Buwog-Skandal: Grasser und Meischberger nutzten die selbe Treuhandgesellschaft
- Gelder flossen über Briefkastenfirma Mandarin
- Meischberger kaufte über 200.000 MIP-Aktien

Walter Meischberger bringt Karl-Heinz Grasser in Troubles. Denn Teile der Buwog-Provisionen landeten bei der Treuhandfirma Mandarin. Und deren Dienste nutzte auch KHG.
Es ist wieder einmal einer dieser verflixten Zufälle im Leben von Karl-Heinz Grasser (KHG). Und wieder einmal sorgt sein Trauzeuge Walter Meischberger für akuten Erklärungsnotstand. Diesmal dreht sich alles um ein Konto der Briefkastenfirma Mandarin Group bei der Raiffeisenbank in Liechtenstein.
Doch alles der Reihe nach
Seit September 2009 ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien in der Buwog-Affäre rund um den Verkauf von 60.000 Bundeswohnungen im Jahr 2004. Damals hatten Meischi und der PR-Berater Peter Hochegger rund 9,6 Millionen Euro Provision kassiert. Illegal und verdeckt, wie sich herausstellte. Seither steht auch KHG im Visier der Justiz. Denn einerseits war er als Finanzminister für den Buwog-Deal verantwortlich. Andererseits waren Meischberger und Hochegger damals seine Best Buddies. Als FORMAT 11/10 exklusiv berichtete, dass Mandarin im Zusammenhang mit Grassers Investment bei der Hypo Alpe Adria als Treuhänder fungiert, um ein Darlehen bei Schwiegermutter Marina Giori-Swarovski zu tilgen, wurden auch die Buwog-Ermittler sehr hellhörig. Der Grund für das Interesse: Auch Meischberger hatte in einer Einvernahme Mandarin mehrfach erwähnt. Einen Teil seines Buwog-Geldes hat er über Mandarin investiert, wie FORMAT vorliegende Protokolle von der Einvernahme von Walter Meischberger belegen.
500.000 Euro für MIP
Befragt zum Kreditvertrag zwischen mir und der Mandarin Group Ltd. vom 5. Dezember 2007: Der Vertrag hat den eigentlichen tieferen Sinn, MIP-Aktien zu kaufen (Protokoll). Bei MIP handelt es sich um die Skandalfirma Meinl International Power, die von Karl-Heinz Grasser gemanagt wurde. Die Mandarin Group wurde mir von Herrn Wirnsperger (Anm.: ein Berater) empfohlen, so Meischberger laut Protokoll. Mir wurde nur ein Konto der Raiffeisen Liechtenstein genannt. Ich habe ihm 500.000 Euro überwiesen. Er war verpflichtet, in diesem Wert weitere MIP-Aktien zu kaufen und zu halten.
Über 200.000 MIP-Aktien
So geschah es, dass Meischi auf dem Höhepunkt der Meinl-Krise Ende 2007 kräftig investierte. Warum er bei MIP volles Risiko fuhr, konnte er den Ermittlern nicht erklären. Grasser spiele aber nur am Rande eine Rolle: Ich habe im zweiten Halbjahr 2007 begonnen, in MIP zu investieren. Ich wurde dann unsicher und wusste nicht genau, wie es weitergeht. Ich wollte aber weiter MIP haben und sogar kaufen, weil ich einerseits gehört habe, dass trotz dieser Meinl-Krise es am Ende des Weges ein lukratives Geschäft wird, und andererseits aus persönlichem Interesse meines Freundes Karl-Heinz Grasser. Ähnlich wie beim Buwog-Lobbying hatte Grasser nicht die geringste Ahnung vom MIP-Engagement. Ich hatte über 200.000 MIP-Aktien, dies wusste Grasser aber nicht. Ich habe mich eines Treuhänders bedient, weil ich nicht wollte, dass meine Aktienbestände in Österreich bekannt werden, so Meischberger. Warum er ausgerechnet Mandarin auswählte, eine Firma, die auch Grasser zu ihren Kunden zählte? Das sei purer Zufall gewesen. Ein Zufall, für den sich die Justiz sehr interessiert, weil sie wissen will, was mit den knapp zehn Millionen Buwog-Provision genau passiert ist.
500.000 Euro für Berlin
Grasser hat die Konstruktion, über die er beim Weiterverkauf der Hypo Group im Jahr 2007 ein kleines Vermögen verdiente, wohldurchdacht. Über die Treuhandgesellschaft Ferint AG war er Teil der Investorengruppe rund um den Vermögensberater Tilo Berlin. Grasser setzte via Ferint AG 500.000 Euro ein und stieg mit 783.000 Euro aus. Ein tolles Geschäft. Das Geld wanderte Anfang 2009 auf ein Liechtensteiner Raiffeisen-Konto der Mandarin Group Ltd. Für die Grün-Abgeordnete Gabriele Moser sind das keine Zufälle: Die Geldflüsse legen die Vermutung nahe, dass Grasser beim Buwog-Deal mitgeschnitten hat. Es ist ein Justizskandal, dass seine Konten noch nicht geöffnet wurden. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ashwien Sankholkar











