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17.12.2009 17:15

Stephan Klasmanns "querformat":
Hurra, ich bin Banker! (Sie auch!)

  • Nein, sie hat uns nicht belogen, die Hypo Alpe Adria

Was für ein Karrieresprung! Was für ein Coup! Ich habe es geschafft. Und Sie übrigens auch. Die Deutschen sind Papst, wir sind Banker! Hypobanker!

Die Verstaatlichung der Hypo Group Alpe Adria hebt uns alle in die höchste Kaste des Kapitalis­mus. Wir sind angelangt im Reich der genagelten Schuhe, der Maßanzüge und der unglaublichen Bonuszahlungen. Und was hat es gekostet? Gerade einmal drei Euro! Am Wörthersee ist sogar ein Eis mit drei Kugeln teurer.

Voll freudiger Erregung habe ich mich daher auf die ­Suche nach Fakten über meine (und Ihre) neue Beteiligung begeben, die an Dynamik, Profitabilität und Professionalität unseren anderen Töchtern wie ÖBB oder Asfinag ­sicherlich in nichts nachsteht. Und ich wurde fündig: Die Homepage der HGAA ist wirklich ein Fundus an Informationen für angehende Banker wie mich (beziehungsweise wie Sie), und jetzt weiß ich alles über Leitbild, Strategie und Zukunftsaussichten unseres Geldinstituts.
Schon der Einstieg ist vielversprechend: „Region der Ideen“ leuchtet mir entgegen. Ein Schelm, wer vermutet, es handele sich um Schnapsideen. Keineswegs, wie uns der erste Grundsatz des „Leitbildes“ überzeugend vermittelt: „Wir als HGAA verstehen unsere Tätigkeit als Partnerschaft, die weit über das Geldgeschäft hinausgeht.“ Das muss wohl so sein, denn üblicherweise sind Geldgeschäfte auf Gewinn ausgerichtet, und davon ist bei der HGAA wirklich keine Rede. Aber das passt ja auch bestens zum zweiten Grundsatz: „Wir leben eine einzigartige Kultur.“
Das bedarf keiner weiteren Erklärung.

Besonders freut mich der menschlich-psychologische Zugang unserer neuen Staatsbank, der sich in Punkt vier des Leitbildes offenbart: „Wir ermutigen Menschen, ihre Träume und Wünsche zu verwirklichen.“ Bei Tilo Berlin und den anderen feinen Herren, die sich beim Verkauf der Bank eine goldene Nase verdient haben, ist ­diese Ermutigung sichtlich auf fruchtbaren Boden gefallen. Die haben ihre Wünsche so richtig verwirklicht.
Auch das Kapitel „Strategie“ ist beeindruckend: „Die HGAA verfolgt seit 1993 eine visionäre Strategie.“ Den Eindruck habe ich auch. Ich kenne zwar die Art der ­Visionen nicht, aber wahrscheinlich zählen sie zu jenen,
die auch durch massiven Einsatz von Psychopharmaka nicht in den Griff zu bekommen sind. „Damit übernimmt die Hypo eine Schlüsselrolle als wesentlicher Transmitter für Wirtschafts- und ­Geldströme.“ Das kann man wohl sagen.

Als Transmitter von Steuergeldströmen in bodenlose Fässer stehen die Kärntner stolz in einer Reihe mit Kaupthing Bank, Hypo Real Estate und AIG. Und das hat sich ausgezahlt, denn: „Durch die Expansi­on der vergangenen Jahre hat sich die Hypo jenen Raum geschaffen, der in den nächsten Jahren ihren Heimatmarkt prägen wird.“ Prägend wird die Hypo in den nächsten Jahren ganz sicher sein. Vor allem für das österreichische Budgetdefizit. Und Raum hat sie auch geschaffen, nämlich für mediale Berichterstattung aller Art. Nein, sie hat uns nicht belogen, die Hypo Alpe Adria. Alles stand schon immer auf der Homepage zu lesen. Man hätte es nur richtig interpretieren müssen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – sozusagen von Banker zu ­Banker – ein glückliches neues Jahr 2010.

klasmann.stephan@format.at

17.12.2009 17:15
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