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30.03.201011:56 Uhr
Ökologisch und ökonomisch zugleich: Die Gutbanker kommen nach Österreich

Ökologisch und ökonomisch zugleich:
Die Gutbanker kommen nach Österreich

  • Öko-Bank GLS eröffnet noch heuer Filiale in Wien
  • Studie: nachhaltige Banken durch Krise gewachsen

Alternative Finanzdienstleister aus Deutschland erfahren in der Krise regen Zulauf. Zwei davon wollen jetzt auch in Österreich Fuß fassen.

Wenn Bankchef Thomas Jorberg an die Finanzkrise denkt, muss er lächeln. Denn während seinen Kollegen von anderen Instituten die Kunden davonlaufen, macht der Chef der Bochumer GLS Bank die genau gegenteilige Erfahrung. „Alleine im vergangenen Jahr ist unsere Bilanzsumme um 33 Prozent gestiegen“, sagt Jorberg über das beste Jahr in der Geschichte seines Hauses. Das Einlagenvolumen nahm 2009 um 37 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro zu, die Zahl der Kunden stieg um 17 Prozent auf 73.000. „Wir sind nur deshalb nicht noch stärker gewachsen, weil wir die Kapazitäten nicht entsprechend ausbauen konnten“, erklärt Banker Jorberg.

Kunden entscheiden über ihr Geld
Bei seinem Institut finden offensichtlich immer mehr Leute, was sie anderswo vermissen. „Wir bieten ein breites An­gebotsspektrum: vom Girokonto über Finanzierungen und Beteiligungen bis zu Wertpapieren und Investmentfonds“, wirbt Jorberg, aber: „Bei uns ist alles strikt nachhaltig und völlig transparent.“ Im Gegensatz zu herkömmlichen Banken dient das Geld der GLS nämlich nicht dem reinen Wettlauf um die höchste Rendite, sondern gesellschaftlich sinnvollen Projekten: Regenerativenergien, dem Bio­landbau, freien Schulen und Kindergärten oder gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Der Einlagenkunde kann selbst entscheiden, wohin sein Geld fließt. Die Bank legt ihr Kreditportfolio und die eigenen Kapitalanlagen regelmäßig offen.

Österreich-Start noch heuer
Das GLS-Konzept ist so erfolgreich, dass Jorberg noch heuer eine erste Filiale in Wien eröffnen möchte. Gestartet wird mit Sparangeboten, Krediten und Vermögensverwaltung.Wie in Deutschland soll der Großteil des Geschäftes über Internet und Telefon laufen – zu für Direktbanken marktüblichen Konditionen. Und die Bochumer sind nicht die einzigen, die auf der Ökowelle nach Österreich gelangen wollen. Auch die oeco capital Lebensversicherung – eine Tochter der deutschen Concordia Versicherung – will laut Concordia-Vorstandschef Heiner Feldhaus spätes­tens im kommenden Jahr hierzulande eine Vertriebsgesellschaft gründen und über Makler klassische Rentenversicherungen mit Ökogarantie anbieten. Das Unternehmen war der erste Versicherer in Deutschland, der das Kapital der Kunden zu 100 Prozent nach umweltrelevanten Kriterien anlegte – und sich dies durch einen Beirat von externen Ökoexperten bescheinigen lässt.

