Telekom - Affäre

19.06.201210:30 Uhr
Staatsanwalt hörte Telefone von Ex-Telekom-Austria-Vorständen ab

Staatsanwalt hörte Telefone von Ex-Telekom-Austria-Vorständen ab

  • Ermittlungen wegen Untreueverdacht
  • Computer und Festplatten beschlagnahmt

Die Polizei zapfte die Telefone von Ex-Telekom-Vorständen an. Nun wird auch gegen den Ex-Betriebsratschef ermittelt. In der ersten Aprilhälfte starten die Beschuldigten-Einvernahmen.

Wie ein Wirbelwind fegt Christoph Schneck durch die Telekom-Zentrale in Wien-Leopoldstadt. Der Chef der internen Revision ist seit 2010 in seinem Element. Schneck gilt als starker Mann einer „Task Force“, die aus einem Grund ins Leben gerufen wurde: die forensische Untersuchung jeder einzelnen Telekom-Zahlung an den Lobbyisten Peter Hochegger.

Die To-do-Liste von Chefprüfer Schneck ist nun ein gutes Stück länger. Einerseits, weil FORMAT in der Vorwoche dubiose Provisionen von der chinesischen Huawei-Gruppe aufdeckte, wonach Hochegger für jeden Auftrag der Telekom an die Chinesen zehn Prozent kassierte. Andererseits, weil laut exklusiven FORMAT-Informationen nun gegen Ex-Telekom-Betriebsratschef Michael Kolek wegen des Verdachts der „Begünstigung“ vorgegangen wird. Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaf Wien: „Wir führen ein Ermittlungsverfahren gegen Michael Kolek als Beschuldigten.“

Telefonüberwachungen trieben Kolek auf das Radar der Polizei. Diese Woche wurde er einvernommen und sein Firmencomputer samt Festplatte beschlagnahmt. Der Verdacht: Kolek soll heißen Zund aus der Telekom, wie etwa Abhör-Anfragen der Polizei oder Infos aus der „Task Force“, an die Ex-Telekom-Vorstände Rudolf Fischer und Gernot Schieszler weitergegeben haben. Kolek, Fischer und Schieszler wollen die Vorwürfe gegenüber FORMAT nicht kommentieren. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Fakt ist: Alle drei werden nun als Beschuldigte geführt. In ihrer aktiven Zeit gehörten sie dem Festnetzbereich der Telekom an. Das ist jene Einheit, die Hochegger mit üppigen Beratungshonoraren versorgte und wo Hochegger ab Mitte 2007 mit Huawei Millionenprovisionen für Aufträge kassierte.

Im Zusammenhang mit Huawei wurde FORMAT eine E-Mail von 2007 zugespielt. Demnach pushte Fischer gegenüber den „Einkaufschefs“ Wolfgang Frauenholz und Brigitte Schüssler Huawei bei einem Vier-Millionen-Euro-Auftrag: „Nachdem auch die kommerzielle Beurteilung keine besonderen Vorteile der Konkurrenzanbieter Siemens und Alcatel ergeben hat, ist die WDM Backbone-Technologieentscheidung für Huawei getroffen worden.“ Ein Zufall?

Seltsame Rücktritte

Fischer verließ den Telekom-Vorstand jedenfalls Mitte 2008, Schieszler folgte ihm ein Jahr später. Laut FORMAT-Recherchen floss die letzte Huawei-Provision – stolze zehn Prozent des Auftragswerts – Mitte 2009 an Hocheggers Briefkastenfirma Astropolis auf Zypern.

Die Rücktrittserie ist aus Ermittlersicht mysteriös. Zumal Kolek Anfang 2010 ebenfalls unter nie ganz geklärten Umständen den Betriebsratsvorsitz zurücklegte. Hinterfragenswert sind Koleks gute Beziehungen zu Fischer – der Betriebsratsboss als Buddy des Vorstands – allemal. Fischer und Schieszler sollen Kolek unternehmensintern stets unterstützt haben.

Für Revisionschef Schneck bedeutet das viel Arbeit. Zum Glück ist er nicht allein. Zwischen ihm und Staatsanwalt Hannes Wandl herrscht reger Informationsaustausch. Wandl ermittelt wegen Untreueverdacht gegen Rudolf Fischer und Gernot Schieszler (Aktenzahl 614 St 3/10m). Die Ex-Telekom-Vorstände sollen zumindest neun Millionen Euro Telekom-Geld illegal an Hocheggers Firma Valora geschleust haben. Letzterer teilte mit der Zehnvierzig GmbH von Walter Meischberger. Derzeit wird auch untersucht, ob der Eingang der Millionen bei der Valora überhaupt richtig verbucht wurde – oder ein Teil des Geldes schon vorher verschwand.

Den Hinweis auf die Geldflüsse bekam Wandl von der „Task Force“. Die Sondereinsatzgruppe der Telekom Austria beschäftigt mittlerweile mehr als ein Dutzend Revisionisten, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Schnecks Team hatte im Sommer erhoben, dass für insgesamt 29 von der Valora Unternehmensberatung und -beteiligung AG ausgestellten Rechnungen keine Gegenleistung festgestellt werden konnte. Pikant dabei: Über die Valora AG arrangierte Hochegger auch den skandalumwitterten BUWOG-Lobbying-Auftrag mit der Immofinanz-Gruppe. Auch die BUWOG-Provision von 9,6 Millionen Euro, die er mit Meischberger teilte, wickelte er über Astropolis ab.

Telefonüberwachung und Razzien

Dass die Verdachtslage ernst ist, belegen die Ermittlungsschritte des Staatsanwalts. So wurden nicht nur die Telefone von Fischer und Schieszler vor Wochen angezapft, sondern auch deren Büros und Wohnungen durchsucht. Beschlagnahmt wurden laut Hausdurchsuchungsbefehl „Daten auf Computern, Festplatten oder sonstigen Datenträgern“, die Geschäfte zwischen Valora und Telekom betreffen.

Staatsanwalt Wandl hat nun viel Stoff zum Aufarbeiten. Fischer und Schieszler werden demnächst Gelegenheit bekommen, Hocheggers Huawei-Deals und andere Ungereimtheiten aus ihrer Sicht zu erklären. Ihre erste Einvernahme soll in der ersten Aprilhälfte stattfinden.

- Ashwien Sankholkar

 
ulysses007, 08. 04. '11 12:38
wiederum interessant was es nicht alles gibt...
...allesamt bisserl Felix Krull Buben, eigentlich sinds dumme Buben-mehr net !
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