Die direkten Effekte einer Ausschluss- oder Rettungsentscheidung sind eher gering
- Marcus Scheiblecker
- Experte am Österr. Institut für Wirtschaftsforschung

Die Effekte einer Amputation Griechenlands wären genauso gering wie die der Rettung.
Nach schweren Unfällen stehen Ärzte oft vor dem Problem, entweder eine Amputation vorzunehmen oder eine aufwendige, risikoreiche Wiederherstellung zu wagen. Die derzeitige Diskussion über einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone weist Ähnlichkeiten auf.
Die direkt wirkenden ökonomischen Effekte einer Entscheidung für Ausschluss oder Rettung sind eher gering. Griechenlands ökonomisches Gewicht in der Eurozone ist klein und die Rettungskosten im Vergleich zum Agrarbudget ebenso. Trotz der laufenden Diskussion ist der Euro immer noch stärker, als es der Exportwirtschaft lieb ist. Ein durch eine Abwertung ausgelöster Importpreisanstieg wäre zurzeit für die Inflationsrate ebenso leicht verkraftbar.
Indirekt negative Effekte könnten dadurch auftreten, dass bei nicht ausreichender Sanktionierung eines budgetären Fehlverhaltens das schlechte Beispiel Schule machen könnte. Dies wäre im Falle Italiens oder Spaniens fatal für den Euro. Allerdings unterscheidet sich die Situation Griechenlands, da neben der Staatengemeinschaft auch das eigene Volk über den Ernst der Lage durch manipulierte Zahlen getäuscht wurde. Ist es jemandem anzulasten, über seine Verhältnisse gelebt zu haben, wenn einem seine Bank vortäuscht, die eige-ne finanzielle Lage sei gar nicht so schlimm? Übrigens: Nach dem schweren Motorradunfall des österreichischen Skiasses Hermann Maier im Jahr 2001 entschieden sich die Ärzte trotz der Gefahren gegen eine Amputation seines Beines. Einige Jahre später konnte er für sein Heimatland wieder Siege einfahren.











