body and soul

 
24.07.201013:54 Uhr
Abenteurerpärchen schippert in zwei Jahren mit Solarkatamaran um die Welt

Abenteurerpärchen schippert in zwei Jahren mit Solarkatamaran um die Welt

  • Schiff Ahoi: Ohne Segel und ohne fossile Brennstoffe
  • 'Verbrennungsmotoren sind laut und stinken'

Nur mithilfe von Sonne und Wind wollen der Kärntner Jurist Michael Köhler und seine Freundin die Welt umrunden. Der Eintrag im Guinness Buch der Rekorde ist ihnen sicher.

Noch nie ist die Welt mit einem Boot ohne Segel und ohne fossile Brennstoffe umrundet worden. Genau das haben nun die Kärntner Michael Köhler, 44, und seine Lebensgefährtin Heike Patzelt vor: rund um die Welt – nur mit elektrischer Energie, die von der Sonne erzeugt wird. Anfang April haben die beiden ihren Solar-Katamaran, der sie über die ­Meere tragen soll, vom Stapel gelassen. Das war die erste Etappe zur Verwirklichung ihres Traums.

Vom Schlauchboot zum ersten Segler

Die Leidenschaft für die Seefahrt entdeckte der gelernte Jurist Köhler schon in seiner Jugend. „Begonnen habe ich mit einem Schlauchboot mit Außenbordmotor um vierzehntausend Schilling“, erinnert er sich. Es folgten mehrere Kajütmotorboote, die der Mann allesamt mit diversen Jobs in der Gastronomie selbst finanzierte. „Damit ich mir das leisten kann, bin ich als Skipper und Mädchen für alles gefahren, habe jede Arbeit erledigt, vom Kloputzen bis hin zur Abendgestaltung“, erzählt Köhler. Erst für einen 16 Meter langen Segler nahm der Sportsmann einen Kredit von einer halben Million Schilling bei der Kärntner Hypo auf, die mit der Finanzierung von Yachten nicht nur gute Erfahrungen hat. Das Investment lohnte sich, denn ein paar Jahre später verkaufte der Selfmademan das Boot um das Vierfache.

Die Juristerei an den Nagel gehängt

Nach Abschluss seines Jusstudiums begann er seine seglerische Lehre auf einem klassischen Rahsegler (Brigantine Atair, 22 m lang). „Auf dem habe ich unter der Herrschaft eines Oberleutnants der deutschen Kriegs­marine die Seefahrt von der Pike auf erlernt.“ Auf dem Programm standen Schwerwetter-Segeln im Winter in der Ostsee sowie 10.000 Seemeilen im Nord- und Südatlantik. Der Oberleutnant ersparte der nur zwei Mann starken Crew dabei nichts an Drill. „Den Kurs hat der Kapitän so angelegt, dass er keinen Grad nachgab. Teilweise gab es 110 Knoten Wind auf See, aber auch ruhige Tage in türkisen Lagunen“, erinnert sich Köhler mit gemischten Gefühlen.

Wertesystem besiegt Paragrafendschungel

Der Juristerei konnte der Segel-Fan nicht wirklich etwas abgewinnen. Vor allem entsprach der Umgang mit den Paragrafen nicht Köhlers Wertesystem. „Wenn ein Angeklagter vor dem Richter steht, lügt meist ­einer. Und ich wollte auf keinen Fall der Lügner sein“, erklärt Köhler, der zuletzt als Verwaltungsjurist gearbeitet hat. „Diesen Beruf konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, also ging ich.“ Seinem Steckenpferd ist der Mann jedoch treu geblieben, er machte es quasi zum Hauptberuf.

Unabhängig der Sonne entgegen

In den vergangenen 15 Jahren verbrachte der Kärntner mehr als 3.000 Tage an Bord und segelte knapp 60.000 Meilen. Was ihn nie losgelassen hat, war die Idee, unabhängig von fossilen Treibstoffen und unabhängig von Wind umweltfreundlich über die Weltmeere zu fah­ren. „Zum Segeln braucht man Wind, der weht nicht jeden Tag. Windenergie kann man nicht speichern oder gar damit Spaghetti kochen. Zum Fortbewegen mit einem Verbrennungsmotor braucht man Treibstoffe, die Motoren sind laut, stinken und schädigen die Umwelt“, sagt er.

Und deshalb ist Köhler seit April mit der Solarwave unterwegs, um zu beweisen, dass es auch anders geht. Mit der ersten Weltumrundung dieser Art ist Köhler und seiner Lebensgefährtin der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde sicher, vorausgesetzt, die beiden schaffen es.

Ökologische Kapitäne

Das Boot ließ das Power-Couple in Mondorf bei Bonn am Rhein vom Stapel. Dann ging es weiter über den Main, den Main-Donau-Kanal und die Donau nach Wien. Anfang Juni führte die Route über die Donau ins Schwarze Meer und durch das Mittelmeer, wo Boot und Mannschaft überwintern werden. 2011 wird die Reise fortgesetzt. Nach Überquerung des Atlantiks geht es weiter in die Karibik, quer über den Pazifik, vorbei an Australien, Indien, Somalia und Jemen ins Rote Meer und über den Suezkanal zurück ins Mittelmeer. Der Katamaran wurde speziell für die umweltfreundliche Langzeit-Reise gebaut. Energie wird durch Solarpaneele und Windgeneratoren gewonnen, der Antrieb erfolgt mittels Elektromotoren. Das Paar kann so kommod an Bord leben, kochen, kühlen, ­Wäsche waschen und Wasser erzeugen.

Frei von Gewinndenken, nur aus Überzeugung

„Wir machen diese Weltumfahrung aus Überzeugung. Das ist unser Beitrag für die Umwelt, und wir hoffen, damit zum Umdenken beizutragen: weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien“, erklärt Köhler die Beweggründe für sein Projekt. Freilich, ohne Sponsoren wie Wiesbauer Wurstwaren, Swa­rovski Optik, Panasonic, Miele und viele Firmen
für Bootszubehör wäre das Schiff nie vom Stapel ­gelaufen.
Leute, die eine ähnliche Abenteuerlust verspüren, können künftig wochenweise auf der Solarwave mitfahren. Im Mittelmeer zahlt man pro Person und Woche 696 Euro, Übersee 995 Euro.

Gabriela Schnabel

Hier downloaden:
spezial
pixel