trend - das österreichische Wirtschaftsmagazin

23.09.201016:08 Uhr

Andreas Lampl
Sauwirtschaftsexperten

Die SPÖ malt fleißig am Feindbild Wirtschaft. So als wäre der Staat und nicht Unternehmertum und Risikobereitschaft die Basis unseres Wohlstands. Eine fahrlässige Strategie.

Das „Feindbild Wirtschaft“ hat Hochkonjunktur. Ohne irgendeine Form der Krisen-Nachbetrachtung kommt zurzeit kaum ein Kongress über die Runden. Ob beim Forum Alpbach oder den Österreichischen Medientagen: Banker-Gier, Reiche, die immer reicher werden, und Zweifel am Funktionieren der Märkte sind allgegenwärtige Themen. Natürlich auch in der Politik, dort halt in der für jeden Wähler verständlichen Form. Bei der SPÖ zum Beispiel klingt das so: Die, von denen die Krise verursacht wurde, müssen jetzt mehr zahlen. Und das sind eben Banken, Privatunternehmer und überhaupt die Gstopften.

Nun wird niemand bestreiten, dass außer Kontrolle geratene Finanzmärkte den Crash mit ausgelöst haben. Trotzdem sollte man sich von der falschen Schlussfolgerung, dass der Staat nur deswegen kein Geld mehr hat, weil er die Welt retten musste, nicht die Sinne vernebeln lassen. Dazu genügt eine einfache Rechnung: Maximal zehn Milliarden Euro hat die österreichische Regierung in den Jahren 2009 und 2010 zur Stabilisierung der Krise zusätzlich aufgewandt – wahrscheinlich weniger, denn drei Prozent Budgetdefizit hätten wir bei einem ganz gewöhnlichen Konjunkturabschwung auch gehabt. Die Schulden Österreichs betragen aktuell rund 200 Milliarden Euro. Was heißt: 95 Prozent des Schuldenbergs haben mit der „Jahrhundertkrise“ nicht das Geringste zu tun. 95 Prozent des Problems sind rein hausgemacht!

Die Kosten der Krise sind ein Klacks im Vergleich dazu, dass über Jahrzehnte viel zu viele beamtete Eisenbahner bezahlt wurden, dass die öffentliche Verwaltung irrwitzig aufgebläht ist und dass Politikern – egal, ob kleiner Bürgermeis­ter oder Kanzler – nichts zu teuer ist, was Wähler bringt.
Fatal an der Milchmädchenrechnung der SPÖ ist, dass sie dem Wahlvolk vorgaukeln will, mit dem Schröpfen der Reichen seien alle Fehler beseitigt. Schön wär’s. Doch leider stimmt nicht, was etwa Finanzstaatssekretär Andreas Schieder bei jeder Gelegenheit beschwört: dass die Konzern-, Finanz- und sonstigen Bosse, „die in der Vergangenheit überproportional profitiert haben“, an allem schuld sind, wir Anständigen hingegen hätten „nicht über unsere Verhältnisse gelebt“.

Aber wie nennt man das zum Beispiel bei einem Privathaushalt, der jedes Jahr mehr ausgibt, als Geld ins Haus kommt? Und wer ist schuld an der Tatsache, dass dieser Staat jedes einzelne, auch noch so tolle Boom-Jahr mit einem Defizit abgeschlossen hat? Die Gierigen von Lehman Brothers?

Uneinsichtigkeit in Reformnotwendigkeiten ist die eine Folge dieser Realitätsverweigerung. Eine zweite ist noch fataler: das Bild von der Wirtschaft, das dadurch entsteht. Arrogante Banker, die viel zu viel verdienen, anstatt sich um die Realwirtschaft zu kümmern; Unternehmer, die ihr Geld lieber in Liechtenstein verstecken, anstatt zu investieren; Top-Manager, die möglichst viele Jobs killen, damit sie hohe Boni einstecken können; und wenn alles kaputt ist, muss der fürsorgliche Staat einspringen, um es wieder zu richten.

Wirtschaft als Raubrittertum: Diesen Eindruck zu vermitteln, wie es Politik und Medien derzeit tun, ist fahrlässig. Unternehmertum, Innovationen, Produktivitätsverbesserung und Risikobereitschaft sind immer noch Basis unseres Wohlstands. Und werden es bleiben. Der Staat ist dafür kein Ersatz. Seine Vertreter hätten die verdammte Pflicht, das Wissen der Staatsbürger über die Funktionsweise des Wirtschaftssystems zu erhöhen, anstatt als Sauwirtschaftsexperten Zerrbilder zu verbreiten. Beispielsweise die Schlammschlacht um die Staatsholding ÖIAG: Da patzt der Bundeskanzler persönlich den Vorstand wegen ein paar hundert Euro Versandspesen an. Zur Frage der optimalen Verwaltung staatlicher Beteiligungen ist nichts zu hören, obwohl es um Milliardenwerte geht.

Dafür, dass so gut wie jeder Teil dieses Systems ist, sind Interesse und Verständnis für Ökonomie ohnehin erschreckend unterentwickelt. Die überschaubaren Reichweiten von Wirtschaftsmagazinen wie dem trend belegen das. Und wenn einer Umfrage zufolge die Studenten von pädagogischen Hochschulen sogar noch hinter den Theologen rangieren, was ihre Beschäftigung mit Wirtschaft betrifft, dann müssen alle Alarmglocken schrillen. Hier wäre die Politik gefordert, diesen bildungspolitischen Irrweg schleunigst zu korrigieren. Oder sollen schon Kinder Wirtschaft als etwas erfahren, an dem man am besten gar nicht anstreift?

lampl.andreas@trend.at

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