Das Anwalts-Ranking 2011
- Die 200 besten Rechtsanwälte des Landes
- Die 20 größten Kanzleien
FORMAT präsentiert das Ranking von Österreichs 200 besten Rechtsanwälten. Außerdem: die Top-Ten-Kanzleien in den Bundesländern, die größten 20 Sozietäten und die neuesten Branchentrends.
Gemeinsam hat es nicht funktioniert. Das war schon nach wenigen Monaten klar. Im Jahr 1999 schlossen sich Ernst Brandl und Markus Fellner zu einer Anwaltskanzlei zusammen, Ende 1999 gingen sie wieder auseinander. Auffassungsunterschiede über den Managementstil waren der Grund für das Scheitern, sagen beide Bankenrechtsexperten. Ist Fellner eher für sein strengeres Regiment bekannt, geht es bei Brandl integrativer, aber auch weniger profitabel vonstatten. Heute, zwölf Jahre später, zeigt sich: Wahrscheinlich haben die beiden Anwälte, die sich schon seit der Schulzeit kennen, gut daran getan, ihrer eigenen Wege zu gehen. Denn beide sind in ihrem Job äußerst erfolgreich, heuer haben sie es sogar mit je 16 Nennungen ex aequo auf Platz eins in der heiß umkämpften Kategorie Bankenrecht des FORMAT- Rankings geschafft.
Genug Arbeit für alle
In die Quere kommen sich Fellner und Brandl heute so gut wie nie. Beide arbeiten zwar für nahezu alle Großbanken des Landes, aber in unterschiedlichen Bereichen. Ich gehe unter in Arbeit, konstatiert der 43-jährige Fellner, der sehr stark im Corporate-Bereich für Banken tätig ist. So hat er etwa im Auftrag der Gläubigerbanken Bank Austria, Hypo Kärnten und der Raiffeisen Bank International die Umstrukturierung des IT-Dienstleisters S&T betrieben. Auch die Vergangenheitsaufarbeitung einiger Banken oder Unternehmen nimmt den Partner der Kanzlei Fellner Wratzfeld immer stärker in Anspruch. Bei der CSI Hypo ist er als rechtlicher Berater ebenso dabei wie bei der Task Force zur Aufarbeitung der Akte Hochegger in der Telekom Austria. Das Problem bei derart heiklen Causen: Der Mandant legt immer häufiger Wert darauf, dass man persönlich kommt und keine Vertretung schickt, konstatiert Fellner, der nicht selten auch die Wochenenden durcharbeitet.
Der um ein Jahr ältere Brandl, der im Jahr 2001 gemeinsam mit Partner Thomas Talos neuerlich eine Kanzlei gegründet hat, hat sich eher dem Anlegeraspekt verschrieben. Und auch in diesem Bereich gibt es genug zu tun: Die Bank Austria vertritt er gegen Begehrlichkeiten geschädigter Gemeinden und die RBB Klagenfurt gegen AvW-Anleger. Mehr als 500 derartiger Verfahren hat der Anwalt in diesem Bereich am Laufen. Zu seinen prominentesten Mandanten zählt aber zweifellos der frühere Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, der bislang weitgehend ungeschoren davongekommen ist. Immer öfter müssen wir Banken und Finanzdienstleister bei Strafverfahren vor der FMA vertreten. Auch Prävention und Compliance werden immer wichtiger, berichtet Brandl, der mittlerweile schon 15 Juristen in seinem Bankenteam beschäftigt.
Neue Kategorie junger Sieger
Bei Gericht bekommt es der Bankenrechtsexperte immer häufiger mit sogenannten Anlegeranwälten, also Kollegen, die ausschließlich Interessen geschädigter Anleger vertreten, zu tun. Meinl, AWD/Immofinanz, Madoff, AvW all diese Fälle haben eine neue Spezialisierung in der Zunft entstehen lassen. Für FORMAT Grund genug, heuer die Kategorie Anlegeranwälte einzuführen. Diese ganz junge Kategorie hat auch den jüngsten Sieger hervorgebracht: den 34-jährigen Ingo Kapsch von der Kanzlei HLMK.
