trend - das österreichische Wirtschaftsmagazin

15.06.201214:56 Uhr

Die Top 500! Österreichs erfolgreichste Unternehmen 2011

  • Von Markus R. Leeb

Die Krise ist Vergangenheit. Österreichs Firmen zeigen sich im ersten Jahr nach der heftigsten Rezession der Zweiten Republik gesund und gestärkt. Die Unternehmensgewinne erreichen fast alte Rekordhöhen, die Umsätze steigen teils exorbitant, und die Beschäftigung war noch nie so hoch. Die Euro-Krise entfaltet keine Wirkung. Noch nicht



Optimismus versprühen Österreichs größte Unternehmen in ihren Geschäftsprognosen für 2011. Die Basis für die gute Stimmung stellt das vergangene Wirtschaftsjahr dar, in dem Umsätze und Gewinne wieder alten Rekordwerten nahekamen. Ein Jahr nach der schlimmsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit stehen die heimischen Firmen gut da. Nur wenige Ausnahmen wie die Branche der Luftfahrt trüben das Bild. Ein starker Aufschwung hat eingesetzt, der in erster Linie von der exportorientierten Sachgüterindustrie getragen wird. Aber auch der Konsum leistet einen wichtigen Beitrag, wie Rewe-Boss Frank Hensel betont. Besonders rasch erholt hat sich der gesunde Teil der Finanzbranche. Sosehr sich die Experten Anfang 2010 noch vor einem Rückfall in die Krise gefürchtet haben, so erfreulich beurteilen sie die Konjunktur im heurigen Jahr.

Positive Aspekte überwiegen.
Die enormen Staatsverschuldungen in Europa und den USA sowie die anhaltende Euro- oder Griechenlandkrise werden als Bedrohung des Aufschwungs wahrgenommen. „Aber die positiven Aspekte überwiegen“, bringt Voestalpine- Generaldirektor Wolfgang Eder die Antwort auf eine jüngst allzu oft gestellte Frage auf den Punkt. Die Stahlindustrie – und hier spielt die Voestalpine international eine bedeutende Rolle – ist ein ausgezeichneter Wirtschaftsindikator, weil die meisten anderen Branchen Stahl als Rohstoff für Infrastruktur oder Maschinen benötigen. So liefert der Stahlmanager Eder eine gute Beschreibung des Konjunkturverlaufs: „Nicht nur die Voestalpine, sondern weite Teile der Industrie weltweit haben sich überraschend schnell von den Auswirkungen der Krise der Jahre 2008 und 2009 erholt und sind dabei, deutlich schneller als erwartet wieder Anschluss an die solide Vorkrisenentwicklung zu finden.“

Weltweit gute Aussichten.
Nicht minder positiv klingt die Analyse von Markus Marterbauer vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo): „Der Welthandel expandierte zur Jahreswende 2010/11 kräftig, der Aufschwung der Weltwirtschaft hält also an. Das Welt-BIP wird 2011 und 2012 jeweils real um gut vier Prozent zunehmen.“ Als bedeutendsten Wachstumsmotor sieht der Wirtschaftsforscher die Wirtschaft der asiatischen Schwellenländer: „Dort erweisen sich nicht nur die Exporte, sondern auch die Investitions- und Konsumnachfrage als kräftig.“ Das deckt sich mit der Einschätzung von Stahlmanager Eder: „Der Aufschwung ist getragen vom ungebrochenen Bedarf der aufstrebenden asiatischen sowie zentral und südamerikanischen Volkswirtschaften. Erst über positive Sekundäreffekte, nämlich die Exportstärke ihrer Industrie in Richtung dieser Wachstumsmärkte, haben sowohl Europa als auch die USA mit erheblicher Verzögerung Anschluss an den Aufschwung gefunden, der in großen Teilen auch des Alten Kontinents inzwischen selbsttragenden Charakter hat.“ Eder beschreibt damit auch das Geschäft seines Konzerns.

