Weinzierl: Anleger wären besser gefahren, wenn sie bei uns geblieben wären.
- Elliott spekulierte also auf sinkende Kurse
- Schaden für AI beträgt 80 Millionen Euro

Erfolglose Rebellen: Im Jahr 2008 trat das neue Management an, um die Meinl-Spesenschinderei zu beenden. Nun stehen sie selbst am Pranger.
Im Hilton am Stadtpark ist ein Aktionärsaufstand nächsten Dienstag vorprogrammiert. Auf den Hauptversammlungen der Ex-Meinl-Firmen Airports International (AI) und Power International (PI) werden die Monstergagen der Manager sowie eine bei Finanzmarktaufsicht und Staatsanwaltschaft eingebrachte Sachverhaltsdarstellung großes Thema sein. Diesmal trifft es aber nicht Julius Meinl, sondern dessen deklarierte Gegner: die Meinl-Rebellen.
In den FORMAT vorliegenden Anzeigen werden schwere Vorwürfe gegen die Kernaktionäre von AI und PI erhoben: Die Vorstände haben Anweisungen und Wünsche von Elliott Associates in die Tat umgesetzt, ohne darauf zu achten, dass diese oft nicht im Sinne der übrigen Anlegerschaft waren. Bei Elliott handelt es sich um einen aggressiven Hedgefonds. Zudem wird den Managern unterstellt, vertrauliche Unternehmensinformationen an einen ausgewählten Personenkreis weitergegeben zu haben. E-Mails, etwa von Cube-Invest-Chef Alexander Proschofsky, nähren diesen Verdacht.
Das TAV-Mysterium
Von den Ermittlern untersucht werden soll etwa der Verkauf der AI-Beteiligung am börsennotierten türkischen Flughafen TAV im April 2009. Der erfolgte laut Anzeige nahezu am Tiefststand des TAV-Aktienkurses. Nur wenige Monate später hätte ein viel höherer Verkaufserlös erzielt werden können. Tatsache ist, dass Elliott im Herbst 2008 bei fallenden Kursen in großem Umfang Short-Verkäufe in TAV-Aktien getätigt hatte (Anzeige). Elliott spekulierte also auf sinkende Kurse. Nachdem die TAV-Kurse aber stiegen, sei Elliott plötzlich mit drohenden Millionenverlusten konfrontiert gewesen. Darum sollen Elliott-Vertreter das AI-Board angewiesen haben, TAV-Aktien billig abzustoßen. Das Board folgte dem Wunsch und verkaufte. Käufer war zufälligerweise Elliott. Der AI soll so ein Schaden von rund 80 Millionen Euro entstanden sein. AI-Boss James Shinehouse habe das zu verantworten.
Pikant: Der frühere AI-Chef Wolfgang Vilsmeier weigerte sich, den TAV-Deal so zu exekutieren. Die Konsequenz: Vilsmeier wurde von Elliott im März 2009 hinausgeworfen und durch den willfährigen Herrn Shinehouse ersetzt.
Fürstliche Gehälter und Honorare
Auch die Vergütung der sogenannten Rebellen wird auf den Hauptversammlungen eine wichtige Rolle spielen, denn die AI- und PI-Direktoren wollen sich ihr bisher geltendes Erfolgsprämiensystem von den Aktionären prolongieren lassen. Ein Blick in die Jahresabschlüsse zeigt, warum. Obwohl de facto kaum operatives Geschäft in beiden Gesellschaften stattfindet, kassierten die Manager 2010 erneut ordentlich ab. Bei AI bekamen die vier Direktoren 1,2 Millionen Euro für 2010, bei PI eine runde Million. Noch nicht mitgerechnet die lukrativen Beratungsaufträge: James Shinehouse verrechnete der AI mit seiner Firma Atlantic Financial Advisory zusätzliche 699.000 Euro, der PI weitere 634.000 Euro. Auch andere Direktoren boten mit ihren Firmen gut bezahlte Beratungsdienste an, etwa Murdoch McKillop. Er bekam insgesamt 407.000 Euro nebst seinem Gehalt ausgezahlt. Richard Boleat begnügte sich mit vergleichsweise bescheidenen 230.000 Euro Nebenverdienst.
All das wirft ein schiefes Licht auf die Meinl-Rebellen, die 2008 angetreten waren, der Spesenschinderei der Meinl Bank ein Ende zu setzen. Trotz eines Generalvergleichs ist diesbezüglich noch immer ein Schiedsverfahren mit der Meinl Bank anhängig. Verständlich, dass Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl die Performance der Rebellen jetzt mit einer gewissen Häme betrachtet: Die Anleger wären besser gefahren, wenn sie bei uns geblieben wären. Ich habe das von Anfang an gesagt.
Angelika Kramer, Ashwien Sankholkar











