Immofinanz - Affäre

16.10.200911:41 Uhr

FORMAT.at exklusiv: Immofinanz-Aufsichtsrat wusste von Buwog-Lobbying

  • Karl Petrikovics packt vor dem Staatsanwalt aus
  • "Habe Aufsichtsrat vom Angebot unterrichtet"

Das Buwog-Lobbying von PR-Berater Peter Hochegger wurde im Aufsichtsrat der börsenotierten Immofinanz AG abgesegnet.

„Ich habe den Aufsichtsrat der Immofinanz AG von dem Angebot Hocheggers und der Absicht einer entsprechenden Vereinbarung unterrichtet“, so Ex-Immofinanz-Boss Karl Petrikovics (im Bild) in einer FORMAT vorliegenden Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft Wien.
Mit seiner Aussage belastet Petrikovics vier prominente Männer. Denn zum Zeitpunkt des Buwog-Deals im Jahr 2004 saßen der frühere Constantia-Packaging-Vorstand Helmut Schwager (Vorsitzender), der ehemalige Wienerberger-Chef Erhard Schaschl, Ex-Creditanstalt-Generaldirektor Guido Schmidt-Chiari und der millionenschwere Frantschach-Erbe Michael Kaufmann im Aufsichtsrat der Immofinanz AG.

Das Ja der Kontrollore
Mit der Zahlung einer Vermittlungsprovision für den Erfolgsfall waren die Kontrollore einverstanden. Auch ausgewählte Aufsichtsräte der börsenotierten Immofinanz-Tochter Immoeast AG sollen über das Buwog-Lobbying informiert gewesen sein. Darunter etwa Herbert Kofler, der seit 1. Oktober 2003 im Immoeast-Aufsichtsrat sitzt und der Doktorvater von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist. Universitätsprofessor Kofler bestreitet das gegenüber FORMAT: "Ich kenne weder Peter Hochegger noch Walter Meischberger. Mit der Buwog-Sache habe ich überhaupt nichts zu tun gehabt. Die Buwog war auch niemals Thema im Aufsichtsrat."

Hochegger sicherte Marktinfo zu
„Hochegger ist an mich herangetreten und hat seine Lobbying-Dienste
angeboten“, heißt es in der Petrikovics-Stellungnahme. Darüber hinaus
schreibt der ehemalige Chef von Immofinanz, Immoeast und Constantia
Privatbank: „Hochegger galt als einer der erfolgreichsten Lobbyisten in
Österreich und war insbesondere im Immobilienbereich bereits erfolgreich
aufgetreten.“ Er sicherte zu, „Informationen aus dem Markt zu beschaffen und für uns zu lobbyieren“. Für die Constantia Privatbank sei der Erwerb der Buwog sehr wichtig gewesen, erzählt Petrikovics. Immerhin vergrößerte sich deren verwaltetes Vermögen schlagartig – und damit an die CPB zu entrichtenden Managementgebühren. Zur Erinnerung: Zwischen 2004 und 2008 kassierte der aus Petrikovics, Norbert Gertner und Karl Arco bestehende CPB-Vorstand rund 65 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen die drei Personen wegen Betrugs- und Untreueverdacht. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

"Hochegger-Angebot erschien mir sinnvoll"
„Das Angebot von Herrn Hochegger erschien mir sinnvoll, insbesondere weil er damit auch daran gehindert war, gegen uns zu arbeiten, was im Hinblick auf seine bisherige Tätigkeiten für potenzielle Mitbieter durchaus denkbar war“, so Petrikovics. Und: „Um das Risiko einer derartigen Vereinbarung für unsere Seite so gering wie möglich zu halten, habe ich auf einem marktüblichen reinen Erfolgshonorar bestanden.“ Nur für den Fall des Zuschlags hätten die rund zehn Millionen Euro Provision fließen dürfen. Und eines ist Petrikovics besonders wichtig: „Dass Herr Meischberger in diese Sache in irgendeiner Weise involviert war, war mir nicht bekannt.“ Davon erfuhr er erst aus den Medien. „Tatsächlich kenne ich Herrn Meischberger nicht einmal persönlich und habe ihn nie getroffen.“

Von Ashwien Sankholkar

Südboy, 17. 10. '09 21:41
Familien Bangster
N. Gertner ist der Schwiegersohn von ex Aufsichtsrat E. Schaschl (ex CEO v. Wienerberger)

Grüß Gott herr Staatsanwalt.
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