Er und seine Kollegen haben sich speziell bei Meinl und Madoff einen Namen gemacht. Bei Meinl habe ich eine blütenweiße Weste, ist Kapsch stolz und meint damit seine Bilanz bei Gericht. Und hartnäckig ist er auch: So hat er kürzlich einmal mit Erfolg darauf bestanden, dass Julius Meinl V. persönlich bei Gericht als Zeuge erscheint. Warum aber, glaubt er, haben ihn seine Kollegen zum besten Anlegeranwalt Österreichs gekürt? Ich versuche, bei Gericht immer besser vorbereitet zu sein als meine Gegner, lautet das scheinbar einfache Erfolgrezept von Kapsch, der durchschnittlich zwei Tage in der Woche bei Gericht anzutreffen ist.
Das wirklich große Geld kann man als Anwalt mit derartigen Fällen aber nicht machen. Während seine Kollegen Fellner und Brandl bei den Banken durchaus Stundensätze von bis zu 500 Euro verrechnen, schafft es Kapsch gerade einmal auf mehr als die Hälfte. Aber die Masse machts aus, weiß man auch in der Kanzlei Kraft & Winternitz, deren umtriebigster Anlegervertreter Lukas Aigner es auf Platz zwei der Kategorie geschafft hat. 900 Verfahren vor Gerichtshöfen in ganz Österreich führt die Kanzlei aktuell, darunter zahlreiche für den AWD und einige gegen die Bank Austria.
Compliance boomt
Neben den Anlegercausen hat die Krise noch ein weiteres neues Betätigungsfeld für Anwälte hervorgebracht: Um Gerichtsverfahren und gröberen Imageproblemen zu entgehen, achten immer mehr Unternehmen auf ihre Compliance und lassen von Kanzleien Audits durchführen. Besonders stark engagieren sich in diesem Bereich Dorda Brugger Jordis, CMS und Baker McKenzie.
Auch die Spezialisten für Sanierungen und Insolvenzrechtsanwälte erlebten krisenbedingt einen wahren Boom. Obwohl die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2010 weniger schlimm als befürchtet ausfiel, so war sie doch dramatisch: Mit 163 Pleiten darunter einigen Großinsolvenzen wie jene von Mirko Kovats A-Tec wies Österreich die dritthöchste Insolvenzquote Westeuropas auf. Alexander Isola von der Kanzlei Graf & Pitkowitz blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Zweimal war der Top-Insolvenzrechtsexperte für den Anlagenbauer Andritz im Einsatz: als sich das Unternehmen die A-Tec-Tochter AE&E aus der Masse sicherte und als die Steirer die insolvente Salzburger Firma DMT Technology aufkauften. Das Schöne an dem Job ist, dass man dazu beitragen kann, Arbeitsplätze zu retten und Unternehmen positiv mitzugestalten, berichtet der 53-Jährige, der seinen Erfolg auf seine Kommunikationsfähigkeit in alle Richtungen zurückführt.
Reges Lobbying
Ihre Kommunikationsfähigkeit stellten einige Anwälte auch im Vorfeld dieses Rankings eindrucksvoll unter Beweis. Von regen Briefwechseln und Telefonaten unter den Kanzleien gemäß dem Motto Ich nenne dich, dafür nennst du mich wurde FORMAT unter dem Siegel der Verschwiegenheit berichtet. Manche Anwälte wappneten sich gegen die stündlich eintrudelnden Ranking-Absprachen mit eigens konzipierten Antwortschreiben, in denen sie ihre Unbeeinflussbarkeit betonten.
Vor allem kleinere Kanzleien sollen beim Lobbying in eigenem Interesse höchst aktiv gewesen sein. Dennoch heimsten die Großkanzleien heuer erneut die meisten Nennungen ein: Freshfields übertrumpfte mit insgesamt 16 Nennungen, darunter sieben unter den Top drei, alles. Binder Grösswang folgt mit elf vor Schönherr mit zehn. Auch Willibald Plesser, der Anwalt, der im heurigen Anwaltsranking insgesamt am meisten Punkte erreichte, arbeitet bei Freshfields in Wien. Überhaupt lief das letzte Jahr für das Wien-Büro der britischen Law-Firm nach der Krise wieder etwas runder: Die Zahl der Juristen wurde von 71 auf 80, also um mehr als zehn Prozent aufgestockt. Beim Umsatz gelang zuletzt ein Plus um vier Prozent auf 38 Millionen Euro.
