Politik

18.10.201016:00 Uhr

Scheich Al Jaber hatte in letzter Zeit kein goldenes Händchen

  • Die Krise hat auch den Scheich erwischt
  • Straches Anwalt kontrolliert seine Hotel-Geschäfte

Im Firmenreich von Scheich Al Jaber kriselt es an allen Ecken und Enden. Probleme mit Projektfinanzierungen gibt es in Frankreich, Großbritannien und Österreich. Viele davon enden vor Gericht, wie die Klage der AUA.

Sie alle sind in dem altehrwürdigen Hotel de Crillon an der Pariser Place de la Concorde schon abgestiegen: Richard Nixon, Theodore Roosevelt, Charlie Chaplin und in jüngerer Zeit Celebrities wie Madonna oder Arnold Schwarzenegger. Doch seit einigen Monaten läuft im de Crillon nicht alles so, wie es laufen sollte: Im Zwei-Sterne-Restaurant gibt es keinen Spitzenkoch mehr, und auch die Pläne für ein Spa liegen auf Eis. Der Grund dafür ist ein Rechtsstreit zwischen den Besitzern des Hotels, der US-Starwood-Gruppe, und jemandem, der auch in Österreich als Investor bestens bekannt ist: Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber.

Der Saudi mit österreichischem Pass soll – so berichten französische Medien – zugesagt haben, neun Hotels in Frankreich inklusive des de Crillon um 2,1 Milliarden Dollar zu kaufen. Die Anzahlung des Scheichs sei aber um 142 Millionen Dollar zu niedrig ausgefallen. Starwood klagte. Der Streit liegt seit Monaten bei Gericht und macht dringend nötige Investitionen unmöglich.

Erinnerungen an AUA

Klingt vertraut? Auch in Österreich ist Al Jaber der breiten Öffentlichkeit dadurch bekannt geworden, dass er bei der AUA eine Investitionszusage gegeben hatte, diese dann aber – wegen angeblich zu schlechter Zahlen – nicht erfüllte. Ob zu Recht, ist derzeit Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen der Fluglinie und dem Scheich. In Kürze soll ein Gutachten mehr Aufschluss darüber geben, ob nun die AUA dem Scheich 110 Millionen Euro Schadenersatz zahlen muss, weil er geplante Projekte, wie etwa Gemüsehandel in arabischen Ländern, nicht umsetzen konnte, oder ob er gegenüber der Fluglinie vertragsbrüchig wurde und deshalb 156 Millionen Euro berappen muss.

Indes mehren sich aber die Gerüchte, dass der Scheich, der vom US-Magazin „Forbes“ als dreiundneunzigreichster Mann mit einem geschätzten Vermögen von 7,5 Milliarden Dollar eingestuft wurde, gar nicht in der Lage wäre, derartige Summen aus dem Ärmel zu schütteln. „Er gilt am Finanzmarkt als nicht verlässlich. Man hört, er hat Liquiditätsprobleme“, sagt ein Wiener Banker.

So kriselt es etwa bei der Tiroler Firma Kneissl, die der Scheich Mitte 2008 übernommen hat. Hochtrabende Pläne wurden bei der Übernahme verkündet: Die Skiproduktion sollte massiv ausgebaut werden, bis zu 70 Kneissl-Starlounges (Gastronomie mit Sportartikelverkauf) hätten entstehen sollen und vorerst einmal zwei Hotels. Das vorläufige Fazit fällt ernüchternd aus: Die Kneissl-Holding weist 2009 Schulden in der Höhe von 6,8 Millionen Euro aus, mit dem Bau der Hotels wurde noch gar nicht begonnen, und statt 70 gibt es bislang eine Starlounge in Innsbruck, die mehr als 300.000 Euro Verlust eingefahren hat. „Wir nehmen Kneissl als Skiproduzenten gar nicht mehr wahr“, berichtet ein Insider. Lediglich ein paar Tausend Stück soll das Tiroler Unternehmen noch produzieren. Und diese lässt Kneissl auch nicht mehr in Lohnproduktion bei Fischer fertigen, sondern angeblich deutlich billiger bei der slowenischen Firma Elan. In Tirol befürchtet man nun, dass die Produktion überhaupt aus dem Land verschwinden könnte.