Geteiltes Europa.
Dieses Szenario trifft aber nicht auf alle Staaten Europas zu. Ökonom Marterbauer spricht von einer wirtschaftlichen Teilung: „Unter dem Druck hoher Defizite und verstärkt durch die Finanzmärkte sowie die Rahmenbedingungen der EU-Kredithilfen wird in Griechenland, Irland und Portugal, aber auch in Spanien eine sehr restriktive Budgetpolitik mit Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen umgesetzt. Die Folge ist eine Verringerung des Budgetdefizits, aber auch eine erhebliche Dämpfung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit zunächst eine Vertiefung der Rezession. Somit hält die schon vor der Wirtschaftskrise beobachtete Zweiteilung der Konjunktur in der Europäischen Union an.“

Die Bedrohung.
Top-Manager orten in der Schuldenproblematik auch ein Risiko für den Aufschwung. Als „latentes Bedrohungspotenzial für einen nachhaltigen Aufschwung“ hat jüngst Wolfgang Eder zwei Faktoren zusammengefasst: die Verschuldungsproblematik verschiedener EU-Länder, vor allem aber auch der USA, sowie nach wie vor bestehende Schwächen der Finanzmärkte und Banken. „Dämpfende Effekte“ für die Konjunktur sieht Wirtschaftsforscher Marterbauer in der restriktiven Wirtschaftspolitik und dem Preisauftrieb, insbesondere der Rohstoffpreishausse. In Japan leide die Wirtschaftsentwicklung derzeit erheblich unter den Folgen der Naturkatastrophen und der nuklearen Verseuchung. Das Ausmaß dieses Rückschlags könne derzeit aber noch nicht abgeschätzt werden. Die Konjunkturpolitik der USA mit ihrem extrem niedrigen Zinsniveau ist hingegen eine Stütze der Weltwirtschaft.

Industrieregionen gewinnen.
Österreich zählt jedenfalls zu den Konjunkturgewinnern. Der Aufschwung verläuft aber innerhalb des Landes recht uneinheitlich. Die höchsten Wachstumsraten unter den Bundesländern verzeichnen die Steiermark und Oberösterreich (siehe Tabellen mit Bundesländer- Rankings). Als Gründe nennen Wirtschaftsforscher die Exportorientierung und das niedrigere Ausgangsniveau dieser von der Krise besonders betroffenen Regionen. Dies wird deutlich, betrachtet man die jeweils größten Unternehmen dieser Bundesländer. In Oberösterreich konnte die Voestalpine den Umsatz um 28 Prozent auf fast elf Milliarden Euro steigern und das operative Ergebnis (EBIT) auf 985 Millionen Euro mehr als verdreifachen. In der Steiermark legte der weltweit tätige Maschinenbau- und Kraftwerkskonzern Andritz um elf Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro Umsatz zu, während das Ergebnis sogar um 57 Prozent auf 258 Millionen Euro anstieg. Auch in Vorarlberg entwickelte sich die Bruttowertschöpfung laut Wifo überdurchschnittlich. Der größte Betrieb im Ländle, der Metallhändler Steinacher, profitierte alleine schon wegen der massiv gestiegenen Metallpreise.

Wachstum in den Ländern.
Anders stehen die Dinge in Niederösterreich: Obwohl die Wirtschaft dort 2009 überdurchschnittlich unter der Krise gelitten hatte, ist sie 2010 real am schwächsten unter den Bundesländern gewachsen. „Dieses ungünstige Ergebnis resultierte vor allem aus dem anhaltenden Rückgang der Sachgüterproduktion, die in Niederösterreich weniger stark vom Aufschwung in Deutschland profitierte als in den wachstumsstarken Regionen“, analysieren die Wifo-Experten. Auf den größten niederösterreichischen Betrieb, den Handelsriesen Rewe International, trifft dies allerdings nicht zu. Dank anhaltender Konsumbereitschaft im Lebensmittelhandel wächst Rewe weiter und erwirtschaftet bereits 40 Prozent des von Österreich aus gesteuerten Umsatzes im Ausland. Konzernchef Frank Hensel setzt nun vor allem auf den Ausbau der Eigenmarken. Auch die niederösterreichische Nummer drei, der Glücksspielkonzern Novomatic, hat für 2010 eine Rekordbilanz vorgelegt. Der Umsatz stieg gegenüber 2009 um 19 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. In Wien und im Burgenland war die Wirtschaft von der Krise im Jahr 2009 am wenigsten betroffen gewesen, weil sie stärker auf die Inlandsnachfrage hin orientiert ist. Sie wuchs aus demselben Grund 2010 leicht unterdurchschnittlich. Wien profitierte allerdings laut Wifo von einem Boom im Städtetourismus.

