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14.02.201020:50 Uhr
Gerald Hörhan: "Es wird wenige geben, die viel haben – und viele, die nichts haben."

Gerald Hörhan: "Es wird wenige geben, die viel haben – und viele, die nichts haben."

  • Ein Investmentbanker beschimpft die Mittelschicht
  • FORMAT bringt einen Vorabdruck aus seinem Buch

Der Investmentbanker Gerald Hörhan beschimpft in seinem Buch „Investment Punk“ höchst unterhaltsam die Mittelschicht: Sie sei in ihrem Konformismus selbst schuld an ihrem Elend. Ein Vorabdruck.

Investment Punk. Er ist 34, fährt schnelle Autos, hat ein Büro am Stephansplatz und jongliert als selbständiger Investmentbanker mit Millionen: Gerald Hörhan gehört zu den bösen Buben der Wirtschaftskrise, und er ist stolz darauf. Sein Buch „Investment Punk“, das diese Woche erscheint, ist eine Schmähschrift gegen die Mittelschicht: Denn nicht die Investmentbanker seien schuld daran, dass die Masse immer ärmer wird – sondern die Mittelschicht selbst, deren mangelndes ökonomisches Verständnis sie in ein Hamsterrad der ständigen Ausbeutung zwinge.

Kein Mitleid
Hörhan hat also für die gebeutelte Mittelschicht kein Mitleid, dafür aber viel Verachtung übrig. Der Investmentbanker stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, studierte in Harvard Mathematik und arbeitete bei KcKinsey und bei J.P. Morgan in der Wall Street, bevor er sein eigenes Corporate-Finance-Unternehmen Danube Finance Group gründete. Im Inneren ist er ein Punk geblieben: Manchmal tauscht er den Nadelstreif gegen Kapuzenshirt und Springerstiefel und fährt auf ein Punk-Festival. Seinen Erfolg erklärt er genau mit dieser Haltung: Nie dem System glauben, sondern es austricksen. Im Unterschied zu echten Punks verfolgt Hörhan dabei ein klares Ziel: Geld machen – und daraus noch mehr Geld.
Doch da Geld allein nicht glücklich macht und Hörhan sich wohl auch nach ein bisschen gesellschaftlicher Anerkennung sehnt, schenkt er der Mittelschicht in seinem Buch seine wichtigsten Regeln für das Reichwerden. Die lauten: Man darf nicht dauerhaft mehr ausgeben als einnehmen. Konsumschulden sind der direkte Weg in die moderne Sklaverei. Man muss von Profis lernen. Man darf nichts kaufen, das man nicht versteht. Hände weg von Vermögensberatern: Wenn die wüssten, wie man ein Vermögen macht, hätten sie einen anderen Job. Und das Wichtigste: Niemals tun, was alle tun. Denn „wer reich werden will, muss ein Punk sein“. Lesen Sie einen Vorabdruck.

