Politik

13.07.201110:18 Uhr

Kammer vs. Scheich: Jank klagt Al Jaber

  • Die Wiener Kammerchefin klagt jetzt den Scheich

Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien klagt ihren einstigen Geschäftsfreund Al Jaber und schmeißt ihn aus der Privatuniversität Modul. Auch andere Causen wie die Pleite von R-Quadrat trüben das Verhältnis der beiden.

Es waren zwei, die sich gesucht und gefunden hatten. Die Beziehung zwischen Wiens Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank und „Scheich“ Mohamed Bin Issa Al Jaber war über Jahre hindurch sehr eng. Ob bei der Grundsteinlegung für das Hotel „The Ring“ oder gemeinsam als Tanzpaar auf dem Opernball – Al Jaber und Jank konnten immer gut mitsammen. Neben den Auftritten auf dem Societyparkett teilte man zum Beispiel auch das Interesse für Fußball: Während Jank als Vizepräsidentin des Fußballklubs Austria Wien fungierte, stieg Al Jaber als Klubsponsor ein. Sogar gemeinsame Bildungsprojekte wurden realisiert: 2007 eröffneten die beiden die neue Tourismusschule Modul am Wiener Kahlenberg. Auch hier wieder mit der Zusage einer Geldspritze seitens des Scheichs.

Kammer klagt Scheich

Seit einiger Zeit hat das Verhältnis jedoch tiefe Risse bekommen. Denn der einst als reicher Mann aus dem Morgenland gepriesene Scheich hat sich hierzulande als äußerst unzuverlässiger Geschäftspartner erwiesen. Das bekam auch Jank bei dem gemeinsamen Projekt Modul zu spüren. Seit Monaten ist der Mitgesellschafter – Al Jaber besitzt 10,2 Prozent an der Universität – die versprochene Zahlung von 340.000 Euro für 15 Stipendien schuldig. Er versuchte es zwar mit der Hinhaltetaktik und versprach Jank persönlich, zu zahlen. Letzte Woche platzte der Kammerpräsidentin aber der Kragen. „Wir haben Klage auf Zahlung der Stipendien eingebracht“, bestätigt ein Sprecher der Wirtschaftskammer Wien.

Doch damit nicht genug: In Kürze soll Al Jaber auch als Gesellschafter beim Modul aussteigen, seinen Sitz im Uni-Rat muss er aufgeben. Die Anteile werden von der Wirtschaftskammer Wien selbst übernommen. Auch das Geld für die Stipendien wird vorerst von der Kammer ausgelegt. Kammerinsider sprechen davon, dass Jank diesen Vertragsbruch ihres einstigen Freundes nicht sehr sportlich nehmen soll und sich auch persönlich sehr betroffen zeigt.

Doch für allzu viel Betroffenheit bleibt ihr momentan kaum Zeit, denn ein anderes Problem nimmt all ihre Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Wiener Wirtschaftskammer hat nämlich in Papiere der pleitegegangenen Immobiliengruppe R-Quadrat investiert und Millionen verloren. Waren es noch sieben Millionen Euro, als FORMAT vor wenigen Wochen die Affäre aufdeckte, so mussten die Wiener mittlerweile eingestehen, dass das Investment sogar bei zehn Millionen Euro liegt. Zusätzlich veranlagte die Pensionskasse der Wirtschaftskammer noch mehr als sechs Millionen Euro. Und auch bei R-Quadrat mischte Al Jaber im Hintergrund mit. Einige Kammermitglieder toben seither und sprechen den Funktionären ihre wirtschaftliche Kompetenz ab.

Schwierige Aufräumarbeiten

Sehr geschickt agiert hat die Kammer nach Bekanntwerden der Verluste wahrlich nicht. Zunächst hieß es nämlich, man hätte nichts von einer Verbindung zwischen R-Quadrat und dem Vermögensberater IMB gewusst, der die Kammer über Jahre hindurch beriet. Als diese Verteidigungsstrategie sich als wenig plausibel herausstellte, weil nachgewiesen wurde, dass die Verbindung zu IMB in jedem Prospekt offengelegt wurde, gestand die Kammer ein, einen Prospekt nicht gelesen zu haben. Das Vertrauen in den langjährigen Vermögensberater sei so groß gewesen, dass man sich die Lektüre gespart habe, hieß es dann.