Steigende Rohstoffe pushen OMV.
Das größte Unternehmen Österreichs, der in Wien ansässige Mineralölkonzern OMV, hebt sich davon allerdings deutlich ab. Das kräftige Wirtschaftswachstum und die Ausweitung der Geldmenge haben die Weltmarkt-Rohstoffpreise nach oben getrieben. Rohöl der Sorte Brent kostete im März durchschnittlich 114,6 US-Dollar je Barrel, im April zog die Notierung weiter auf zeitweise über 126 US-Dollar an. Davon profitierte die OMV und machte Rückgänge aufgrund politischer Unruhen in einigen Förderländern wett. Der Umsatz im ersten Quartal des heurigen Jahres schoss um 53 Prozent nach oben. Seit April hat die OMV auch einen neuen Generaldirektor: Gerhard Roiss übernahm den größten Ölkonzern in Südosteuropa von Wolfgang Ruttenstorfer. Er kündigte an, eine weiterführende Strategieüberarbeitung einzuleiten: Das Unternehmensportfolio soll ausgeglichen gestaltet werden. Der Prozess orientiert sich dabei an drei von Roiss definierten Kernthemen: regionaler Fokus, Portfolioentwicklung und zukünftige Herausforderungen. Die neue Nummer zwei der Bundeshauptstadt heißt Gazprom. Die Tochter des russischen Gasriesen firmiert in Wien unter Gazprom Ne Trading. Die Energiehandelsfirma erwirtschaftet mit 52 Mitarbeitern einen Umsatz von beachtlichen 11,5 Milliarden Euro – allerdings zur Gänze im Ausland.

Kabel und Schokoriegel.
Im Burgenland weitete die Sachgütererzeugung ihre Produktion aus. Einbußen der Bauwirtschaft und des Tourismus verhinderten allerdings ein deutlicheres Wachstum. Das größte Unternehmen des Burgenlands ist mit 464 Millionen Euro Umsatz Kromberg & Schubert Austria, Tochterunternehmen eines über 100 Jahre bestehenden deutschen Konzerns mit der Kernkompetenz Elektrokabel. Mit 373 Millionen Euro Umsatz auf Rang zwei liegt ebenfalls ein Tochterunternehmen eines großen Konzerns: Mars Austria, bekannt durch seine stark beworbenen Markenschokoriegel.

Aufschwung beim Bauriesen.
In Kärnten, Salzburg und Tirol expandierte die Wirtschaft im Jahr 2010 dem Durchschnitt entsprechend. In Kärnten entwickelte sich die Sachgüterproduktion deutlich überdurchschnittlich, der Tourismus aber unterdurchschnittlich. Das größte Unternehmen Kärntens ist Österreichs Nummer zwei, der Baukonzern Strabag mit einem Nettoumsatz von 12,77 Milliarden Euro und weltweit 73.600 Mitarbeitern. Obwohl alle Wirtschaftsexperten die schwächelnde Bauwirtschaft beklagen, konnte Konzernchef Hans Peter Haselsteiner erst jüngst die Prognose für das laufende Jahr sowie für 2012 anheben. „Nach Vorliegen der Quartalsergebnisse blicken meine Vorstandskollegen und ich nun positiver in die Zukunft als noch bei der Veröffentlichung des Jahres Finanzberichts 2010“, so Haselsteiner. Demnach sollte die Bauleistung 2011 auf 14 statt 13,5 Milliarden Euro steigen. Als Kärntens Nummer zwei rangiert der Energieversorger des Landes: Die Kelag erwirtschaftet einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, und diesen zum Teil auch im Ausland. Als Nummer drei hat sich der Technologiekonzern In neon mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz und 2500 Mitarbeitern etabliert, der die Krise mit Kurzarbeit ausgezeichnet gemeistert hat und sich nun längst wieder auf Expansionskurs beendet.

