
·Buwog-AffäreDie Causa Grasser
rückt die Swarovskis
ins Visier der Justiz
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·Karl-Heinz Grasser steigt ausKHG tritt Anteil an Plechs GPS Immobilien ab
·Buwog: Der erste EndberichtDokument wirft schiefes Licht auf die Vergabe
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·Durchsuchungsbefehl aus Liechtenstein belastet Grasser schwer
·EXKLUSIV: Das Geheimkonto '15444'Neues Buwog-Provisions-Konto aufgetaucht
·Karl-Heinz Grasser: Eine halbe Million Euro im Koffer nach Österreich
·Karl-Heinz Grasser: Neue Family AffairsHausdurchsuchungen bei zwei KHG-Beratern
·Erste Razzia im Swarovski-ReichHausdurchsuchung bei KHGs Schwiegermutter
EXKLUSIV: Hausdurchsuchung bei Grassers Schwiegermutter Marina Giori-Lhota
- Grund: Hypo-Investments von 500.000 Euro
- Anwälte bekämpfen Auswertung der Unterlagen
Die Polizei durchsuchte die Tiroler Villa von Swarovski-Eigentümerin Marina Giori-Lhota. Die Ermittlungen gegen ihren Schwiegersohn Karl-Heinz Grasser haben nun endgültig den scheuen Milliardärsclan erfasst.
Im Swarovski-Clan hängt der Haussegen schief. Üblicherweise leben die Mitglieder des Tiroler Kristallkonzerns äußerst zurückgezogen und in Einklang mit allen Behörden. Damit dürfte es nun endgültig vorbei sein. Denn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien in den clamorosen Affären Buwog, Hypo Group und Meinl haben nun auch die Swarovskis erfasst. Wie das?
Konkret betroffen ist Marina Giori- Lhota. Sie ist nicht nur die Schwester von Clanchef Gernot Langes-Swarovski, sondern auch die zweitgrößte Anteilseignerin der Swarovski-Gruppe mit Sitz in Wattens. Als reiche Schwiegermutter von Karl-Heinz Grasser ist sie der breiten Öffentlichkeit bekannt.
Der schillernde Schwiegersohn ist auch der Grund für Giori-Lhotas verzwickte Lage. In FORMAT exklusiv vorliegenden Berichten von Nationalbank, Polizei und Staatsanwaltschaft taucht ihr Name immer häufiger im Zusammenhang mit Karl-Heinz Grasser auf.
Von dubiosen Bargeld-Transporten bis zum skandalumwitterten Hypo-Investment: Zwar war KHG immer involviert, doch nur für die Schwiemu. Marina Giori-Lhota hat das gegenüber der Justiz nie bestätigt. Sie zieht es vor zu schweigen.
Doch die Vogel-Strauß-Taktik ging nicht wirklich auf. Laut FORMAT-Recherchen erhielt die 68-jährige Milliardärin Ende Mai Besuch von der Kriminalpolizei. Giori-Lhotas Moserhof in der Reichenenklave Aurach bei Kitzbühel wurde von Ermittlern der Soko Constantia und Beamten des Landeskriminalamts Tirol auf den Kopf gestellt. Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, bestätigt gegenüber FORMAT: Es stimmt, dass eine Hausdurchsuchung bei Marina Giori-Lhota stattfand. Nachsatz: Derzeit wird Frau Giori-Lhota nicht als Beschuldigte geführt. Derzeit? Dass die gerichtlichen Erhebungen jederzeit ausgeweitet werden können, ist nicht ausgeschlossen.
KHG als Testanleger
Ins Visier der Behörden gelangte Giori-Lhota erst durch Grassers Aussagen vor Staatsanwalt Gerald Denk. Angesprochen auf 500.000 Euro, die er als Finanzminister Ende 2006 über eine Briefkastenfirma in den umstrittenen Hypo-Group-Deal von Tilo Berlin steckte, gab Grasser an, dass er das Investment für seine Schwiegermutter erledigt hatte. Dass die steinreiche Giori-Lhota ihren Schwiegersohn als Strohmann für den Hypo-Einstieg gebraucht hat, bezweifeln die Ermittler.
Besonders skurril ist auch Grassers Geschichte, wie ihm die Schwiemu die halbe Mille zukommen ließ. Die Story steht im Gerichtsakt: In mehreren Etappen, wie etwa anlässlich eines Besuches in deren Wohnung, habe Grasser das Geld im Ausland von Giori in Empfang genommen. Die Kohle habe er dann nach Österreich eingeführt, zunächst im Safe verwahrt und später außerhalb der Banköffnungszeiten auf ein Konto der Treuhandfirma Ferint AG bei der Meinl Bank eingezahlt. Eine Übernahmebestätigung sei nicht angefertigt worden, stellt der Staatsanwalt laut Akt nüchtern fest und notiert KHGs Erklärung: Giori-Lhota habe hiedurch die Geldveranlagungsfähigkeit von Grasser als damaligen Bundesminister für Finanzen testen wollen.
Öffentlich hat Marina Giori-Lhota diese abenteuerliche Geschichte niemals bestätigt. Auch gegenüber dem Staatsanwalt wollte sie die Aussagen ihres Schwiegersohns nicht kommentieren. Die zeugenschaftliche Einvernahme verweigerte sie mit Verweis auf ihr Entschlagungsrecht als Familienangehörige.