Ökologisch und ökonomisch
Sich konsequent ökologisch auszurichten muss ökonomisch nicht von Nachteil sein. Im sogenannten Finsinger Rating durchforstet der Wiener Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger für das Magazin „WirtschaftsWoche“ regelmäßig die deutschen Assekuranzen auf Kosten und Leistungen. Die oeco capital gehört dort zur Spitzengruppe. Eine aktuelle Studie des auf Finanzinstitute spezialisierten Beraters zeb weist in dieselbe Richtung: Ökobanken konnten im Zuge der Finanzkrise um 30 Prozent zulegen, „und das ist kein Einzeleffekt“, sagt zeb-Partnerin Katrin Lumma. Entgegen dem Trend würden derartige Banken auch künftig wachsen. Aktuell haben deutsche Ökobanken 200.000 Kunden. Das Potenzial jener Menschen, die ihr Geld nachhaltig veranlagen wollen, wird bis zum Jahr 2020 auf 10 bis 12 Millionen geschätzt. Ein gigantischer Markt. Außerdem verdienen die Gutmenschen, die angesprochen werden, überdurchschnittlich: Obwohl die Marktforschung sie als Postmaterielle bezeichnet, liegt das Ertrags­potenzial mit 2.000 Euro pro Haushalt doppelt so hoch wie das der deutschen Gesamtbevölkerung.

Idealisten spenden Zins
Was die Wachstumsraten angeht, bestätigt die erst 2002 gegründete Ethikbank aus dem ostdeutschen Eisenberg die zeb-Studie vollkommen. 25 Prozent Plus im vergangenen Jahr, 40 Prozent könnten es heuer sein. Im Gegensatz zu GLS und oeco capital ist die Ethikbank bereits seit 2006 in Österreich vertreten, wenn auch nur mit 500 Kunden. „Wir haben ja auch keine Werbung gemacht“, sagt Sylke Schröder, Initiatorin und Vorstandsmitglied des Instituts. Hierzulande bieten die Ostdeutschen bisher nur ein Produkt – ein Taggeldkonto. Dessen Zinsen liegen leicht unter jenem von Konkurrenten wie ING-DiBa. Anleger können einen Teil ihrer Rendite für eines von drei wohltätigen Projekten spenden – eine bei Ökobanken übliche Option. „Immerhin fünf Prozent unserer Kunden machen das auch – wahre Idealisten“, sagt Schröder.

Nein zu Kinderarbeit und Gentech
Bei den Anlagekriterien ist die Ethikbank rigoros: Unterstützt von der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Beratungsgesellschaft imug, investiert die Bank nur in solche Unternehmen und Länder, die moralisch einwandfrei sind. Atomkraft, Waffen, Gentech, Kinderarbeit oder Menschenrechtsverletzungen haben dort keine Chance. Kredite wiederum werden nur an solche vergeben, die ökologisch bauen wollen. Bis allerdings Kunden in Öster­reich auf solche Darlehen zugreifen können, dürfte es noch eine Weile dauern. „Wir werden unser Angebot in Österreich ausbauen“, verspricht Schröder, „aber erst, wenn die EU den Zahlungsverkehr weiter harmonisiert hat.“

Gewinn spielt keine Rolle
Wer schon jetzt einen Kredit für ein Ökoprojekt braucht, kann sich an Hermes Österreich wenden. Der Salzburger Verein hat sich, auch wenn es sperrig klingt, der geistgemäßen Geldgebarung verschrieben und vergibt seit 28 Jahren Kredite an Weltverbesserer wie Ökolandwirte, heilpädagogische Therapiezentren oder Künstler. „Solche Menschen haben nie Kredite zu vernünftigen Konditionen bekommen“, wirft Theresia Bitzner, Hermes-Frau der ersten Stunde, einen Blick zurück. Jetzt erhalten sie Geld, und zwar zu durchaus vertretbaren vier Prozent Zinsen. Ein Prozent davon kassiert das Salzburger Bankhaus Spängler für die Verwaltung der Konten, 2,5 Prozent gehen an den Verein, das letzte halbe Prozent geht an die Anleger – wenn sie es nicht spenden wollen. Noch hat Hermes nur 300 Kunden; die Krise hat jedoch zu einer Vielzahl an Anfragen geführt. Vor kurzem haben die Salzburger deshalb beschlossen, eine „echte“ Bank zu gründen. Ein Grundsatz herkömmlicher Banken wird dem Hermes-Institut fehlen: die Gewinnorientierung.

Arndt Müller

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