Dazu kommen noch Streitereien mit dem Fußballklub Wacker Innsbruck, der auf ausständige Sponsorgelder in der Höhe von 165.000 Euro von Kneissl wartet und kürzlich geklagt hat. Auch andere Beteiligte warten noch auf Geld von Kneissl: So dürfte der frühere Kneissl-Miteigentümer Fritz Unterberger den Kaufpreis immer noch nicht zur Gänze erhalten haben. Von Kneissl war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Verzögerungen beim Palais Schwarzenberg

Warten auf das Geld des Scheichs lautet auch die Devise in der Bundeshauptstadt Wien: Hier betreibt Al Jaber mit The Ring und dem Grand Hotel bereits zwei Luxushotels, ein drittes im Palais Schwarzenberg harrt noch immer des Baubeginns. Dabei hätte es schon Ende 2009 eröffnet werden sollen. Jemand, der in das Projekt involviert ist, verrät: „Eigentlich wäre alles fertig, aber die Finanzierung steht noch nicht.“ 100 Millionen Euro hätten in den Umbau fließen sollen. Karim Jalloul, Al Jabers Statthalter in Wien und Geschäftsführer des Projekts, beruhigt: „Ein Projekt von dieser Dimension muss natürlich entsprechend vorbereitet werden. Wir haben es redimensioniert und sind dabei, ein nachhaltiges Projekt zu schaffen.“

Während also noch auf Hochtouren an dem Hotel im Schwarzenberg laboriert wird, äugt der Scheich schon wieder auf ein neues Projekt: Er will die Imperial Hotel AG (inklusive der Hotels Bristol und Goldener Hirsch) um geschätzte 200 Millionen Euro von der B&C-Holding erwerben. Das bestätigt auch Jalloul. Allerdings muss er da noch den zweiten Eigentümer der Hotelgruppe, Starwood, davon überzeugen, dass es mit der Zahlung diesmal reibungsloser klappt als zuletzt in Paris.

Immerhin, ein wenig Geld für die Anzahlung des Hotels Imperial konnte Al Jaber kürzlich lockermachen. Das Haus hinter seinem Hotel The Ring hat er vor einem halben Jahr um mehr als eine Million Euro an die Wiener Immofirma conwert verkauft.

Palais Corso verpfändet

Wieso der Scheich weiter im Hotelmarkt expandieren will, ist nicht ganz verständlich, lief doch das Business für ihn in letzter Zeit nicht so gut: Die Erste Wiener Hotel AG, zu der The Ring, das Grand Hotel, das Hotel im Palais Schwarzenberg und die Ringstraßen-Galerien gehören, wies 2008 – für 2009 wurde noch keine Bilanz beim Firmenbuch hinterlegt – Verbindlichkeiten in der Höhe von mehr als 50 Millionen Euro aus. Aber damit nicht genug: Wie aus der Bilanz hervorgeht, wurde die Liegenschaft Palais Corso, also jene Liegenschaft, in der sich die Ringstraßen-Galerien und im oberen Geschoß Luxuswohnungen befinden, an die deutsche Eurohypo verpfändet. Darüber hinaus sind sämtliche Bankkonten der Ersten Wiener Hotel AG an die zur Commerzbank-Gruppe gehörende Bank verpfändet.

Umso verwunderlicher, dass dem Scheich im Sommer noch einmal ein großer Coup im Hotel-Business geglückt ist: Im Kärntner Pörtschach hat er das „Lake’s“ eröffnet. Die 30 Millionen Euro, die in das Luxushotel investiert wurden, sollen allerdings von seinem Geschäftspartner Peter Trixner, einem bekannten Kärntner Immobilienunternehmer, stammen. Die JJW-Gruppe von Al Jaber soll nur als Betreiber fungieren.

