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23.06.201111:36 Uhr
Finale im Poker um A-Tec

Finale im Poker um A-Tec

  • Bis Donnerstag muss Kovats einen Käufer auftreiben
  • Angeblich noch 5 Interessenten im Rennen

Spannung vor dem Lostag für Mirko Kovats: Wie bei einer eBay-Versteigerung bleiben Interessenten für den A-Tec-Konzern bis zur letzten Minute in Deckung.

Ist es nur der übliche Zweckoptimismus? Freimut Dobretsberger, Aufsichtsratschef der A-Tec, erneuert seine FORMAT vor zwei Wochen angebotene Wette: Er ist ganz sicher, dass sich in den nächsten Tagen ein Käufer für den insolventen Konzern findet. „Da wette ich gerne, worauf Sie möchten“, sagt der frühere Banker.

Doch auch neutralere Beteiligte klingen zuversichtlich. „Ich bin davon überzeugt, dass es ein ernsthaftes Angebot geben wird“, sagt Hans-Georg Kantner, Leiter der Insolvenzabteilung des Kreditschutzverbandes und wichtiger Gläubigervertreter.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr: Bis kommenden Donnerstag, 30. Juni, 23.59 Uhr, muss A-Tec-Boss Mirko Kovats einen Käufer für seinen insolventen Mischkonzern auftreiben. Das sieht der Ende 2010 beschlossene Sanierungsplan vor. Ein weiteres Spiel auf Zeit ist ausgeschlossen. Insolvenz-Experte Kantner: „Eine Fristverlängerung ist definitiv nicht möglich.“

Fünf Interessenten

Wie FORMAT in Erfahrung brachte, führen von den ursprünglich zehn Interessenten noch fünf konkrete Kaufgespräche mit Kovats und A-Tec-Finanzvorstand Franz Fehringer. Die übrigen sind abgesprungen, weil sie nur an Einzelteilen des Konzerns interessiert sind, darunter der Wiener Sanierer Erhard Grossnigg.

Konkret verhandelt wird noch mit drei Finanz- und zwei Industrieinvestoren, darunter der britisch-französische Private-Equity-Fonds Astorg und die Essar-Gruppe mit Sitz in Mumbai. Vor allem den Indern wird reges Interesse nachgesagt. Essar ist im Stahl-, Energie-, Telekommunikations- und Baugeschäft breit aufgestellt, beschäftigt weltweit mehr als 70.000 Mitarbeiter und brachte es zuletzt auf 10,5 Milliarden Euro Jahresumsatz. Auch die tschechisch-slowakische Investmentgruppe Penta ist noch im Rennen.

Was für einen Verkauf spricht: Eine Reihe bedingter Forderungen aus Haftungen und Garantien konnte wegverhandelt werden. Von den ursprünglich 700 Millionen Euro Schulden sind somit „nur“ 480 Millionen Euro anerkannte Verbindlichkeiten übrig geblieben. Um die festgelegte Quote von 47 Prozent für die Gläubiger zu erfüllen, muss der Käufer mindestens 225 Millionen Euro hinlegen.

Und: Für einzelne Konzernteile, vor allem die lukrativen Montanwerke Brixlegg und den Werkzeugmaschinenbauer Emco, gibt es mehrere ernsthafte Interessenten. Wer also den Konzern nicht als Ganzes nimmt, muss mit harter Konkurrenz beim Feilschen um die Perlen rechnen – was teuer werden kann.

Freimut Dobretsberger will von diesen Zerschlagungsszenarien nichts hören. „Ich werde die Wette gewinnen.“

– Silivia Jelincic, Arne Johannsen

 
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