht gefehlt habe, sei mehr als ärgerlich. So habe Kovats etwa in einer kritischen Phase des Unternehmens noch einen Flieger gekauft, womit er dann drei gehabt habe. Zum Glück seien zum Schluss nicht mehr alle weiteren geplanten Zukäufe zustande gekommen.

Kovats' Verhalten war in den letzten Jahren eigenartig

"Zuviele Leute haben sich jahrelang von seinen starken Sprüchen beeinflussen lassen", so Rasinger. Er habe bereits im Dezember vor ihm gewarnt. "Man kann nicht jemanden, der eine Pleite verursacht hat, seinen Nachfolger suchen lassen", kritisiert Rasinger. Kovats sei getrieben von eigenen Interessen und im Umgang teilweise "menschenverachtend". Die Persönlichkeit von Kovats müsse man eher aus Sicht eines Psychologen beurteilen. "Ich bin keiner, aber sein Verhalten in den letzten Jahren war schon mehr als eigenartig und auffällig", so Rasinger.

"Mich stört, dass so ein Phänomen wie Kovats möglich war, der von den Medien und der Industriellenvereinigung als Sanierer gefeiert wurde, de facto bei allem letztendlich einen Schaden verursacht hat, und für sich hinter der Firewall einer Stiftung beträchtliche Beträge angesammelt hat", empört sich Rasinger.

Nicht einmal die Kosten für eigene Aktientransaktionen hätte Kovats selbst bezahlt. Kovats habe A-Tec nur als Vehikel benutzt, um Mittel hinter die Firewall seiner Stiftung zu bringen. "Zu viele haben ihn hofiert", kritisiert Rasinger. Hätten sie die Bilanzen gelesen, hätten sie ihm wesentlich kritischer und distanzierter gegenüber sein müssen. Kovats sei hochintelligent, ein Zahlenmensch, der verstehe, die Leute im Erstkontakt zu beeinflussen.

Alles sei auch nur möglich gewesen, weil es ihm immer wieder gelungen sei, "windige und honorarsüchtige" Rechts-, Wirtschafts- und PR-Berater zu finden, die ihn auf diesem Weg ohne Skrupel unterstützt hätten.

Schaden: eine halbe Milliarde Euro

An der Gesamtschadenssumme gemessen spielten die Lobbyisten Peter Hochegger und Alfons Mensdorff-Pouilly vergleichsweise in der Regionalliga Ost, Kovats sei mit einer Schadenshöhe von einer halben Milliarde dagegen "Champions League". Kovats hätte ein zig-faches an möglichen Schaden für Kapitalmarkt und Börse verursacht, und spiele in einer Liga mit Meinl und Petrikovics.

Für die Wandelschuldgläubiger sei mit dem Scheitern der Verkaufsverhandlungen ein wertvolles Jahr verloren gegangen, bis sie zu ihre Quote kommen. Bis ein neuer Verkaufsprozess aufgesetzt ist, könne man davon ausgehen, dass es ein bis zwei Jahre dauert.

Für die Aktionäre bedeute dies mit höchster Wahrscheinlichkeit, dass sie nur mit Null aussteigen werden, die Aktie wertlos wird, weil die Gläubiger zuerst befriedigt werden müssen. Die Käufersuche dürfte aufgrund der eingetrübten wirtschaftlichen Lage jetzt eher schwieriger werden als noch vor einem Jahr, was sich auch auf die Quote auswirken könnte.

- APA, Red

 
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