Corinna Milborn


Am Anfang hieß es Sklavendienst. Danach nannte man es Frondienst. Jetzt heißt es Schuldendienst. Sklavendienst funktionierte mit Ketten. Frondienst mit Abhängigkeit. Schuldendienst funktioniert durch mangelnde ökonomische Bildung.
Ich tue all die Dinge, von denen die meisten von euch nicht einmal zugeben, dass sie von ihnen träumen. Ich wohne an den feinsten Adressen von Frankfurt und Wien, besitze Luxusautos mit insgesamt mehr als tausend PS und treffe die schönsten Frauen der Welt.
Ich bin 34 Jahre alt und gehöre zu den Leuten, die ihr Finanz­jongleure nennt. Ich beschaffe bei Banken, Fonds und privaten Investoren Finanzierungen für Unternehmen vom Start-up bis zum Industriekonzern, wickle Firmenübernahmen ab, berate bei Gründungen und Restrukturierungen. Ich bin als selbständiger Investmentbanker einer von den Typen, die ihr, die Mittelschicht, gerne gierige Abzocker schimpft, dekadente Arschlöcher und neureiche Dandys mit loser Hand fürs große Geld. Ich gehöre zu denen, die eurer ziemlich bescheuerten Meinung nach die Weltwirtschaft ruiniert haben, die ihr dafür hasst, dass sie auch dann fantastisch verdienen, wenn euch gerade wieder einmal die Folgen einer Wirtschaftskrise auf die Köpfe fallen.
Meinem Berufsstand wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, eine eurer Projektionsflächen für Neidkomplexe zu sein. Und weil sich diese Neidkomplexe unter dem Druck der schrumpfenden Wirtschaft zu richtigen Verschwörungstheorien ausgewachsen haben, würden manche von euch uns am liebsten richtig fertigmachen. Wenn schon nicht persönlich, so doch zumindest in Form einer Steuerreform zu unseren Lasten, die sich gewaschen hat. Ihr merkt gar nicht, was für eine armselige Haltung ihr damit eingenommen habt.
Denn wir können nichts dafür, dass eure Welt immer enger wird. Wenn ihr, die Opfer des herrschenden ökonomischen Sys­tems, uns jetzt aus Frust zu schmähen beginnt, überseht ihr, dass euer Problem ein ganz anderes, viel grundlegenderes ist. Ihr hab schon in den Zeitungen darüber gelesen, und manchmal plaudert ihr auf euren netten kleinen Partys dar­-über, aber ihr kapiert nicht, wie sehr es euch direkt betrifft.
Ihr nennt es die Zwei-Drittel-Gesellschaft und diskutiert es in euren bildungsbürgerlichen Zirkeln wie eines von den Dingen, die immer nur die anderen etwas angehen. Dabei leitet diese Zwei-Drittel-Gesellschaft, die ihr als eine Schattenseite der Mittelschicht betrachtet, deren Exodus ein: Wenn ihr bei der ökonomischen Gestaltung eures Lebens so weitermacht wie bisher, werden die meis­ten von euch in absehbarer Zeit unter die Räder kommen. Hundertprozentig.
Das Leben, das ihr jetzt noch führt, wird bald Geschichte sein. Eure Jobs wird es nicht mehr ­geben, und wenn ihr nichts ändert, wir der Wind eines Tages das trockene Laub durch eure verlassenen Häuschen am Stadtrand treiben.
Das globale ökonomische System war niemals für eine große Mittelschicht ausgelegt. In Europa wird es bald wieder so ein, wie es fast immer war und wie es dem Grundprinzip dieses Systems entspricht: Es wird wenige geben, die viel ­haben – und viele, die nichts haben.
Diejenigen von euch, die ängstlich oder verbissen an ihren gewohnten Lebens- und Arbeitsformen festhalten, werden in Zukunft zu denen gehören, die nichts haben.
Ihr zahlt die höchsten Steuern aller Gesellschaftsgruppen. Ihr tragt die ganze Last. Ihr gebt eure Zukunft bei der Bank ab, indem ihr euch für Eigenheime auf Pump und fabrikneue Leasingautos mit Raten und Zinsen ausbluten lasst. Träume und große Pläne könnt ihr euch dann nicht mehr leisten. Ihr könnt kein Risiko mehr eingehen und nichts mehr gewinnen. Mit dem bisschen, das euch am Monatsende bleibt, wagt ihr euch in Fonds und an die Börsen. In Wahrheit werdet ihr als die chronischen Anfänger, die ihr am Finanzmarkt seid, auch dort nur abgezockt.
Mit dem System, das euch abzockt, meine ich jenes mächtige, globale und im Prinzip abstrakte ökonomische Konstrukt, das die großen Wirtschaftsblöcke, die Staaten und ihre Institutionen gemeinsam mit den Konzernen bilden und sich entwickelt wie eine riesige Krake, die lebt und sich bewegt. Dieses System hat für euch nur eines vorgesehen: das Hams­terrad. Darin müsst ihr – die vielen – unaufhörlich rennen, um den Reichtum der anderen – der wenigen – zu mehren.
Das Hamsterrad hat einen zentralen Zweck: Es dient eurer planmäßigen Ausbeutung. Diese Ausbeutung hatte in jeder Epoche einen anderen Namen. Am Anfang nannte man sie Sklaverei, später Frondienst. Inzwischen haben eure Gläubiger die Rolle des Adels übernommen, ihr die der Bauern, und die Ausbeutung heißt Schuldendienst: Das Leben der meisten von euch ist vom Haus über das Auto bis hin zu Konsum auf Schulden aufgebaut, und ihr müsst im Hamsterrad rennen, um sie zu tilgen. Ein Job, ein Gehalt und dreimal danke: Danke, Herr Chef, dass ich rennen darf! Danke, dass ich buckeln darf! Danke, dass Sie meinem Leben einen Sinn geben!
Ihr sitzt in der Falle, und ihr könnt zwar entkommen, aber macht euch keine Illusionen: Leicht ist das nur theoretisch.
Wenn ihr zu denen gehören wollt, die viel haben, müsst ihr euch von Dingen verabschieden, die euch von Kindheit an selbstverständlich waren. Ihr werdet euch gegen das System stellen müssen und euch keineswegs immer nur heldenhaft dabei fühlen. Eure Kollegen und Freunde werden euch spüren lassen, dass ihr ausgeschert seid und nicht mehr dazugehört.
Wer reich werden will, muss bereit sein, ein Punk zu sein.

„Investment Punk“ von Gerald Hörhan erscheint bei der edition a (192 S., € 19,95).

Hackhof, 19. 02. '10 12:31
Schaumschläger
Ich bin viel geneigter, diesem Link
http://forum.aktien-online.at/dcboard.php?az=printer_friendly&forum=124&topic_id=95054&mesg_id=96007
glauben zu schenken als dem Herrn Hörhan, MSc. Wer es so raushängen lässt hat die paar Euro für jedes verkaufte Buch wahrscheinlich bitter nötig!
Herr Hörhan muss noch lernen, dass es im Leben nicht um 1000PS, schöne, und zwar nur schöne Frauen und um Geld geht. All dies wird nicht aus Hörhan oder Anderen einen glücklichen Menschen machen. Ich denke auf die Tipps, die kaum im Buch gefunden werden können, kann man getrost verzichten - wie auch auf den Kauf des Buches. Wenn man auf sein Geld schauen möchte, kann man das damit tun: dieses Buch nicht kaufen und unreflektierte Menschen wie Hörhan, deren "Maschen" und Statements nicht noch unterstützen.
Erichkurt, 12. 05. '10 06:24
Re: Schaumschläger
Ihrem Kommentar ist zu entnehmen, dass Sie sich entweder
mit dem Inhalt (Kernaussage) des Artikels nicht richtig aus-
einandergesetzt haben - oder, was ich Ihnen NICHT unter-
stellen möchte "gerne" bis zu Ihrem Lebensende im Hams-
terrad weiterlaufen möchten!
Wenn Sie sich mit dem Inhalt wirklich genauer auseinan-
dersetzen werden Sie feststellen, dass es Herrn Hörhan
ganz sicher NICHT um teure Autos oder um schöne und
teure Frauen geht - es geht schlicht und einfach um die
"finanzielle Freiheit" als Basis für ein nachhaltig selbst-
bestimmtes Leben OHNE Abhängigkeiten - nur um das.
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