Ein wenig später meinte Jank in einem Interview, die Kammer sei nie auf die Risiken hingewiesen worden, sie stünden auch nicht in den Prospekten. Diese Argumentation wurde diese Woche von der Finanzmarktaufsicht (FMA) entkräftet, die erklärte, die Risiken seien sehr wohl in den Prospekten enthalten gewesen. Neueste Verteidigungslinie der Wiener Kammer: Man sei bei der Investition als „Privatanleger“ eingestuft worden und deshalb schützenswerter als professionelle Anleger. Ein ehemaliger Mitarbeiter von IMB hält das für ausgeschlossen: „Institutionelle Anleger wie die Kammer wurden von uns immer als professionelle Anleger eingestuft.“

Viele offene Fragen. Zu Details des Falls möchte sich die Kammerpräsidentin mittlerweile gar nicht mehr äußern. Anstelle eines von FORMAT erbetenen Interviews gab es lediglich ein dünnes schriftliches Statement. Es sei alles gesagt, nun liege der Ball bei den Rechtsanwälten, kommentiert ein Sprecher der WK Wien. Eine Sachverhaltsdarstellung soll etwaige Schadenersatzansprüche klären.

Für Volker Plass, den Chef der Grünen Wirtschaft, sind indes noch viele Fragen offen: Er hat deshalb an Brigitte Jank und WKO-Präsident Christoph Leitl einen Katalog mit 47 Fragen übermittelt, deren Beantwortung er in den nächsten drei bis vier Wochen erwartet. Zentraler Punkt für Plass: „Wie konnte eine dermaßen windige Firma wie IMB in der Kammer so Fuß fassen?“ Er vermutet persönliche Beziehungen hinter dem Naheverhältnis. Jank bestreitet das vehement. Einzig bekannter Konnex: Stefan Petrowsky, Kammerfunktionär und Mitglied des für Investments zuständigen Finanzausschusses, saß früher im Aufsichtsrat von IMB. Was Plass auch nicht nachvollziehen kann, ist, warum die Kammer noch im Jahr 2008, als die Immobilienkrise schon in vollem Gang war, noch einmal R-Quadrat-Anleihen nachkaufte. Auch dazu schweigt die Wirtschaftskammer Wien eisern und vertraut auf ihre Anwälte.

Tatsache ist, dass der lange hofierte „Scheich“ Al Jaber auch an der Pleite von R-Quadrat nicht ganz unbeteiligt ist. Der Mann aus Saudi-Arabien hatte sich nämlich vertraglich verpflichtet, R-Quadrat ein 25-Prozent-Aktienpaket am Hotel „The Ring“ um 5,6 Millionen Euro abzukaufen. Bezahlt hat er jedoch nicht. Das brachte die ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogene Immobiliengesellschaft endgültig in Existenzschwierigkeiten. Die unausweichliche Folge: eine Insolvenz. Ein ähnlicher Vorgang spielt sich zurzeit auch beim Hotel Schwarzenberg ab. Auch hier müsste Al Jaber der R-Quadrat bzw. einer verbundenen Gesellschaft ihr 25-Prozent-Paket bis Ende Juli um 6,5 Millionen Euro abnehmen. Ob das jemals passiert, steht in den Sternen.

Wie der Kontakt zwischen Al Jaber und R-Quadrat im Jahr 2007 zustande kam, darüber wird nun heftig spekuliert. Auch hier fällt öfters der Name der damaligen Vertrauten Jank. In der Kammer wird jedoch entschieden dementiert, dass die Präsidentin sich als „Door Opener“ für den Scheich betätigt hat.

Konkursanträge zurückgewiesen

Trotz seiner prekären Lage und dem Krach mit der ehemaligen Verbündeten in Wien denkt Al Jaber nicht ans Aufgeben. Er will seine Hotels in der Bundeshauptstadt behalten, Kaufinteressenten lässt er reihenweise abblitzen. Immerhin konnte er diese Woche einen überraschenden Teilerfolg verbuchen: Wie FORMAT aus dem Handelsgericht Wien erfahren hat, wurden die von der UniCredit Bank Austria gegen das „Grand Hotel“ und „The Ring“ eingebrachten Konkursanträge vom Gericht wieder abgeschmettert. Aus formalen Gründen, wie es heißt.

– Angelika Kramer

 
ulysses007, 13. 07. '11 11:49
Werte Frau Jank...
...eingfädelt und aus dem Bewerb würd ich sagen...kein 2ter Durchgang...sondern rascher Abgang...man stelle sich vor...Sie stehen der Wirtschaftskammer vor...diese Republik samt Ihren Institutionen ist schon eine spitzen Lachnummer...total out of order...we need und bezahlen professionals und nicht beamtete Flachdachler, bestens Ihr Ulysses
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