Starke Marken.
Ein leicht unterdurchschnittliches Wachstum in Salzburg und Tirol führt das Wirtschaftsforschungsinstitut vor allem auf eine schwächere Entwicklung im Tourismus zurück. Tirols größtes Unternehmen, die Swarovski-Gruppe, trifft das nur zu einem kleinen Teil, betreibt der Konzern doch mit den Kristallwelten eine der meistbesuchten Attraktionen des Landes. Im Kerngeschäft und das ist mittlerweile das Markengeschäft konnte der Kristallkonzern nach den Krisenjahren aber wieder zulegen. Auf Rang zwei im heiligen Land rangiert der Holzkonzern Egger mit knapp 1,5 Milliarden Euro Umsatz und 5390 Beschäftigten. Von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung sind die drei größten Unternehmen des Landes Salzburg abgekoppelt. Es sind gleichzeitig drei der stärksten Marken Österreichs: Spar, Porsche und Red Bull. Die Spar-Österreich-Gruppe steigerte ihren Umsatz 2010 um 4,4 Prozent auf 11,71 Milliarden Euro. Besonders stolz ist man auf die über 2000 neuen Arbeitsplätze in Österreich. Der Handelsriese beschäftigt bereits 74.000 Menschen. Seit Anfang Mai 2011 erfolgt die Führung des Konzerns über die neu gegründete Spar Holding AG mit Sitz in Salzburg unter dem Vorsitz von Gerhard Drexel.

Trotzdem Aufschwung.
Der Aufschwung ist voll im Gang. Trotz „einer bedrohlich angewachsenen Staatsverschuldung in einer Reihe europäischer Länder, vor allem aber in den USA, anhaltender Diskussionen über die Belastbarkeit des internationalen Bankensystems, zunehmender Ängste vor neuen Blasen“, wie Voestalpine-Boss Wolfgang Eder skizziert. Kritische Worte findet er zu den heimischen Politikern, die er als „sowohl auf europäischer als auch nationalstaatlicher Ebene in ihrer Problemlösungskompetenz überfordert“ bezeichnet. Aber, so Eder: „Nicht einmal das konnte den Aufschwung verhindern.“

Österreich: Teil der Konjunkturinsel.
Den wirtschaftlich stärksten Teil des konjunkturell uneinheitlich strukturierten Euroraums sieht Wirtschaftsforscher Marcus Scheiblecker in erster Linie rund um Deutschland positioniert. „Die exportorientierten Volkswirtschaft en in der Nachbarschaft zu Deutschland erholen sich weiter. Nach wie vor sind die Unternehmen bezüglich der Produktionsaussichten für die kommenden Monate ausgesprochen optimistisch“, analysierte Scheiblecker nach einer Umfrage Mitte Mai. Die Arbeitsmarktlage dieser Kernländer, zu denen das exportorientierte Österreich zählt, bessert sich zusehends. „Der Aufholprozess der ostmitteleuropäischen Länder ist nach der Krise wieder in Gang gekommen, die Entwicklung ist überwiegend robust“, so das Urteil des Wifo-Experten. Die Wifo-Umfragen unter heimischen Unternehmen der Sachgütererzeugung spiegeln großen Optimismus bezüglich ihres aktuellen Geschäftsgangs wider. „Der weitere Ausblick lässt jedoch auf eine Verlangsamung des Aufschwungs in den kommenden Monaten schließen. Während die Inflation im März abermals stieg, verbesserte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter“, merkt Scheiblecker an.

Das aktuelle trend Top 500-Ranking (2012) erscheint am Montag!

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