Während das Abenteuer Kärnten für den Scheich erst richtig beginnt, geht in Großbritannien ein Kapitel für die JJW zu Ende. Dort steht die renommierte Eton-Hotelgruppe zum Verkauf. Diese Gruppe umfasst drei Traditionshotels in London (The Academy, The Colonnade und Threadneedles), eines in Leeds und eines in Edinburgh. 63 Millionen Pfund will Steuerberater und Unternehmensberater KPMG, der seit Juni die Verwaltung in der Eton-Gruppe übernommen hat, für das Hotelpaket erzielen. Erst im Jahr 2007 wechselte die Eton-Gruppe ihren Besitzer: Peter Tyrie verkaufte das von ihm gegründete Unternehmen um 70 Millionen Pfund an Al Jabers JJW.

Krisenopfer Scheich

KPMG wurde zum Zwangsverwalter der Hotels berufen, als klar war, dass JJW seinen Kreditvereinbarungen nicht mehr nachkommen konnte, heißt es in britischen Medien. Der Schuldenberg sei letztendlich zu groß geworden, die Krise habe auch den Scheich, der zuvor noch britischen Universitäten Gelder in Millionenhöhe zukommen ließ, erwischt. Karim Jalloul, Al Jabers Mann in Wien, wollte sich zu den Problemen in England nicht äußern. Er sei nicht involviert.

Um ähnliches Ungemach in Österreich gar nicht erst entstehen zu lassen, hat sich der Scheich hierzulande gut abgesichert. Seine Kontakte zur Politik sind ausgezeichnet. So gründete er anlässlich des 60. Geburstags von Wiens Bürgermeister Michael Häupl einen „Michael Häupl Förderungsfonds“, um die Ausbildung im Tourismus zu fördern. Nur wenige Monate davor hat Häupl dem Austro-Scheich das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen.

Aber auch die Verbindungen des „Selfmade- Businessman“ und Philanthropen, wie sich Al Jaber auf seiner Homepage selbst nennt, in andere politische Lager blühen. So sitzt seit knapp zwei Jahren ein gewisser Johannes Hübner als Aufsichtsratsvorsitzender-Stellvertreter in der Ersten Wiener Hotel AG.

Hübner ist FP-Abgeordneter und besser bekannt als Anwalt des kürzlich in Wien siegreichen Heinz-Christian Strache. Hübner hatte zuletzt etwa die Roma-Abschiebungen aus Frankreich befürwortet. Befragt dazu, wie der Kontakt zu Scheich Al Jaber zustande kam, hüllt sich der FP-Mann in Schweigen. „Ich bin für Herrn Al Jaber auch als Anwalt tätig und unterliege deshalb der Schweigepflicht“, sagt er gegenüber FORMAT. Auch in der Kneissl Star Holding saß der FP-Anwalt bis vor kurzem als Vorsitzender im Kontrollgremium.

Orange Freunde

Bei Kneissl wiederum hat ein hochrangiger Funktionär einer anderen Partei das Sagen. Die UBH Unternehmensberatung von Hermann Simon Huber, dem Tiroler BZÖ-Obmann, besitzt knapp 40 Prozent der Kneissl Holding. Und sein Parteikollege Andreas Gebauer sitzt gemeinsam mit der Tochter des Scheichs, Mashael Al Jaber, in der Geschäftsführung des Tiroler Unternehmens. Gebauer kandidierte bei der letzten Nationalratswahl für das BZÖ. Man darf allerdings gespannt sein, ob die Kontakte zur orangen Zwergerlpartei Al Jaber nützen, um einen Weg aus der momentanen Krise zu finden.

– Angelika Kramer

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