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Der Rückzug des Guru: Was wird aus Apple ohne Steve Jobs?
- Kein Termin für Jobs' Rückkehr
- Rekordgewinn im letzten Quartal: 6 Milliarden Dollar
Der Jobs-Faktor: Wer die wertvollste Technologie-Firma der Welt führt, wenn der Kapitän die Brücke verlässt.
Seit Steve Jobs seine dritte gesundheitsbedingte Auszeit ankündigt hat, ist Apples Nachfolgefrage medial wieder in vollem Gange: Wie sehr hängt das Schicksal des Unternehmens an seinem charismatischen Gründer? Wer wird künftig den Showmaster machen? Zur Sorge der Anleger trägt bei, dass die Ankündigung vom 17. Jänner ernster zu klingen scheint. Anders als bei seiner Lebertransplantation 2009 legt sich Jobs auf keinen Rückkehrzeitpunkt fest.
Beruhigung der Aktienmärte nach weiterem Rekordgewinn
Er will so bald wie möglich zurückkommen und ersucht um Respekt für seine Privatsphäre und die seiner Familie. Erwartungsgemäß nervös reagierten erst einmal die Aktienmärkte. Das beruhigte sich aber schnell, als zwei Tage später die Zahlen für das Weihnachtsquartal bekannt gegeben wurden: 6 Milliarden Dollar erneuter Rekordgewinn.
In Charge: Timothy Cook
Das Zepter im teuersten Technologieunternehmen schwingt jetzt Timothy Cook. Der ehemalige Compaq-Manager mit markantem Südstaaten-Akzent leitet das Tagesgeschäft und tut damit dem Vernehmen nach nichts anderes als bisher schon: aus Jobs Ideen schwarze Zahlen machen. Seit 2005 ist Cook für das operative Geschäft und den weltweiten Vertrieb zuständig. Dem 50-Jährigen wird dabei eine ähnliche Detailbesessenheit wie Jobs nachgesagt. Cooks Errungenschaften können sich sehen lassen: Nach seinem Einstieg brachte er die darniederliegende Warenwirtschaft auf Vordermann. Er verordnete Apple Auftragsfertigung, reduzierte die Lagerbestände dramatisch und polierte Service und Support auf. Dass Cook mit Jobs Charisma auf der Bühne mithalten kann, wird von Beobachtern jedoch bezweifelt.
Bekanntester Apple-Manager neben Jobs ist Chefdesigner Jonathan Ive. Der eher scheue Brite ist seit 1992 im Unternehmen und ein enger Vertrauter von Jobs. Sämtliche Designs, die Jobs erdachte vom iMac G3 hin zum iPad , setzte Ive um. Zumal der Erfolg von Apple auf dem Look and Feel seiner Produkte basiert, gilt Ive als überaus einflussreich, nicht zuletzt auch wegen seiner Nähe zu Jobs. Doch kaum jemand erwartet, dass sich der zurückhaltende Produktdesigner den Job im Rampenlicht antut.
Erfahrung mit großen Reden hat Marketingchef Philip Schiller. Er präsentierte das iPhone 3GS, während sich Jobs von seiner Leber-OP erholte. Doch auch Schiller fehlt es an Ausstrahlung, er wirkt eher farblos. Weit bessere Bühnenpräsenz bringt da schon Bertrand Serlet mit, Senior Vice President für Softwaretechnik. Der Franzose, der sich seine Sporen bei Xerox verdiente, ist der Apple-Gemeinde durch seine Präsentation auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz 2006 in Erinnerung. Dort wies er ein amüsiertes Publikum auf die optischen Ähnlichkeiten zwischen Mac OS X Tiger und Windows Vista hin und witzelte in Richtung Microsoft: Redmond, wirf deine Kopierer an.
Beobachter vermuten, dass insbesondere Jobs Verhandlungsstärke kaum ersetzbar ist. Zum Jobs-Faktor gehört, scheinbar mühelos eine ganze Industrie aufzumischen und neue Märkte zu schaffen, wie zuletzt mit dem iPad. Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, erklärte in Forbes, dass Apple Gefahr laufe, in Jobs Abwesenheit sein Wildcard-Potenzial zu verlieren.
Gesundheitszustand: unklar
Details über Jobs Gesundheit gibt es wenige. Die Art seines Bauchspeicheldrüsenkrebses ist selten. Ärzte sagen, dass Metastasen, vor allem in der Leber, möglich sind. Fest steht, dass die nach einer Transplantation notwendigen Immunsuppressiva gemeinsam mit einem potenziellen Krebsrückfall eine bedrohliche Kombination sein könnten. Doch auch eine Infektion gilt als mögliches Krankheitsbild.
Anfang der Woche nahm auch Fake Steve Jobs, News-week-Blogger Daniel Lyons, seinen Hut wie schon bei den letzten Pausen des Apple-Chefs. Seine letzten Worte könnten gut vom echten Jobs stammen. Wer Privatsphäre nicht respektiere oder gar vor dem Krankenhaus auflauere, sei schlimmer als ein Hundstrümmerl am Schuh.
Alexandra Riegler
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