Einen ähnlich starken Wachstumsschub kann lediglich noch Binder Grösswang vermelden. Die Kanzlei beschäftigt um 13 Juristen mehr als im Jahr zuvor, wo man auch schon ein zweistelliges Wachstum verzeichnete. Rekordjahre vermelden auch die Kanzleien Graf & Pitkowitz und Lansky Ganzger, die sich über ein 20-prozentiges Umsatzplus freuen. Auch bei Österreichs größten Anwaltskanzleien Wolf Theiss und Schönherr war letztes Jahr eine Entspannung nach der Krise zu verspüren. Wolf Theiss, mit nunmehr 159 Juristen und einem geschätzten Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro, konnte vor allem im Bereich Dispute Resolution etwa als Vertreter von Atrium gegen die Meinl Bank punkten. In den traditionell starken Bereichen M&A und Kapitalmarktrecht schwächelt der Branchenprimus aber noch immer. Die Situation bleibt weiterhin schwierig, bekennt auch Erik Steger, Sprecher des Wolf-Theiss-Managements.
Schönherr konnte im letzten Jahr den Umsatz wieder leicht steigern, die Zahl der Juristen ging aber von 123 auf 110 stark zurück. Nach dem spektakulären Rauswurf von Immobilien-Partner Alfred Nemetschke vor zwei Jahren ging es letztes Jahr in dieser Tonart weiter. Probleme gab es mit Partnern in Ungarn, Bratislava und Kiew. Zuletzt verabschiedeten sich drei Partner aus dem Wien-Büro. Die atmosphärischen Probleme seien damit aber endgültig überstanden, versichert Schönherr-Manager Christoph Lindinger. Vor allem ein Mega-Deal hielt die Schönherren zuletzt auf Trab: Sie berieten Volkswagen bei der Übernahme von Porsche. Laut Merger Market hat Schönherr mit 14 Deals mit einem Gesamtvolumen von 5,2 Milliarden Euro bei M&A am heimischen Markt klar die Nase vorn. Auf Platz zwei, gemessen an der Zahl der Deals, folgt mit sechs Binder Grösswang, gemessen am Volumen Freshfields mit 4,6 Milliarden Euro.
Auch wenn die Ost-Expansion einiger österreichischer Großkanzleien nicht ganz krisenfrei vonstatten ging, setzte Schönherr Ende letzten Jahres noch eins drauf und landete als erste österreichische Kanzlei in der Türkei. Durch die wachsende Präsenz heimischer Unternehmen am Bosporus ist damit zu rechnen, dass andere Sozietäten folgen werden.
Das Bundesländer-Ranking, seit zwei Jahren fixer Bestandteil des Anwaltsrankings, präsentiert sich heuer stark verändert: Linz und Graz haben die Macht übernommen und Kanzleien aus Salzburg zur Gänze, jene aus Innsbruck weitgehend verdrängt. Drei Linzer und vier Grazer Kanzleien sind diesmal vertreten. Allerdings verbirgt sich hinter dem Bundesländeranstrich eine kleine Mogelpackung, denn sowohl die Linzer Kanzlei Saxinger Chalupsky (Platz 2) als auch die Grazer Eisenberger & Herzog (Platz 3) haben ihre Repräsentanzen in Wien in den letzten Jahren sehr verstärkt. So haben drei der von Eisenberger & Herzog im Ranking vertretenen Anwälte ihren Arbeitsplatz in Wien.
Frauenquote gestiegen
Besonders erfreulich ist, dass die Frauenquote im Anwaltsranking heuer mit 22 nominierten Damen erstmals die Zehn-Prozent-Marke übersprungen hat. Weibliche Neuzugänge gab es vor allem im Vergabe-und Wettbewerbsrecht. Auch Claudine Vartian, die Anfang letzten Jahres unter schwierigen Umständen das Ruder bei DLA Piper übernommen hat, ist mit ihrer eigenen Bilanz zufrieden: Wir konnten den Abgang der fünf Partner umsatzmäßig schon wieder wettmachen.
Angelika Kramer
Mitarbeit : Jelena Gucanin