Darum musste die Justiz zu härteren Mitteln greifen: Die Razzia sollte Antworten liefern. Bis die Ergebnisse aber bei Staatsanwalt Denk am Tisch liegen, wird es noch eine Weile dauern. Denn die Auswertung der sichergestellten Unterlagen soll von Swarovski-Anwälten mit allen Rechtsmitteln blockiert werden. Staatsanwalt Vecsey hüllt sich dazu in Schweigen: Einzelne Verfahrenschritte kommentieren wir nicht.
Die Hartnäckigkeit, mit der Grasser und sein Anwalt Manfred Ainedter die reiche Schwiegermutter ins Buwog-Strafverfahren hineingezogen haben, ist aber nicht nur auffällig, sondern mit Widersprüchen gespickt. Zur Erinnerung: Anfang 2010, als FORMAT Grassers Hypo-Ferint-Connection enthüllte, sagte Ainedter: Mein Mandant hat weder direkt noch indirekt vom Hypo-Deal profitiert. Das gilt nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für Verwandte und Familienmitglieder. Diese klare Aussage gilt heute laut dem Gerichtsakt nicht mehr: Es besteht der Verdacht, dass der Hypo-Genussschein über 500.000 Euro trotz des angeführten Treuhandverhältnisses zu Giori-Lhota tatsächlich für Grasser gezeichnet und auch der Gewinn von diesem lukriert wurde.
Grassers Jolly Joker
Aus Sicht der Justiz entsteht der Eindruck, dass die vermögende Schwiegermutter für Grasser eine Art juristischer Jolly Joker ist, der immer in brenzligen Situation zum Einsatz kommt. So stellte die Justiz etwa fest, dass Grassers Trauzeuge Walter Meischberger einen großen Teil der Buwog-Provisionen an die Briefkastenfirma Mandarin Group weiterleitete. Zur selben Zeit schloss Grasser Treuhandverträge mit Mandarin. Als die Justiz KHG darauf ansprach, konterte der, dass er die Mandarin für die Schwiegermutter nutzte.
Auch als die Polizei herausfand, dass es im Oktober 2009, also kurz nach Auffliegen der Buwog-Affäre, Geheimtreffen zwischen Meischberger und Grasser gab, die in der Folge dazu führten, dass Grasser zusammen mit Meischbergers Anwalt Gerald Toifl nach Zürich flog, um den Vermögensverwalter Norbert Wicki zu treffen, war KHGs Erklärung abermals dieselbe: ein Dienst für die Schwiemu.
Ebenfalls merkwürdig ist die Rolle von Berater Wicki. Meischberger nahm dessen Dienste in Anspruch, um eine anonyme Ausübung seiner Stimmrechte bei Hauptversammlungen der börsennotierten Meinl International Power (MIP) im Jahr 2008 zu erreichen. Wieso die Wahl auf Wicki fiel, konnte Meischi nicht plausibel erklären. Pikant: MIP wurde damals von KHG gemanagt. Als die Justiz aufdeckte, dass Grasser Wicki gut kannte, war abermals die Schwiegermutter der Grund. Wicki sei doch ihr Berater.
Hypo-Investment, Bargeld-Transfers, Mandarin-Briefkasten oder Wicki: Grasser war immer dabei, doch nur für die Schwiegermutter. Auf FORMAT-Anfrage wollen weder KHG noch Giori-Lhota ihre Geschäftsbeziehung kommentieren.
Tatsächlich dürfte in den nächsten Monaten noch einiges auf die Schwiegermama zukommen. Zeugenladungen aus den Verfahren Hypo und Meinl sind nicht auszuschließen, weil ihr Name immer wieder von KHG und seinen ehemaligen Geschäftspartnern ins Spiel gebracht wird. In einem Nationalbank-Prüfbericht über die Meinl Bank kommt Giori-Lhota vor. Die OeNB-Prüfer brachten sie mit Treuhandfirmen in Verbindung, die mit MIP-Optionen viele Millionen verdienten haben sollen.
Hierbei handelt es sich um drei Vertragspartner (Ferint AG, CH; B.V. voorheen Fa. W. De Liefde, NL; IR Management und Finanz AG, FL), wobei angabegemäß Ferint AG die beiden anderen Gesellschaften der Meinl Bank vermittelt hat, heißt es im OeNB-Bericht aus 2010: Erst nach mehrmaliger Aufforderung zur Offenlegung der wirtschaftlich Begünstigten und widersprüchlichen Angaben, wurden (
) seitens der Meinl Bank Dokumente bezüglich der Ferint AG vorgelegt.
Brisanter Nachsatz der Bankprüfer: Als wirtschaftlich Begünstigte im Falle des Optionsgeschäfts wird die Schwiegermutter des Chairman der Meinl Power Management Ltd, an der er auch beteiligt ist, genannt. Da die MPM das operative Management der PI ausübt und die Optionsvereinbarung PI-Zertifikate betrifft, wird auf allfällige Interessenkonflikte hingewiesen. Der erwähnte Chairman ist KHG. Hat Giori-Lhota wirklich Millionen mit MIP-Optionen verdient, während Kleinanleger Millionen verloren haben?
Die Polizei wird den neuen Sachverhalt wohl im Rahmen des Meinl-Verfahrens prüfen und gegebenenfalls wieder im Swarovski-Reich vorstellig werden.
Ashwien Sankholkar


